Aufsatz 
Lernstoff für den chemischen Unterricht in der Tertia der Landwirtschaftsschule zu Weilburg
Entstehung
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13) Kann man auch den Sauerſtoff des Waſſers aus demſelben frei machen?

Nur mit Hülfe deselektriſchen Stromes. Leiten wir dieſen durch Waſſer, welches etwas angeſäuert iſt, um esleitungsfähig zu machen, ſo ſteigen an beidenPo⸗ len Gasbläschen auf. Und zwar wird an dempoſitiven Pole Sauerſtoff, an dem negativen Pole die doppelte Menge Waſſerſcoff frei.

Andererſeits verbinden ſich beim Durchſchlagen eineselektriſchen Funkens durch ein Gemiſch von dieſen beiden Gaſen ſtets gerade je zwei Raumteile Waſſerſtoff mit je einem Raumteil Sauerſtoff(z. B. 2 1 H mit 1 1 O oder 8 cem H mit 4 ccm O). Etwa überſchüſſig vorhandener Waſſerſtoff oder Sauerſtoff bleibt unverändert zurück.

Die Elemente Waſſerſtoff und Sauerſtoff vereinigen ſich in ganz beſtimmten Raumverhältniſſen(2:1) mit einander zu Waſſer.

Wir können dies auch in der Formel für Waſſer kenntlich machen, wenn wir ſie ſchrei⸗ ben: HaO. Sie drückt dann aus:

1) die Verbindung Waſſer beſteht aus den Elementen Waſſerſtoff und Sauerſtoff;

2) dieſe beiden Elemente ſind in Waſſer ſo vereinigt, daß auf je zwei Raumteile Waſ⸗

ſerſtoff je ein Raumteil Sauerſtoff kommt.

Dieſe Verhältniſſe gelten natürlich für jede beliebig große Menge von Waſſer und ſei⸗ nen Beſtandteilen, auch für die kleinſte. Die kleinſten Teile der Elemente, welche mit ein⸗ ander ſich verbinden können, nennt manAtome. Es verbinden ſich alſo ſtets je 2 Atome Waſſerſtoff mit je 1 Atom Sauerſtoff zu Waſſer. Dieſe kleinſte Menge Waſſer iſt demnach kein Atom, ſondern ſie beſteht aus mehreren Atomen. Die durch Vereinigung meh rerer Atome entſtandene Verbindung nennt man eineMolekel. Jede Molekel Waſſer beſteht demnach noch aus 2 Atomen Waſſerſtoff und 1 Atom Sauerſtoff.

Da bei gewöhnlicher Temperatur das bei der Vereinigung von Waſſerſtoff und Sauer⸗ ſtoff entſtehende Waſſer ſich ſofort beim Entſtehen zu flüſſigem Waſſer verdichtet, ſo kann man die Raummenge der ſich verbindenden Elemente nicht gut mit der Raummenge der entſtehenden Verbindung vergleichen. Man drückt alſo die bei einem derartigen Verbindungs⸗ vorgange in Betracht kommenden Mengen beſſer durch ihr Gewicht aus, da dieſes ſich beim übergange eines Körpers aus dem flüſſigen Zuſtande in den gasförmigen uſw. nicht verändert.

1 1 Waſſerſtoff wiegt 0,09 g.

1 1 Sauerſtoff wiegt 1,43 g.

1 Raumteil Sauerſtoff wiegt demnach 16mal ſo viel wie ein gleich großer Raumteil Waſſerſtoff.

Oder: ein Atom Sauerſtoff wiegt 16mal ſo viel wie ein Atom Waſſerſtoff. Nimmt man das Gewicht eines Atoms Waſſerſtoff(einAtomgewicht Waſſerſtoff) als Einheit für die Atomgewichte an, ſo iſt das Atomgewicht von Sauerſtoff 16. Es vereinigen ſich alſo zu HeO:

2 Atomgewichte H mit 1 Atomgewicht O oder

(2 1=) 2 Gewichtsteile H mit(1 16=) 16 Gevichtsteilen O,

z. B. 2 g H mit 16 g O zu 18 g HO,

10 g H mit 80 g O zu 90 g HO.

Die Elemente Waſſerſtoff und Sauerſtoff vereinigen ſich in ganz beſtimmten Gewichtsverhältniſſen zu Waſſer.

14) Vereinigen ſich auch die übrigen uns bis jetzt bekannten Elemente in beſtimmten Verhältniſſen?

Da die meiſten von dieſen Elementen nicht gasförmig oder flüſſig, ſondern feſt ſind, ſo beſtimmen wir ihre Verbindungsmengen beſſer allgemein nach Gewichtsteilen. Durch Ver⸗ ſuche kann man nachweiſen, daß:

1) eine beſtimmte Gewichtsmenge HgO beim Erhitzen ſtets dieſelbe Menge Hg und O liefert,

2) eine beſtimmte Gewichtsmenge Cu beim Verbrennen ſtets dieſelbe Gewichtsmenge CuòO liefert,

3) eine beſtimmte Gewichtsmenge Fe beim Erhitzen mit Schwefel ſtets dieſelbe Ge⸗ wichtsmenge Fes liefert uſw.