Lernſtoff für den chemiſchen Unterricht in der S der Landwirtſchaftsſchule zu Weilburg
von Oberlehrer Freybe. r
Vorbemerkung.
Der nachfolgende Lernſtoff iſt zum Gebrauch für den chemiſchen Anfangsunterricht an unſerer Landwirt⸗ ſchaftsſchule zuſammengeſtellt, da dem Verfaſſer die ihm bekannten Lehrbücher der Chemie hierfür aus manchen Gründen nicht geeignet erſchienen. Dieſe Gründe darzulegen und auch den eigenen Lehrgang, wie er ſich in mehrjährigem Unterricht herausgebildet hat, zu begründen, wird Aufgabe einer beſonderen Arbeit ſein müſ⸗ ſen. Vorläufig ſollte nur unſeren Schülern eine gedruckte Zuſammenſtellung zur Verfügung geſtellt werden können, welche Diktate oder dergl. erſpart.
Betreffs der Stoffauswahl iſt auf irgend welche„Vollſtändigkeit“ verzichtet— als für die Schule doch unerreichbar und zwecklos. Alle für den künftigen Landwirt notwendigen chemiſchen Kenntniſſe dürften jedoch bei Einhaltung des nachſtehenden Lehrganges vermittelt werden können Im übrigen wird erſtrebt, daß der Schüler„chemiſch denken lerne“, damit er nötigenfalls im ſpäteren Leben die etwa noch erforderlich werdenden chemiſchen Kenntniſſe ſich ſelbſt anzueignen imſtande ſei.
Üüberall iſt verſucht worden die Behandlung des Stoffes an die Beantwortung ſolcher Fragen anzu⸗ ſchließen, die als praktiſch wichtig von vornherein des Intereſſes der Schüler ſicher ſind. Die chemiſche The⸗ orie iſt nur ſoweit herangezogen worden, als ſie zur Erklärung der dem Schüler entgegentretenden chemiſchen Erſcheinungen durchaus notwendig iſt. Und auch hier ſetzen theoretiſche Erörterungen immer an ſolcher Stelle ein, wo eine beſonders auffallende Tatſache erfahrungsgemäß beim Schüler ſelbſt den Wunſch anregt, ſie„er⸗ klärt“ zu haben. So zwanglos für den Schüler ſich nach längerer Erfahrung dieſe theoretiſchen Auseinander⸗ ſetzungen an der betreffenden Stelle einzufügen pflegen, ſo wird der Fachmann doch im Aufbau des Lehrgan⸗ ges ein Abbild der Entwicklung der wiſſenſchaftlichen Chemie erkennen und deren neueſten Standpunkt, wenn auch vorläufig noch nicht erreicht, ſo doch vorbereitet finden. Dieſe Arbeit ſtellt ja nur die erſte Hälfte des Lernſtoffes für den chemiſchen Unterricht an unſerer Landwirtſchaftsſchule dar. Erſt die zweite, hoffentlich im nächſtjährigen Programm erſcheinende Hälfte kann den Abſchluß bringen.
Hinſichtlich des techniſch⸗experimentellen Teiles wurde auf möglichſte Einfachheit der Verſuche und ihre Ausführbarkeit auch mit beſchränkten Mitteln geſehen. Die Verſuche, welche mit unſeren Mitteln nicht aus⸗ geführt werden können, ſind dadurch kenntlich gemacht, daß als Subjekt des Satzes„man“ gewählt iſt. Die gedanklichen Uebergänge der einzelnen Abſchnitte ſind, ſoweit das nötig ſchien, klein gedruckt beigefügt. Doch wird man erkennen, daß jede folgende Frage ſich aus der Beantwortung einer vorigen zwingend ergibt. Die eingefügten Zahlen ſind tunlichſt abgerundet, weil nur ſo der Schüler ſie dauernd behalten kann.
Die Chemie iſt die Lehre von den Stoffen, aus denen die Körper beſtehen. Für den Landwirt ſind am wichtigſten die Stoffe, aus denen der Ackerboden, die Düngemittel, die Futtermittel uſw. beſtehen. Wir beſchäftigen uns alſo zuerſt mit der Frage:
1) Woraus beſteht der Ackerboden? Aus Geſteinsreſten und Humus(abgeſehen von hinzugebrachtem Dünger). Unter den Geſteinsreſten ſind die bekannteſten Ton, Sand, Kalku. a.
Von dieſen wiſſen wir wiederum am meiſten vom Kalk infolge ſeiner mannigfachen Verwendung. Wir fragen alſo weiter:
2) Was iſt Kalk?
Es gibt drei Arten von Kalk: der natürlich vorkommende„Kalkſtein“, der durch „Brennen“ desſelben gewonnene„gebrannte Kalk“ und der durch„Löſchen“ des letzteren erhaltene„gelöſchte Kalk“. Im natürlichen Ackerboden kann nur der erſtere vorhanden ſein.
Der bei uns vorkommende Kalkſtein iſt ein meiſt graues, aber vielfach auch buntes, ſcheinbar dichtes Geſtein, welches hinreichend weich, aber andererſeits auch nicht zu zähe iſt, ſo daß man es ſehr gut bearbeiten kann.


