Aufsatz 
Lernstoff für den chemischen Unterricht in der Tertia der Landwirtschaftsschule zu Weilburg
Entstehung
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Die Tatſache, daß Metalle ſich mit Sauerſtoff vereinigen, legt noch die Frage nahe:

9) Verbinden ſich auch die übrigen uns bis jetzt bekannten Elemente mit den Metallen? Stickſtoff und Kohlenſtoff können wir(mit unſeren Mitteln) nicht mit Metallen ver⸗ einigen.

Entzünden wir aber ein Gemiſch von Eiſen⸗ und Schwefelpulver, ſo vereinigen ſich beide unter Glüherſcheinung zu braunſchwarzem Schwefeleiſen, Eiſenſulfid:

. Fe+ 8= Fes.

Ähnlich kann man ſchwarzes Kupferſulfid Cus, weißes Zinkſulfid Zns uſw. darſtellen.

Die bisherigen Betrachtungen zeigen, daß das Brennen des Kalkſteins keine Verbrennung, keine Oxy⸗ dation, alſo kein Verbindungsvorgang iſt, ſondern ein uns in ſeinen Einzelheiten vorläufig noch unbekannter Zerlegungsvorgang. Weiter können wir die Frage nach den beim Kalkbrennen ſtattfindenden Vorgängen mit den bis jetzt gewonnenen Kenniniſſen noch nicht beantworten. Wir wiſſen demnach auch vom Kalkſtein bis jetzt nur, daß er ein zuſammengeſetzter, nicht oxydierbarer Körper iſt, der ſich beim Glühen zerlegt.

Verſuchen wir, ob wir durch Unterſuchung der Vorgänge beim Kalklöſchen näheres über die ſtoff⸗

liche Beſchaffenheit des Kalkſteins erfahren. Unſere nächſte Frage lautet alſo: 10) Was geſchieht beim Kalklöſchen?

Bringen wir nicht zu viel Waſſer auf den gebrannten Kalk(kurz auch nur Kalk ge⸗ nannt), ſo wird dasſelbe infolge der poröſen Beſchaffenheit des Kalkes zunächſt aufgeſogen. Nach einiger Zeit bläht ſich jedoch der Kalk unter ſtarker Wärmeentwicklung auf, wobei ein Teil des zugeſetzten Waſſers wieder verdampft, und zerfällt zu einem trockenen Pulver von ätzenden Eigenſchaften: gelöſchter Kalk oder Aetzkalk.

Das Waſſer hat ſich jetzt mit dem Kalk chemiſch verbunden.

Gebrannter Kalk+ Waſſer= gelöſchter Kalk. Oder: Kalk+ Waſſer= Aetzkalk.

Aetzkalk iſt eine Verbindung von Kalk und Waſſer. Wir können dieſe Verbindung wieder zerlegen, denn Aetzkalk gibt beim ſtärkeren Erhitzen alles aufgenommene Waſſer ab und hinterläßt gebrannten Kalk, den wir wieder löſchen können.

Aetzkalk= Kalk+ Waſſer.

Da wir über die chemiſche Zuſammenſetzung des Aetzkalkes nur ins klare kommen können, wenn wir die chemiſche Beſchaffenheit ſeiner Beſtandteile(Kalk und Waſſer) kennen, über diejenige des erſteren aber noch nichts feſtſtellen konnten, ſo verſuchen wir zuerſt die Frage zu beantworten:

11) Woraus beſteht Waſſer?

Das gewöhnliche natürliche Waſſer iſt oft nicht rein, ſondern enthält ungelöſte(aufge⸗ ſchlämmte) erdige Beſtandteile. Von dieſen befreien wir es durch Abſetzenlaſſen oder ſchneller durch Filtrieren(Papierfilter, Filzfilter uſw.).

Aber auch das klare Waſſer enthält außer wenig Luft noch geringe Mengen erdiger Beſtandteile gelöſt. Erſtere entweicht beim Stehenlaſſen oder ſchneller beim Aufkochen des Waſſers. Letztere bleiben beim Verdunſten oder Verdampfen des Waſſers zurück(Keſſelſtein).

Wir ſtellen chemiſch reines Waſſer dar durch Deſtillieren(Verſieden des flüſſigen Waſſers und Verdichten des entſtandenen Waſſergaſes durch Abkühlen).

12) Iſt dieſes reine Waſſer ein Element oder eine Verbindung?

Durch bloßes Erhitzen können wir deſtilliertes Waſſer nicht zerlegen. Es entſteht hier⸗ bei nur gasförmiges Waſſer.

Erhitzen wir Eiſenpulver in Waſſer(ähnlich wie früher in Luft), ſo verwandelt ſich das graue Eiſen in rotbraunes Eiſenoxyd, und es entweicht ein farb-, geruch⸗ und geſchmackloſes Gas, welches bedeutend leichter iſt als Luft und mit mattblauer Flamme verbrennt. Waſſer iſt alſo kein Element, ſondern enthält Sauerſtoff und jenes neue Gas: Waſſerſto ff EEle⸗ ment, H).

Beim Verbrennen von Waſſerſtoff entſteht wieder Waſſer. Waſſer iſt demnach Waſ⸗ ſerſtoffoxyd.(Vgl. Frage 15). Beim Entzünden eines Gemiſches von Waſſerſtoff und Sauerſtoff findet die Vereinigung unter Exploſion ſtatt. Knallgas. Vorſicht!