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Über ſeine ſtoffliche Zuſammenſetzung gibt uns die„Bearbeitung“ allerdings keine Auskunft. Doch erfahren wir vielleicht etwas darüber, wenn wir die Vorgänge bei ſeiner„Verarbeitung“ betrachten, zu⸗
nächſt beim Brennen. 3) Was geſchieht beim Brennen des Kalkſteins?
Das Brennen erfolgt in„Schachtöfen“. Die älteren werden von oben her ab⸗ wechſelnd mit je einer Schicht Kalkſtein und Kohle„beſchickt“. Die unteren Schichten der Kohle ſind in Brand und bringen den Kalk zum Glühen. Luft wird von unten meiſt durch einen Roſt zugeführt, durch welchen auch die Kohlenaſche fällt. Der gebrannte Kalk wird unten aus ſeitlichen Oeffnungen herausgezogen. In neueren Oefen befinden ſich mehrfache Feuerungen mit Einzelroſten ſeitlich am Ofen, ſo daß von oben her nur der Kalkſtein hinein⸗ geworfen wird. Aus den Feuerungen ſchlagen die Flammen nach innen, ſo daß der Kalk weder mit der Kohle, noch mit der Kohlenaſche in Berührung kommt, alſo reiner bleibt.
Aus der Schachtöffnung entſtrömen Gaſe, die zum Teil bei der Verbrennung der Kohlen ſich bilden, teilweiſe aber auch aus dem Kalkſtein ſtammen. Denn dieſer wird beim Brennen faſt um die Hälfte leichter.
Das Kalkbrenen iſt ein„Zerlegungsvorgang“. Kalkſtein= gebrannter Kalk+ gasförmig entweichende Stoffe.
An Größe nimmt der Kalkſtein nur ſehr wenig ab(bleibt außerdem hart und feſt):
er iſt porös geworden.
Die Eigenſchaften des Kalkſteins werden durch das Erhitzen verändert. Es entſteht ein ganz neuer Körper. Aehnliches geſchieht beim Erhitzen vieler anderer Körper, z. B. von Holz, Kohle, eiſernen Geräten und anderen metalliſchen Gegenſtänden. Es liegt alſo die folgende Frage nahe, deren Beantwortung uns viel⸗ leicht auch einen genaueren Einblick in die Vorgänge beim Kalkbrennen ermöglicht:
4) Finden beim Verbrennen anderer Körper ähnliche Vorgänge wie beim Kalkbrennen ſtatt?
Beim Verbrennen von Holz und Kohle entweichen ebenfalls Qualm oder nur unſicht— bare Gaſe, und es hinterbleibt die weſentlich leichtere Aſche.
Beim Verbrennen von Metallen nehmen wir ein Entweichen von Gaſen oder dergl. nicht wahr, doch bleibt ebenfalls„Metallaſche“ übrig. Dieſe iſt nicht mehr feſt und ge— ſchmeidig wie das Metall, ſondern ſpröde und beſitzt auch andere Farbe(Eiſenaſche iſt rot— braun, Kupferaſche ſchwarz, Zinkaſche weiß). Eine genaue Prüfung mit der Wage ergibt hier jedoch, daß die Metallaſche ſtets ſchwerer iſt als das verwandte Metall.
5) Woher kommt dieſe Gewichtszunahme beim Verbrennen von Metallen?
Das Metall zerlegt ſich nicht wie der Kalkſtein in einen übrig bleibenden(leichteren) Stoff, der dem gebrannten Kalk entſprechen würde, und in etwa unſichtbar entweichende Gaſe. Sondern es muß etwas zu dem Metall gekommen ſein, was Gewicht beſitzt. Dieſes kann nur aus der Luft ſtammen, denn die Verbrennung der Metalle zu Aſche findet immer nur da ſtatt, wo Luft hinzukommen kann. Bei beſchränktem Zutritt der Luft findet nur eine teil— weiſe Verbrennung ſtatt, bei völligem Abſchluß der Luft bleibt ſelbſt geſchmolzenes Metall unverändert. Eine Wägung ergibt außerdem, daß Luft Gewicht beſitzt(1 1 wiegt 1,3 g). Die Metalle verbinden ſich demnach beim Verbrennen mit Stoffen aus der Luft.
Das Verbrennen der Metalle iſt ein„Verbindungsvorgang“.
Metall+ Stoffe aus der Luft= Metallaſche.
6) Mit was für Stoffen aus der Luft verbinden ſich die Metalle beim Verbrennen? Verbrennen wir Eiſen in einer abgeſchloſſenen Menge Luft, ſo bildet ſich die rot— braune Eiſenaſche. Es bleiben jedoch ſtets etwa ⁄ der vorhanden geweſenen Luftmenge übrig. Dieſe ⅜ der Luft werden deshalb beim Verbrennen nicht verbraucht, weil ſie eine Verbrennung nicht zu unterhalten vermögen. Ein Licht z. B. erliſcht darin. Man nennt ſie deshalb Stickſtoff. Dieſer iſt ein farb-, geruch- und geſchmackloſes Gas, welches etwas leichter iſt als Luft und die Verbrennung nicht zu unterhalten vermag.
Nur ⅛ der Luft verbindet ſich demnach bei einer Verbrennung mit dem Metall zu Metallaſche. Wir müſſen den Stoff, aus dem dieſes ⅛ beſteht, ebenfalls kennen lernen.


