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In englischer Kriegsgefangenschaft 1916/17 : Aufzeichnungen und Erinnerungen des Sanitätssoldaten Karl Brasch, Gießen während seiner 19monatlichen Gefangenschaft
Entstehung
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Zelte mit engliſchen Soldaten belegt waren. An dem Zelt⸗ lager vorbei, ging es nun in das Innere des Gebirges. Endlich tauchte Stacheldraht in einer Talmulde vor uns auf und als wir näher kamen, ſahen wir, daß auch einige Baracken zum Vorſchein kamen. Das war unſer neues Heim.

Kameraden kamen aus den Baracken geſtürzt, noch im Nachtaufzuge, ſich die Augen ausreibend und riefen uns ein herzliches Willkommen zu. Nun wußten wir auch, wo wir waren. Aus dem Tore des Lagers begrüßte uns eine Muſikkapelle, die aus deutſchen Gefangenen beſtand mit dem Liede:Deutſchland, Deutſchland über alles. Sie hatten kaum die erſte Strophe fertig geſpielt, als ſie wie⸗ der verſchwandeu, denn ein engliſcher Offizier näherte ſich mit eiligen Schritten dem Lager. Wir wußten, was dies bedeuten ſollte, denn dieſer Empfang war nicht von eng

liſcher Seite geſtattet, ſondern wurde eigenmächtig von un⸗ ſeren deutſchen Kameraden ausgeführt. Wir wurden nun in Gruppen zu je 38 Mann eingeteilt und bekamen eine Baracke zugewieſen. Ein deutſcher Unterofſizier wurde zum Baracken⸗Alteſten ernannt. Die Baracken lagen aber ge⸗ trennt durch einen Stacheldrahtzaun von denen der Ge⸗ fangenen, die ſchon länger im Lager waren.

Wir begaben uns nun in die Baracken. Die Baracke ſelbſt war etwa 25 28 m lang und etwa 8 m breit. Sie waren innen mit Asbeſt ausgeſchlagen. In der Mitte ſtand ein Ofen und 5 Tiſche mit je 2 Bänken. An den Seiten befanden ſich je 19 Pritſchen mit den dazu gehörigen Stroh⸗ ſäcken und Kopfkeilen. Die Pritſche ſelbſt beſtand aus 3 Brettern, etwa 2 m lang und aus 2 Böcken, etwa 15 cm. hoch. An demſelben Tag erhielt noch jeder Mann 3 Decken,

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