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In englischer Kriegsgefangenschaft 1916/17 : Aufzeichnungen und Erinnerungen des Sanitätssoldaten Karl Brasch, Gießen während seiner 19monatlichen Gefangenschaft
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1 Eßbeſteck und einen Eßnapf zugeteilt. Das erſte Mit tageſſen beſtand aus dicker Bohnenſuppe. Es war reich⸗ lich und gut. Auch bekamen wir an demſelben Tag⸗ noch Briefpapier, ſodaß jeder gleich ſchreiben konnte. Die Briefe wurden mit der Eilpoſt befördert, ſodaß ſie ſchon u etwa 14 Tagen in Deutſchland ſein konnten. Das Lager an und für ſich war in 4 kleinere Lager eingeteilt, welche durch einen etwa 3 m hohen Stacheldrahtzaun von einander ge⸗ trennt waren. Stobs wurde dies Ganze genannt. Es diente vor dem Kriege als Truppenlager und lag in einer Talmulde, ringsum von hohen Bergen umgeben. Die Berge ſelbſt waren unbewaldet. Bäume und Sträucher waren in der ganzen Gegend nicht zu ſehen. Nur Schafe konnte man in großer Anzahl erblicken. Dieſelben bringen Sommer wie Winter, ohne jede Rückſicht im Freien zu. Sie lebten von Gräſern, Heidekraut und Farnkraut. Das

ganze Lager war von einem hohen Stacheldrahtzaun um⸗ geben, welcher Nachts mit unzähligen Lichtern beleuchtet war. Etwa alle 100 Schritte ſtand ein Poſtenhaus, von uns Kaſpertheater genannt.

Tag für Tag regnete es, und die Wege im Lager und um die Baracken herum waren aufgeweicht; wer keine langen Stiefel hatte, blieb am beſten in ſeiner Hütte.

Da wir uns mit den Kameraden, die ſchon länger hier waren, aber ſich getrennt von uns in einem Lager befanden, nicht unterhalten durften, ſo ſuchten wir es aber auf jede Art möglich zu machen. Wir waren etwa 800. Mann in unſerem Lager. Ein Sergenant wurde als Lagerälteſter ernannt, der unſere Intereſſen dem Lager⸗ kommandanten vertreten ſollte. Im Laufe der Zeit bekam jeder Mann Unterwäſche, Mützen, Handtücher, Seife und

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