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In englischer Kriegsgefangenschaft 1916/17 : Aufzeichnungen und Erinnerungen des Sanitätssoldaten Karl Brasch, Gießen während seiner 19monatlichen Gefangenschaft
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machten uns die Beläſtigungen der Civilbevölkerung ſehr viel zu ſchaffen. Viele meiner Kameraden trugen kleinere Verletzungen durch Steinwürfe davon. Es wäre vielleicht noch ſchlimmer geworden, wenn nicht noch im letzten Au⸗ genblicke die Wachmannſchaft die Bevölkerung zerſtreut hätte. So ging es durch die ganze Stadt. Es war ſehr heiß, Hunger und Durſt plagten uns. Endlich, nach Zſtündigem Marſche, gelangten wir auf einen großen Trup⸗ penübungsplatz. Hier bekamen wir nun Scheeren und Haarſchneidemaſchinen. Gegenſeitig mußten wir uns nun die Haare ſchneiden. Auch Schnurrbärte und Bärte fielen dieſer Prozedur zum Opfer. Man ſah nun ſchon richtig wie ein zahmer Engländer aus. Dann wurde gebadet. Warmes oder heißes Waſſet bekamen wir aber keins. Alles fand unter freiem Himmel ſtatt. Später wurden wir zu einer etwas abſeits gelegenen Entläuſungsanſtalt gebracht. Man hatte jedoch mehr Läuſe mitgenommen, als man mit⸗ brachte. Auch mußte Mancher, dem es bisher noch ge⸗ lungen war, ſeine Uhr, Geld oder ſonſtige Wertſachen zu verſtecken, dieſe Gegenſtände hier einbüßen. Selbſt den Offizieren erging es nicht beſſer. Wir waren deshalb froh, als auch dies erledigt war. Wir gingen wieder nach dem alten Platz zurück, wo uns endlich etwas Brot und Büch⸗ ſenfleiſch verabreicht wurde; auch etwas warmen Tee ließen uns die Engländer zukommen.

Die nähere Umgebung war recht belebt. Truppen aller Waffengattungen konnte man hier ſehen, auch Schotten, Neuſeeländer, Kanadier, Indier, Auſtralier uſw. Eine größere Abteilung Schottländer mit ihren kurzen Röckchen marſchierte an uns vorüber. An der Spitze gingen einige Dudelſackbläſer; o, welche Muſik! Ich glaubte mich auf

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