Aufsatz 
Die Lehre von der Sünde nach den Schriften des Neuen Testaments
Entstehung
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sein verabscheut, in ihrem lichtscheuen Treiben nicht gestört sein will(E. 3, 19, vgl. 16, 9), sie hasst Jesus, weil er über sie zeugte, dass ihre Werke böse sind(E. 7, 7), dieganze Welt d. h. die Menschheit, soweit sie von Christus abgekehrt bleibt,liegt im Bösen, steht unter der Herrschaft der Sünde(I. 5, 19, vgl. E. 3, 16. 17),Was aus dem Fleisch geboren wird, ist Fleisch, d. h. wer in seiner Natürlichkeit verharrt, sich der Wirksamkeit des christlichen Geistes verschliesst, sündigt selbstverständlich(E. 3, 6 vgl. I. 2, 16),der Zorn Gottes bleibt auf dem, der dem Sohn nicht folgt, wie er auch schon vorher wegen seiner Sünden auf ihm ruhte(E. 3, 36).

Die angeführten Stellen gehen auf alle, die sich Christus trotz ihrer Bekanntschaft mit

seinem Wirken nicht anschlossen. Bezüglich der Juden insbesondere sagt Jesus:... hat euch nicht Moses das Gesetz gegeben? und keiner von euch thut das Gesetz(E. 7, 19),Ihr werdet in eurer Sünde(in euren Sünden) sterben(E. 8, 21. 24). Doch waren in der vor-

christlichen Menschheit Gute, wenn auch nicht Sündlose, neben den Bösen vorhanden, denn es heisst(E. 5, 28. 29):Es kommt eine Stunde, in der alle die in den Gräbern werden seine Stimme hören und werden hervorgehen, die da Gutes gethan haben, zur Auferstehung des Lebens, die UÜbles gethan haben, zur Auferstehung des Gerichts(vgl. V. 25).

Leider wird auch bei den Christen diese Zweiteilung bestehen bleiben. Freilich gibt es solche, diein der Wahrheit wandeln(II. 4, III. 4), wie auch Jesus von seinen Jüngern sagt:Ihr seid bereits rein d. h. ihr könnt viel Gutes thun, da ihr dem ausgeputzten Weinstock gleicht, da ich euer Wesen durch mein Wort zur Reinheit vorbereitet habe(E. 15, 3, vgl. 13, 10. 15, 4. 5. 17. 12). Eigentlich sollten alle im Lichte wandeln(I, 1. 7), gut und rein sein, dennwir wissen, dass wir aus Gott sind(I. 5, 19), undjeder, der aus Gott geboren ist, thut nicht Sünde... und er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist(I. 3, 9), vgl. E. 3, 6:Was aus dem Geist geboren ist, ist Geist, d. h. wer sich unter den Einfluss des durch Christus mitgeteilten göttlichen Geistes stellt, erlangt die erforderliche Kraft, Gottes Willen zu erfüllen. Aber es werden sogar stets Ranken am Weinstock sein,die nicht Frucht bringen (Ev. 15, 2), und das Wort(I. 1, 8)Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, so betrügen wir uns selbst und die Wahrheit ist nicht in uns(vgl. V. 10), muss auf alle Christen bezogen werden, denn in V. 7 ist auch denen, die im Lichte wandeln, zum Trost gesagt, dass sie das Blut Jesu von aller Sünde reinige. UÜbrigens besteht ein Unterschied zwischen den Sündern; nach I. 5, 16 ist alles Sünde, was gegen Gottes Recht verstösst, aber nicht jede Sünde ist eine solchezum Tode d. h. nicht durch jede Sünde wird der geistliche Tod des Christen begründet- Damit wird angedeutet, dass nicht in jeder Sünde wirkliche Bosheit, Feindschaft gegen Gott hervortritt.

c) Entstehung der Sünde bei der Einzelperson. E. 8, 44 wird derTeufelVater der Lüge, genannt und damit angedeutet, dass Scheu vor der Wahrheit, ein gewisser Selbstbetrug bei der Sünde mitwirkt, doch wird durch den Hinweis auf ihn die Entstehung der Sünde nicht, erklärt. Das zeigt recht deutlich I. 3, 11. 12:Denn das ist die Verkündigung, die ihr von Anfang gehört habt, dass wir einander lieben sollen. Nicht, wie Kain aus dem Bösen(Teufel) war und erschlug seinen Bruder(vgl. E. 8, 44); und warum erschlug er ihn? weil seine Werke böse waren, die aber seines Bruders gerecht. Der Verfasser, der Kains Hass als einen principiellen kennzeichnen will, gibt hier auf die Frage:Warum erschlug Kain seinen Bruder? die Antwortweil seine Werke böse waren, rechnet sie ihm also als eigenste That zu. Thäte er es nicht, so würde er diegerechten Werke Abels entwerten, die nicht als Wirkung Gottes, sondern als seine eignen, ihm Gottes Wohlgefallen einbringenden hingestellt werden sollen. Die Stelle I 2, 16weil alles, was in der Welt ist, die Lust des Fleisches und die Lust der Augen und das Grossthun des Geldes nicht vom Vater ist, sondern von der Welt, erweckt den Schein, als ob sie die Entstehung aller Sünden erkläre, doch dem ist nicht so. Das Auge vermittelt allerdings sehr oft die Vorstellung cines sinnlichen Genusses und weckt zugleich das Verlangen, die Lust der Sinnlichkeit nach dessen Erlangung, besonders wenn der Mensch hierzu ausreichende Geldmittel oder gar Überfluss an Geld hat, so dass er dadurch zugleich seinem protzenhaften Wesen Ausdruck verleihen kann. Aber es gibt doch sehr viele Sünden, bei denen weder das Auge noch das Geld noch die Prahlsucht eine Rolle spielt, auch der Sinn- lichkeit kein Genuss bereitet wird. Der einzige Faktor, der allen mit zu Grunde liegt, ist das Fleisch schlechthin, das E. 3, 6 als schwach, sündhaft, von Gott abgewandt erscheint, also die von Gottes Geist nicht berührte Natürlichkeit.(E. 6, 63 kommt nicht in Betracht, da es