Aufsatz 
Wie ist Homer in der Schule zu lesen? / von L. Wittmann
Entstehung
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Da wir zunächſt negativ verfahren und zeigen wollen, wie Homer nicht zu erklären iſt, ſo ſei hier

noch ein andrer Punkt kurz berührt. Es kommen, und zwar beſonders in den 4 Geſängen 1 u Stellen⸗ vor, die der Erzählung vorgreifen, d. h. in denen Dinge vorausberichtet werden, die bei genau eingehaltener Reihenfolge erſt ſpäter vorgebracht werden dürften. So iſt: 106 ff. ſchon von den Kyklopen und deren Sitten die Rede, während Odyſſeus ſie doch erſt ſpäter kennen lernt; ähnlich verhält es ſich ib. 183 ff., 2. 81 ff., 135 ff. und 150, ja von 233 an werden Dinge erzählt, die von dem Beobachter gar nicht geſehen werden konnten. So wird auch von X 556 an der Standpunkt des Odyſſeus an der Opfergrube ſcheinbar ganz vergeſſen und 103 ff. wird der Schilderung desjenigen, was ſich vom Hofthore aus erblicken läßt, noch anders zur Verſtändigung angereiht. An dieſen und ähnlichen Stellen werden unbefangene Hörer oder Leſer keinen Anſtoß nehmen und ebenſo wenig werden ſie fragen, woher denn Oyſſeus wiſſe, was ſeine Gefährten bezüglich der Geſchenke des Aiolos geſprochen hätten, 35 ff., oder wie er den ſchlimmen Rath des Eurylochos u 339 ff. oder Kirke ſeine und ſeiner Gefährten Leiden erfahren habe, 457 ff. Würde dabei immer die Quelle, aus der das Wiſſen geſchöpft ſei, angegeben, ſo wäre dies ſehr trivial und ſchleppend, wie ſich am beſten aus u 389 und 390 erſehen läßt.

Zum richtigen Verſtändniß des Homer gehört, daß man ſich das Erzählte oder Geſchilderte genau vorſtellt und ſich ganz in die Situation hineinverſetzt. Die Fähigkeit hierzu aber hat nicht jeder und daher werden mitunter ganz leicht verſtändliche Stellen höchſt ſonderbar erklärt. So z. B.* 152: alhota zaναυν. Odyſſeus, der nach Sonnenaufgang eine Anhöhe erſtiegen hat, ſieht in der Ferne durch dichtes Gehölz und Waldung Rauch aufſteigen. Dieſer wird atdoch genannt. Mit Uebergehung aller ſonſtigen Erklärungsver⸗ ſuche wollen wir hier nur die Anſicht Göbels berückſichtigen.2⁵) Dieſer hebt zwar mit Recht den Gegenſatz des Rauches zu dem dunkeln Wald hervor, aber ſeine Deutungglühend ſchimmernd iſt doch nicht ganz zutreffend. Rauch, der an der Stelle, wo er aufſteigt, bläulich, graulich oder dunkel ausſehen mag, erſcheint an einem heiteren ſonnigen Tage von größerer Entfernung aus geſehen weiß, und zwar um ſo hellglänzen⸗ der, je dunkler der Hintergrund iſt, von welchem er ſich abhebt. 2) Demnach bedeutet aldoch hierhell⸗ glänzend, hellſchimmernd, nicht aberglühendſchimmernd, denn vonglühend iſt bei heiterem Sonnenſchein nichts zu ſehen. Daß überhaupt bei aldo der Begriffglühend, brennend nicht unbedingt feſt zu halten iſt, läßt ſich aus der Verbindung von achoy mit 3100⸗ A 485, II 473, X 372, 4 184, entnehmen. Eine andre derartige Stelle iſt; 465. Odyſſeus treibt mit ſeinen Gefährten die Schafe des Kyklopen nach dem Meere hin und zwar wod sprronsoyteg. Dies erklären einige: ſie, die Schafe, oft umwendend, da ſie nach einer andern Richtung hin wollen, und Jordan überſetzt:2)immer ſie rings umzingelnd; beides haben die Gefährten nicht zu thun, da der Leitbock, dem die übrigen nachfolgen, in ihren Händen iſt. Andere deuten:viele Umwege machen, während es doch darauf ankommt möglichſt ſchnell das Schiff zu er⸗ reichen, ganz abgeſehen davon daß dannapmahinc. v. 464 nicht paſſen würde. Die einzig richtige Er⸗ klärung iſt die, welche auch Ameis gibt, daß man nämlich meprrponsoyrsc ebenſo wie B 295 intranſitiv

¹s) Zeitſchrift für Gymnaſialweſen. 1864. S. 325.

²6) Auch eine Staubwolke erſcheint in der Ferne weiß, je mehr ſie ſich aber nähert, deſto dunkler wird ſie, wie dies naturgetreu von Xenophon Anab. I, 8, 8 geſchildert wird: 8⁴ν νw0!B oe s*2gA Xeo/I, T196% bX9S d0rsoy Gonsp HsXayia ticr 2u 1 sdic n ö. 3

²7) Homers Odyſſee überſ. von W. Jordan. Frankfurt. 1875. S. 169.