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der Weiſe dadurch eine Unterbrechung und Abwechſelung hereingebracht, wie x 299 ff. bei der Nieder⸗ metzelung der Freier.
Schon S. 4 haben wir gefordert, daß der Schüler Odyſſee und Ilias möglichſt vollſtändig leſen müſſe. Dies läßt ſich nun freilich in der Schule allein kaum erreichen; daher muß ein Theil der Privat⸗ lectüre überlaſſen bleiben; auch können Stellen von geringerer Wichtigkeit oder ſolche, die in gewiſſem Sinne als Wiederholungen zu betrachten ſind, wie manche Schlachtſchilderungen der Ilias, leicht über⸗ gangen oder nur kurz ihrem Inhalte nach berührt werden.5*) Wie wenig oder wie viel man aber auch leſen mag, an dem Einen muß man feſthalten, daß der Schüler den Inhalt der einzelnen Geſänge und den Zuſammenhang derſelben unter einander und ſomit auch den Geſammtinhalt und den Plan der bei⸗ den Epen kennen gelernt hat und befähigt iſt ſich darüber auszuſprechen. Denn wenn auch Einzelne einen beſtimmten Plan geleugnet und den Mangel eines ſolchen nachzuweiſen geſucht haben, ſo halten wir doch beide Gedichte für gleich groß und gleich bewundernswürdig in ihrem ganzen künſtleriſchen Aufbau und in der natürlich ſich ergebenden und folgerichtig ſich entwickelnden Handlung. 5s)
Wir hatten eigentlich die Abſicht, in derſelben Weiſe, wie wir es in der Schule nach der Lectüre der einzelnen Geſänge zu thun pflegen, noch die Entwicklung der Handlung der beiden Epen in ihren Hauptzügen zuſammenhängend darzuſtellen. Da jedoch der für eine Programmarbeit verſtattete Raum ſchon faſt verbraucht iſt, ſo wollen wir uns darauf beſchränken, noch auf einen Punkt hinzuweiſen, der, wie wir oben ſchon angedeutet, unſren Beobachtungen nach heutigen Tages zu ſehr in den Schulen ver⸗ nachläſſigt wird. Im Eifer möglichſt viel Geſänge zu bewältigen ſucht man nur zu überſetzen und legt auf das richtige und ausdrucksvolle Leſen der Homeriſchen Verſe faſt gar keinen Werth; manche Lehrer ſuchen ſogar einen beſonderen Ruhm darin, wenn ihre Schüler den Homer ſofort, ohne vorher den Text zu leſen, ins deutſche übertragen. 6c*) Wir ſind ganz entgegengeſetzter Anſicht; ja, wir möchten faſt ſagen, es wäre uns lieber, wenn an manchen Stellen, vorausgeſetzt daß die Schüler in ihren Wiſſen hinlänglich ſicher ſind, gar nicht überſetzt, ſondern nur gut geleſen wurde. Denn gerade darin ſehen wir den beſten Nach⸗ weis für ein richtiges Verſtändniß und daher möchten wir bei größeren Wiederholungen, z. B. ganzer Geſänge, nur geleſen haben. Welch herrlichen Eindruck macht da der erſte Geſang der Ilias in ſeiner dramatiſchen Lebendigkeit, oder der dritte, der ſechſte und endlich die Muſter erzählender Darſtellung, wie ſie uns die Odyſſee bietet! Aber nicht allein bei Geſängen von beſonders hervorragender Schönheit iſt
⁶7) G. Lange, Jahresberichte des philolog. Vereins zu Berlin, Zeitſchrift f. d. Gymnaſial⸗Weſen 1875, S. 111 ff. hat hinſichtlich der Einrichtung der Lectüre der Odyſſee bezw. der Vertheilung der Geſänge für Unter⸗ und Oberſecunda einen be⸗ achtenswerthen Vorſchlag gemacht, an welchem es uns jedoch nicht gefallen will, daß außer anderen Geſängen auch d vollſtändig und nöthigenfalls auch* oder n ausgelaſſen werden ſollen; wir möchten eher auf v verzichten.
68) K. Otfried Müller, Geſchichte der griechiſchen Literatur, herausgegeb. von E. Müller, 2. Ausg. Breslau 1857. I. S. 99: Die Odyſſee iſt unſtreitig ebenſo wie die Iliade ein Gedicht, in welcher eine Einheit des Gegenſtandes obwaltet, auch kann keine einzige ihrer Hauptpartien entfernt werden, ohne in der Entwicklung der leitenden Idee eine Lücke zu laſſen.
69) Genthe, Grammatik und Schriftſtellerlectüre im altſprachlichen Unterrichte. Progr. der neuen Gelehrtenſchule zu Hamburg 1882. S. 18: Nach der auf die einzelnen Theile gerichteten Arbeit werde der Blick erneut auf das Ganze gerichtet. Nach dem Ueberſetzen werde der Text des antiken Originals ausdrucksvoll und gut vorgeleſen. Dieſes gute, ausdrucksvolle Leſen wird vielfach vernachläſſigt. Man läßt die Textesworte fallen, als handele es ſich um das Kollationiren von Akten! Mancher Lehrer verzichtet ganz darauf als auf etwas eberiuiſges Zeitraubendes, was ihn an dem Bewältigen möglichſt großer Lektürepenſa nur hindere.


