Gegen Abend brachte uns engliſche Kavallerie nach einem anderen Dorfe. Hier wurden wir in einem großen Hofe, welcher mit dichtem Stacheldraht umzäunt und mit großen Lampen beleuchtet war, unter freiem Himmel unter⸗ gebracht. Hier begann nun die eigentliche Unterſuchung. Alle ſchriftlichen Sachen hatten wir unterwegs ſchon ver⸗ nichtet, ſodaß den Engländern nichts wertvolles mehr in die Hände fiel. Ich ſelbſt konnte meinen Sanitäts⸗Ausweis behalten, während einem Teil der Sanitätsmannſchaft auch dieſes wertvolle Dokument abgenommen wurde. Es ſetzte plötzlich ein heftiger Regen ein. Unterſchlupf konnten wir keinen ſuchen, und ſo mußten wir die ganze Nacht im ſtrömenden Regen zubringen.
Am 4. Juli morgens mußten wir antreten und wur⸗ den gezählt. Nachdem jeder mit etwas Konſervenfleiſch und Zwieback verſehen war, marſchierten wir weiter nach Marie⸗ court. Es regnete noch immer. Hier angekommen, wurden wir nach etwa Zſtündigem Warten(wieder unterm freien Himmel) verladen. Es wurden nun etwa 60—70 Mann in einen Wagen gepfercht. An Schlaf war noch immer nicht zu denken, denn keiner konnte ſich ſetzen, viel weniger noch hinlegen. Auch brauchte keiner Angſt zu ha— ben, daß er umfiel. Etwa gegen 3 Uhr nachmittags ſetzte ſich der Zug endlich in Bewegung, nachdem uns die fran⸗ zöſiſche Civilbevölkerung mit Steinewerfen und Zurufen beläſtigt hatte. Der Zug fuhr ſehr langſam. Faſt an jeder größeren Station hielt er, wo wir immer wieder von der Bevölkerung beſchimpft wurden. Sie warfen Steine in die offenen Lucken des Wagens oder ſpuckten hinein. An einer anderen Station ſchüttete ſogar eine Frau heißes Waſſer über unſere Köpfe, wodurch einige meiner Kame⸗
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