Aufsatz 
Die Lehre von der Sünde nach den Schriften des Neuen Testaments
Entstehung
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sich auf Jesu vergängliche Leiblichkeit bezieht). Im übrigen berechtigen uns die Johannes- Schriften dazu, uns die Entstehung der Sünde bei der Einzelperson in der Weise vorzustellen, dass sich dieselbetrotz der ihr ermöglichten christlichen Erkenntnis auf Grund ihres Willensvermögens für das Böse entscheidet.

Zur Erkenntnis der göttlichen Wahrheit und des göttlichen Willens werden die Menschen durch das Evangelium befähigt, das als ein in der Finsternis leuchtendes Licht erscheint. Die Christen müssen sich an dasselbe halten, um ihr Ziel zu erreichen. Daher heisst es(I. 2, 24): Was ihr gehört habt von Anfang, das bleibe in euch. Wenn es in euch bleibt, was ihr von Anfang gehört habt, so werdet ihr auch im Sohn und Vater bleiben, und(E. 6, 44)Niemand kann zu mir kommen, ausser wenn ihn der Vater, der mich gesandt hat, zieht. Dieses Ziehen wird(V. 45. 46) durch das Citat erklärtUnd sie werden alle von Gott gelehrt sein und dann beigefügtJeder, der bei dem Vater gehört und gelernt hat, kommt zu mir. Nicht, dass den Vater jemand gesehen hätte; der allein, der von Gott her ist, der hat den Vater ge- sehen d. h. Jesus und zwar er allein vermittelt die rechte Erkenntnis des Wesens und Willens Gottes(vgl. I. 2, 27. Ev. 10, 27). Wer sich gegen diese verschliesst, bleibt in seiner Sünde und gerät in neue Sünde. Das besagen die Aussprüche:Wer dem Sohn nicht folgt, wird kein Leben sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm(E. 3, 36),Wenn ihr(Pharisäer) plind(d. h. ohne eignes Verschulden Irrende) wäret, hättet ihr keine Sünde. Nun aber sagt ihr: wir sehen(d. h. ihr nehmt die euch von mir angebotene Wahrheit in bewusstem Gegensatz nicht an). Es bleibt bei eurer Sünde(Ev. 9, 41),Wer mich(Jesus) verachtet und meine Worte nicht annimmt, der hat schon seinen Richter. Das Wort, das ich geredet habe, (das ihm die rechte Erkenntnis bringen könnte, aber von ihm nicht angenommen wird), wird ihn richten(Ev. 12, 48),Wenn ich(Jesus) nicht gekommen wäre und hätte zu ihnen geredet, so hätten sie keine Sünde(so wüssten sie es nicht besser); nun aber haben sie keinen Vorwand für ihre Sünde(Ev. 15, 22).

Wo Sünde ist, da fehlt also die rechte Erkenntnis Gottes und Jesu überhaupt oder sie wird wenigstens verleugnet. Das bezeugen die Stellen:Wer sagt: ich habe ihn(Jesus) erkannt, und hält seine Gebote nicht, ist ein Lügner und in ihm ist die Wahrheit nicht(I. 2, 4, vgl. 5, 20),die Finsternis hat seine(des Hassers) Augen geblendet (I, 2, 11),Jeder, der sündigt, hat ihn(Jesus) nicht gesehen, noch ihn erkannt(I. 3, 6),Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt, weil Gott Liebe ist(I. 4, 8),Wer Böses thut, hat Gott nicht gesehen(III, 11). Wo die rechte christliche Erkenntnis besteht, müsste nach I. 3, 9 die Sünde verschwinden,denn jeder, der aus Gott geboren ist, thut nicht Sünde, weil sein Same (d. h. Gottes Wort, durch das seine Offenbarung in Christus vermittelt wurde,) in ihm bleibt, und er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist.

Das menschliche Willensvermögen wird von Jesus den Juden gegenüber offen anerkannt in dem Wort:Ihr forschet in den Schriften, da ihr glaubt in denselben ewiges Leben zu haben, und sie sind es, die von mir zeugen; und ihr wollt nicht zu mir kommen, damit ihr Leben habt?(Ev. 5, 39. 40) und wird vorausgesetzt in den AussprüchenWer dem Sohn nicht folgt(d. h. auf Grund einer Willensentscheidung sich ihm nicht anschliesst), wird kein Leben sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm(Ev. 3, 36),... es werden hervorgehen(aus den Gräbern), die da Gutes gethan haben, zur Auferstehung des Lebens, die Ubles gethan haben. zur Auferstehung des Gerichts(Ev. 5, 29). Die Verantwortlichkeit der Auferstandenen für ihre Thaten beruht darauf, dass sie diese mit Willen vollbracht haben. Weiter ist hier anzuführen Ev. 10, 27:Meine Schafe hören auf meinen Ruf und.... folgen mir und Ev. 12, 48:Wer mich verachtet und mein Wort nicht annimmt, hat schon seinen Richter. Die Annahme oder Ver- werfung von Jesu Wort ist Willenssache. Dieser Anschauung widersprechen scheinbar die Erklärungen Jesu Ev. 6, 39. 44. 65, doch sie beziehen sich in Wirklichkeit auf die Erregung einer undefinirbaren Sehnsucht nach dem von Christus gebrachten Heil durch Gott und heben das Recht unserer Darlegung nicht auf. Man beachte nur den Inhalt von 6, 39 u. 40. V. 39 lautet:Das aber ist der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich nichts verlieren solle von allem, was er mir gegeben hat, sondern es auferwecken am jüngsten Tage. V. 40 ver- hindert die falsche Auffassung diesesGebens, indem Jesus erläuternd sagt:denn das ist der Wille meines Vaters, dass jeder, der den Sohn schaut und glaubt an ihn, ewiges Leben habe und ich ihn auferwecke am jüngsten Tage. Gott hat in Christus das Heil dar- gereicht, das der Mensch selbstthätig ergreifen muss.