b) Das Compositum vertritt den Genetiv des in ihm enthaltenen Substantivs nebst dem zuge- hörigen adjectivischen Begriff.
Hierbei mufs also jedesmal das Compositum in seine beiden Bestandteile zerlegt werden, und zwar so, daſs zu dem einen Glied, das ein Substantiv sein muls, das andere attributiv als Adjectiv, Particip, Zahlwort tritt. Selbstverständlich kann es sich hier nur um Determinativa handeln, deren Begriff ich jedoch nach der letzten Darstellung Clemms*) auf diesem Gebiete möglichst weit fasse, indem ich hierhin alle Composita rechne, deren zweites Glied in irgend einer Weise, also auch durch den Genetiv, Dativ u. s. w. näher bestimmt wird. Auch die nach unserem wie dem späteren griechischen Sprachgefühle meist zu den attributiven gerechneten, aber nach Osthoff**) auf determinativen beruhenden Composita rechne ich hierher, mir für später vorbehaltend darzuthun, in wie weit jene Zurückführung der bahuvrthi-Composition auf ein metaphorisches karmadharaja noch Stützen bei Aeschylus hat.
Gleich unser erstes Beispiel ist wohl geeignet zu zeigen, worauf es hierbei ankommt. Tidονάrns ist man geneigt zu den attributiven Zusammensetzungen zu rechnen: 1000 Schiffe habend; allein nach dem hübschen Osthoff'schen Gedanken sind alle derartigen Bildungen zurück- zuführen auf ursprüngliche Determinative, also= Tausendschiffer. Selbstverständlich aber trat an Stelle dieses appositiven Verhältnisses in der späteren Phase der griechischen Sprache das attributive. Es würde mich nicht befremden, wenn man mir das Compositum als ein attributives entgegen- hielte und erklärte:„Zug, der 1000 Schiffer in sich begreift“. Wirklich entscheidend kann hier blols unser Gefühl sein; für dasjenige des Dichters können wir nur annehmen, daſs er hier wie in den folgenden Stellen Composita zu Substantiven gesetzt hat, die nicht ohne Weiteres Träger jener sein können, und die unserem Gefühle nach ein Genetivverhältnis erfordern. Wer überdies an der Berechtigung der Osthoff'schen Theorie festhält, für den bleibt unsere Erklärung unanfechtbar. Also ist Ag. 45 G67408 viοναm= ZAloν vu. Für die beiden Genetive setzt die prägnante Tragikersprache ein bedeutsames Wort.— ⁴‿ααωάνοσσ aluæτoραeνꝶ‿άďr aluaros oααeνευ os der Brei vergossenen Blutes. Pers. 807. Die Lesart, wie Dindorf u. A. thun, in μαάοοτxνs zu ändern, weil dieses sich sonst bei Aeschylus findet, sehe ich keinen Grund ein, da alud ogçdecv auch für unseren Dichter***) durch Ag. 1343 beglaubigt ist.— Ebenso erkläre ich ναοωινειννσασeνα eοα Blutströme der geschlachteten, geopferten Jungfrau. Wer will die Einfachheit dieser Erklärung, welche selbst für einen Schüler leicht faſslich ist und sprachlich nicht die mindesten Bedenken hat, leugnen? Man muſs sich nur dazu ent- schlieſsen, an das Gesetz von der Mannigfaltigkeit der in einem Compositum ausgedrückten Ver- hältnisse, von dem Jedermann spricht, auch wirklich zu glauben, und daher unter αοαονεεανασemνο nicht blols„von Jungfrauen getötet“ verstehen, sondern das Wort in Verbindung mit seinem Substantivum betrachten, woraus sich alsdann die bloſs andere Art der Determination von selbst ergiebt. Wer dies nicht thut, muſs allerdings zu den mannigfachsten Auswegen greifen, so Dindorf: in virginis eaede effusus, weil dies zufällig einen zu den„Blutströmen“ leidlich passenden Sinn giebt.— Vorzügliches Beispiel: aluν Iolοαονον das Blut getöteter Schweine.
*) Curt. Stud. VII, 84.
**) Das Verbum in der Nominalcomposition im Deutschen, Griechischen, Slavischen und Romanischen 128 ff. vgl. dazu W. Clemms Receusion Lit. Centralblatt 1878, 672 fl.— Vgl. auch R. Brugman KZ. XXIV, 39—43.
***) Eur. hat diese Verbindung El. 92. 281.


