Jahrgang 
1898
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Gymnasium und Realschule schon von der untersten Klasse an ganz ungleich sind, so ist ein Uebergang selbst aus unteren Klassen ohne Verlust an Jahren nicht möglich. Nur wenn nach dem erfolglosen Besuch der Sexta des Gymnasiums ein Wechsel der Anstalt ein- tritt, würde nur ein Jahr verloren sein. Dieser Uebergang, sowie auch die Wahl der höheren Lehranstalt sollte eigentlich dem Er- messen und den Erfahrungen des Vaters anheimgegeben werden. Bei einer rechtzeitigen Berücksichtigung der Beanlagung des Knaben könnten diese Fehler vermieden werden. Die hier mitgeteilten Verhältnisse waren auch bei den Beratungen über die Erweiterung der Realschule zur Vollanstalt, sowie bei der an- gegebenen Beschlussfassung massgebend.

Das Kuratorium der Realschule ist dasselbe wie bei dem früheren Realprogymnasium und besteht aus

1. dem Herrn Oberbürgermeister Schüler, Vorsitzender,

dem Herrn Sattlermeister Döring, Stadt- ratsmitglied,

dem Herrn Landgerichtsrat Gleim, Mit- glied des ständigen Bürger-Ausschusses, dem Herrn Pfarrer Scheffer, Vertreter der evangelischen Kirche und

dem unterzeichneten Direktor der Anstalt.

Im Lehrerkollegium sind im ver- flossenen Schuljahr keine Aenderungen vor- gekommen. Nur war Herr Oberlehrer Pohl als Reserve-Lieutenant vom 8. Juni bis zum 3. August zu einer militärischen Uebung ein- gezogen. Während dieser Zeit, in welche die vierwöchentlichen Sommerferien der Anstalt fielen, hatte Herr Dr. Schwertfeger die Vertretung freundlichst übernommen, Für die pünktliche Erfüllung der Amtsobliegenheit und die Fortführung der Klassen in den resp. Pensen ist ihm die Anstalt zu bestem Dank verpflichtet.

Der Gesundheitszustand bei Lehrern und Schülern war im letzten Schuljahr, wie auch im vorletzten, ein recht erfreulicher, so dass bei beiden eine längere Verhinderung am Besuche der Schule nicht stattfand. Ein Aus- fall der Stunden wurde in der Regel durch Vicarieren des Unterzeichneten ver- mieden.

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Da alle wissenschaftliche Stunden im Sommer auf den Vormittag von 7 bis 12 Uhr und nur einige Stunden technischer Unterricht der oberen Klassen auf den Nachmittag verlegt worden waren, so war ein Ausfall des Nachmittags- unterrichts an heissen Tagen nicht mehr not- wendig. Hierbei sei bemerkt, dass die fünfte Stunde von 11 12 Uhr sich zum Unterrichten geeigneter erwies als die frühere Stunde von 2 3 Uhr, so dass bei einem etwaigen Fortfall der letzten Morgenstunde jene erste Nach- mittagsstunde im Sommersemester doch nicht wieder einzuführen sein würde; wohl aber würde sich die Stunde von 3 4 Uhr dazu empfehlen (vergl. Dr. L. Wagner, Arzt und Gymnasial- lehrer, über Ermüdung und Unterricht). In- dessen möchte eine genaue Kontrolle über die geeignete Verwendung der freien Nach- mittage seitens Schüler nach gemachten Wahrnehmungen angezeigt sein.

Am 2. September v. J. wurde das An- denken an den glorreichen Sieg bei Sedan in gleicher Weise mit Gesang. Deklamation und Festrede in gemeinsamer Versammlung der Lehrer und Schüler gefeiert. Herr Professor Hölzerkopf sprach über die Eroberung von Strassburg. Die Feier war jedoch eine interne.

Am 30. Oktober wurde der Einführung der Reformation und der Gründung der evange- lischen Kirche in Verbindung mit der Andacht, am Wochenschluss gedacht.

Am 27. Januar wurde in herkömmlicher Weise als am Geburtstage Sr. Majestät unseres Kaisers und Königs Wilhelm II. eine öffentliche Feier mit Gesang und Deklamation patriotischer Lieder und Gedichte veranstaltet, der sich ein Redeakt anschloss. Herr Oberlehrer Pohl sprach über die Hansa und zeigte darin die Gründe ihres Aufblühens und ihres Verfalles. Am Schlusse der Feier hatte der Unterzeichnete den angenehmen Auftrag, das von Sr. Majestät dem Kaiser Wilhelm II. der Anstalt durch die vorgesetzten Behörden übersandte, interessante und wert- volle BuchDeutschlands Seemacht sonst und jetzt von Wislicenius einem Schüler zu übergeben. Das Lehrerkollegium hatte be- schlossen, das Buch dem Primus der Prima Karl Knoch aus Marburg zum Andenken zu überreichen, welches in Verbindung mit einer Ansprache des Vorstandes geschah.