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In englischer Kriegsgefangenschaft 1916/17 : Aufzeichnungen und Erinnerungen des Sanitätssoldaten Karl Brasch, Gießen während seiner 19monatlichen Gefangenschaft
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trotzdem mit zur Arbeitsſtelle gehen. Wenn einer nicht völlig zuſammenbrach, bekam er keine Schonung.

Mitte Juli kam eine Kommiſſion der Schweizer Ge⸗ ſandtſchaft in unſer Lager. Wir atmeten auf. Man konnte doch jetzt ſeine Beſchwerden vorbringen und dieſe hatten auch Erfolg. Wenn auch das Eſſen nicht beſſer wurde, ſo bekamen wir doch jetzt endlich gute Schuhe, ja ſogar Gummiſtiefel, ſowie neue Wäſche. Auch Kleidung wurde uns verabreicht. Der Anzug war angefertigt aus braunem Manſcheſterſtoff. Auf dem Rock befand ſich ein großer blauer Mond, ebenſo auch auf den beiden Hoſenbeinen. Schöner konnten ſie uns wirklich nicht maskieren. Der Kommandant wurde ſeines Poſtens enthoben. Der neue Kommandant behandelte uns wenigſtens als Menſch, wo⸗ durch unſere Lage erheblich beſſer wurde. Auch brauchten wir, wenn es zu ſtark regnete, nicht mehr zu arbeiten. War man aber einmal auf der Arbeitsſtelle, mußten wir

auch bei ſtarkem Regen den Tag bis zum Abend verbringen.

Unſere Arbeit ſelbſt beſtand aus dem Bauen von Flugzeughallen, ſowie Fliegerzielwurfbahnen. Die Arbeit war bis Anfangs November 1917 im Rohbau beendet und die Engländer begannen mit ihren erſten Verſuchen. Zu⸗ erſt ſollte die Landung eines Fliegers ausprobiert werden. Der Flieger kam ſehr langſam zur Erde nieder, verſank aber ſofort bis zu den Räderachſen in dem Dreck und hätte ſich beinahe überſtürzt. Wir mußten ihn dann auf die Landſtraße drücken, von wo aus er wieder aufſteigen konnte. Ein zweites, ein Waſſerflugzeug wollte auf dem See ſeine Landungsverſuche machen. Auch dieſer Verſuch endete in tragiſcher Weiſe. Der Flieger beſchrieb einige ſchöne Kurven und kam langſam auf das Waſſer nieder, ungefähr 50 m

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