Aufsatz 
Lernstoff für den chemischen Unterricht in der Tertia der Landwirtschaftsschule zu Weilburg
Entstehung
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Der Umſtand, daß Ha SoOz eine ſchwefelhaltige Säure iſt, legt die Frage nahe: 17) Iſt HSOz die bekannte Schwefelſäure?

Nein, denn die käufliche Schwefelſäure riecht nicht. Wir nennen HSOz ſchweflige Säure. Sie gibt beim längeren Stehenlaſſen an der Luft, ſchneller beim Erhitzen, SO ab. Doch hinterbleibt kein Waſſer, ſondern eine ſaure Flüſſigkeit, die nicht mehr riecht. SOz wird alſo nur zum Teil abgegeben. Und dieſe dritte Säure kann aus der ſchwefligen Säure nur durch Oxydation entſtanden ſein. Vielleicht iſt dies Schwefelſäure.(Vgl. Frage 18.)

HeCOz nennen wir Kohlenſäure. Sie entläßt beim Stehenlaſſen, ſchneller beim Erhitzen, alles Kohlendioxyd, während reines Waſſer zurückbleibt.

Alle dieſe Säuren kann man außer am Geſchmack daran erkennen, daß ſie blaue Pflanzenfarbſtoffe rot färben(z. B. blauen Lackmusfarbſtoff, Lackmuspapier). CO wird vielfach auch Kohlenſäure genannt. Es iſt jedoch keine echte Säure, denn ſie färbt Lack⸗ muspapier nicht rot. Auf der Zunge erzeugt ſie allerdings einen ſäuerlichen Geſchmack. Doch bildet ſich mit dem Mundwaſſer erſt HCOz. Zur Unterſcheidung nennen wir H2CO waſſerhaltige oder echte Kohlenſäure. Entſprechend iſt nur H. SOz die echte ſchwef⸗ lige Säure.

18) Was iſt Schwefelſäure?

Schwefelſäure iſt in reinem, konzentriertem Zuſtande eine ſehr giftige, farb- und geruch⸗ loſe, ölige, ſchwere Flüſſigkeit. Mit Waſſer läßt ſie ſich unter ſtarker Erwärmung beliebig verdünnen und wirkt ſelbſt in großer Verdünnung noch ſauer. Sie zieht auch aus der Luft Feuchtigkeit an und vermehrt dadurch ihr Volumen. Ebenſo entzieht ſie allen pflanzlichen und tieriſchen Stoffen das Waſſer, verkohlt und zerfrißt ſie. Auch hineingefallener Staub und dergleichen wird verkohlt. Deshalb iſt die gewöhnliche Schwefelſäure oft dunkel gefärbt. (Vorſicht beim Aufbewahren und Verwenden der Schwefelſäure!)

Der Beantwortung der Frage nach der chemiſchen Zuſammenſetzung der Schwefelſäure kommen wir wahrſcheinlich näher, wenn wir die Verwendung der Schwefelſäure betrachten. Man benutzt ſie bekannt⸗ lich in verdünntem Zuſtande zum Putzen von Kupfergeſchirr.

19) Kann man nicht Eiſen⸗ und Zinkgeräte ebenfalls mit Schwefelſäure putzen?

Nein, dieſe Metalle werden beim Behandeln ſelbſt mit verdünnter Schwefelſäure zer⸗ freſſen und rauh. Denn dieſe Säure löſt ſie unter Entweichen von Waſſerſtoff zu einer klaren Flüſſigkeit auf, die bei Anwendung von Eiſen grün, bei Anwendung von Zink farblos iſt. Aus der erſteren Flüſſigkeit ſcheiden ſich beim Eindunſten grüne Kryſtalle von Eiſen⸗ vitriol, aus der letzteren farbloſe von Zinkoitriol aus. Da dieſe Metalle allein Waſſer bei gewöhnlicher Temperatur nicht zerſetzen, ſo muß der Waſſerſtoff aus der Schwefelſäure ſtammen. Die Metalle haben ihn ausgetrieben und ſich mit dem Reſt der Schwefel⸗ ſäure zu den Vitriolen verbunden.

Fiſ gaſſerſtoff So zurereſt= Ei S kelſ⸗ ſ f Eiſen+ Waſſerſtoff+ Schwefelſäurereſt= Eiſen+ Schwefelſäurereſt+. Waſſerſtoff

,,. 71.2 Schwefelſäure. Eiſenvitriol.

20) Weshalb darf man zum Putzen von Kupfergeräten nicht konzentrierte Schwefel⸗ ſäure nehmen?

Dieſe greift auch Kupfer an. Sie löſt es unter Entweichen von Schwefeldioxyd zu einer blauen Flüſſigkeit auf, aus der beim Eindunſten klare, blaue Kryſtalle von Kupfer⸗ vitriol ſich ausſcheiden.(Entſprechend verhält ſich die konzentrierte Säure gegen Eiſen und Zink). Da das Schwefeldioxyd nur aus der Schwefelſäure ſtammen kann, ſo iſt in letzterer außer Waſſerſtoff noch Schwefel und Sauerſtoff nachgewieſen. Berechnungen ergeben, daß für Schwefelſäure die Formel HSO; anzunehmen iſt.(Sie iſt alſo der ſchwefligen Säure ſehr ähnlich zuſammengeſetzt, enthält nur mehr Sauerſtoff. Hiermit ſtimmt überein, daß wir ſie aus der ſchwefligen Säure durch Oxydation derſelben erhalten.) Für die Vitriole ergeben ſich die Formeln FesOx, ZnSOxl, CuSsOx. Jene Vorgänge werden alſo durch die Formeln ausgedrückt: