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In englischer Kriegsgefangenschaft 1916/17 : Aufzeichnungen und Erinnerungen des Sanitätssoldaten Karl Brasch, Gießen während seiner 19monatlichen Gefangenschaft
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geſtellt. Eine große Halle, die von einem VereinChriſtlicher junger Männer aufgeſtellt war, kam uns für dieſen Zweck ſehr zu ſtatten. Die Halle diente zu Theateraufführungen und Gottesdienſte und hatte Platz für etwa 400 Perſonen. Auch ein Theaterverein, der uns durch ſeine Vorſtellungen ergötzte, wurde bald gegründet. Die Kuliſſen, Koſtüme und ſonſtigen Gegenſtände, die dazu nötig waren, ſtellte Herr Dr. Markel zur Verfügung. So war uns Zerſtreuung genug geboten. Auch eine Lagerſchule hatte ihre Wirkſam⸗ keit begonnen und zählte bereits einen großen Teil der Lagerbürger zu ihren Schülern. Es wurde Unterricht in allen Fächern erteilt. Allmählich lebte man ſich mehr und mehr ein und hatte ſich auch bald an dieſe ungewohnten Verhältniſſe gewöhnt. So wäre unſere Lage ganz erträg⸗ lich geweſen, wenn nicht das ſtete Einerlei geweſen wäre. Durch allerlei nützliche Beſchäftigungen ſuchte man die trüben Gedanken zu verſcheuchen.

In den einzelnen Baracken ging es lebhaft zu. In der einen Ecke ſaß eine Gruppe und ſpielte Skat, in der anderen Ecke waren einige mit der Anfertigung von Schnitz⸗ arbeiten, Malereien uſw. beſchäftigt. Hier ſuchte einer Violinſpielen zu erlernen, dort ſtand einer und grübelte darüber nach, wie er am beſten ſein Nachtlager verbeſſern konnte. Wieder andere ſaßen um den kalten Ofen herum. So ſtrich langſam die Zeit dahin.

Vom Sommer hatten wir nicht viel gemerkt. Schon im November wurde es ungewöhnlich kalt. Regen und Schnee wechſelten einander ab. Man hatte unter dieſer Kälte ſehr zu leiden, umſomehr, als uns von der Lager⸗ verwaltung Kohlen in nur ganz geringen Mengen geliefert wurden. Auf jede Baracke, die mit 38 Mann belegt war,

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