Jahrgang 
1889
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5.

12 nachdem ein am 30. Juli gemachter Verſuch, den Unterricht wieder aufzunehmen, mißglückt war, wurde ihm durch Verfügung vom 10. September 1888 zur Wiederherſtellung ſeiner Geſundheit ein Urlaub bis Neujahr 1889 bewilligt. Wenn nun auch der Kollege noch nicht gärzlich geheilt iſt und noch große Vorſicht gebrauchen muß, ſo verſieht er doch ſeit Neujahr ſeinen vollen Dienſt.

Kollege Mitzenius mußte in dieſem Winter zum erſten Male öfter den Unterricht ausſetzen; er klagte über ein ſchmerzhaftes Leiden, das mit Atemnot und Herzbeklemmung verbunden ihn zeit⸗ weilig in den Zuſtand von Bewegungsloſigkeit verſetzte. Auf ſein Nachſuchen wurde er durch Aller höchſte Entſchließung vom 9. Januar 1889 mit Wirkung vom 1. Mai d. J. an bis zur Wieder⸗ herſtellung ſeiner Geſundheit in den Ruheſtand verſetzt. Zweifellos war das Leiden ſchwerer, als man angenommen, und durch eine nervöſe Erkrankung begründet. In der Nacht vom 20. auf den 21. Februar fand er ſeinen Tod. Seit Oſtern 1879 gehörte er dem Lehrerkollegium der Real⸗ ſchule an.

Durch leichtere, bald vorübergehende Erkrankungen mehrerer Kollegen entſtanden gleichfalls Störungen im Betriebe des Unterrichtes. Teils ſolche Urſachen, teils Behinderungen anderer Art, machten es unmöglich, das Winterſemeſter am 17. September vorſchriftsmäßig zu beginnen. Mit Genehmigung der Behörde wurde der Beginn desſelben auf den 24. September 188s feſtgeſetzt.

Wie der Geſundheitszuſtand der Lehrer ſo ließ auch der der Schüler vieles zu wünſchen übrig. Wenn auch Scharlach und Diphtherie nicht in dem Umfang ſich ausbreitete, daß, wie im vorigen Schuljahre, eine Klaſſe geſchloſſen werden mußte, ſo traten doch während des ganzen Schuljahres zahlreiche Erkrankungsfälle ein. Viele Schulverſäumniſſe wurden durch Maſern, die meiſten jedoch durch ſehr gelind verlaufende Röteln verurſacht. Zwei hoffnungsvolle Schüler verloren wir durch den Tod. Am 26. März 188s8 ſtarb der Unterprimaner Ludwig Biſchoff aus Gießen an einer Lungenentzündung und am 4. Mai der Schüler der 3. Vorſchulklaſſe Alfred Köllner von Gießen am Croup.

Während des Sommerhalbjahres wurden mehrere Kollegen zu militäriſchen Uebungen einberufen, ſo daß auch hierdurch nachhaltige Störungen im Unterrichte entſtanden. Kollege Dr. Erb war vom 4. April bis 31. Mai 1888 eingezogen; Kollege Dr. Baltz diente vom 31. Mai an; vor Vollendung ſeiner Uebung, am 11. Juli 1888, erkrankte er, vergl. oben unter 4. Kollege Dr. Scheuermann war vom 2. bis 16. Juli und Kollege Geiger vom 23. Juli bis 17. September 1888 unter den Fahnen.

In das Schuljahr 1888/89 fallen außer den unter Nr. 4 erwähnten noch folgende Veränderungen in der Zuſammenſetzung des Lehrerkollegiums:

Durch Miniſterial-Verfügung vom 20. März 1888 wurde der Lehramts⸗Acceſſiſt Albert Wamſer proviſoriſch zum Lehrer an der höheren Bürgerſchule zu Butzbach ernannt. Durch Verf. vom 7. April 1888 wurde der Lehramts⸗Acceſſiſt Dautel aus Mainz zur Aushilfe unſerer Anſtalt zugewieſen. Da derſelbe in jener Zeit am Turn⸗Curſus in Darmſtadt Anteil genommen hatte, konnte er erſt nach Beendigung desſelben, am 18. Mai ſeinen Dienſt hier antreten. Durch Min. Verf. vom 25. September 1888 wurde er zur proviſoriſchen Verwaltung einer erledigten Lehrerſtelle an das Gymnaſium zu Mainz geſandt. Der Lehramtscandidat Otto Heineck aus Hungen wurde durch Verf. vom 7. April 1888 zum Acceß an unſerer Anſtalt zugelaſſen. Der durch Verf. vom 19. April 1888 zur Stellvertretung berufene Lehramtsacceſſiſt Heinrich Peth trat am 2. Mai ſeinen Dienſt an. Nachdem mit Beginn des Winterhalbjahres Kollege Schwabe ſeinen Unter⸗

richt wieder übernommen hatte und ſomit jene Stellvertretung überflüſſig geworden war, mußte von