Christi(V. 4), ein Wandeln nach Lüsten(V. 16), nach Frevel-Lüsten(V. 18). Sie ist also fin Verfehlen der gottgewollten Richtung des inneren und äusseren
ebens. b) Allgemeinheit der Sünde. Die vorchristliche Menschheit war mit wenigen Ausnahmen sündhaft.„Gott hat der alten Welt nicht geschont, sondern nur Noah(und seine Familie)... geschützt, da er über die Welt der Gottlosen die Flut hereinführte; auch die Städte Sodom und Gomorrha hat er verurteilt, indem er sie in Asche legte, ein Vorbild des- Kommenden gebend für die Gottlosen“(2, 5. 6);„er will nicht, dass etliche verloren werden, sondern dass alle zur Busse(die für ihre Rettung nötig ist) gelangen“ 3, 9. Die Christen haben sich von ihren früheren Sünden gereinigt(1, 9), ihnen„sind die grössten kostbaren Ver- heissungen geschenkt, damit sie dadurch an der göttlichen Natur Anteil haben“(1. 4). Um so schlimmer ist es, dass sich„Gottlose“ in die christliche Gemeinschaft einschleichen,„die die- Gnade unseres Gottes zu Schwelgerei missbrauchen und unseren einzigen Herrscher und Herrn Jesus Christus verleugnen“(V. 4),„das Fleisch beflecken, Hoheit verachten, Herrlichkeiten lästern“(V. 8). Ubrigens fehlt auch nicht die Ermahnung für die Christen insgesamt,„Fleiss anzuwenden, ihre Berufung und Erwählung beständig zu machen“(1, 10) und die Warnung da- vor, dass sie„blind seien in Kurzsichtigkeit“ und„die Reinigung ihrer früheren Sünden in Ver- gessenheit kommen lassen“(1, 9).— Ein scharfer Tadel wird(2, 20. 21) gegen solche Christen ausgesprochen, die in das frühere Sündenleben zurückfallen:„Denn wenn die, die die Befleck- ungen der Welt durch die Erkenntnis des Herrn und Heilandes Jesus Christus meiden gelernt hatten, neuer Verstrickung darin erliegen, so ist bei ihnen das letzte schlimmer geworden, als das erste“. Wir empfangen aus den angeführten Stellen den Eindruck, dass die Verfasser der beiden Briefe sich nicht der Erwartung hingeben, dass die Sünde jemals aus dem Leben der Christen verschwinden werde.
c) Entstehung der Sünde bei der Eineelperson. V. 11 wird von solchen gesprochen,„die auf Kains Weg gegangen sind und sich durch den Trug des Sohnes Balaams fortreissen liessen“, und damit Bosheit und Schwäche zugleich als Ursache der Versündigungen angegeben. 2, 18 werden„Fleisches Lüste“ erwähnt, an die die Verführer anknüpfen, um Christen auf falsche Wege zu bringen, also Begierden, die in der menschlichen Natur liegen und ihre Befriedigung im Betreten von Irrwegen finden. Dass der Mensch dazu nicht von aussen her genötigt wird, sondern sie mit Willen einschlägt, beweist der Hinweis(2, 18) auf solche,„die der Gesellschaft des Irrweges (infolge eines frei gefassten Entschlusses) entflohen sind.“— An den Willen der Leser wendet sich selbstverständlich die Ermahnung, sich in Erwartung des Tages Gottes in heiligem Wandel und Frömmigkeit zu halten(3, 11. 12), darnach zu trachten, dass sie unbefleckt und ohne Fehl erfunden werden(3, 14), sich nicht durch den Irrtum der Zuchtlosen fortreissen zu lassen, ihren festen Halt nicht zu verlieren(3, 17), für den Glauben zu kämpfen(V. 3), sich auf ihren heiligsten Glauben zu erbauen, sich in der Liebe Gottes zu bewähren(V. 20).— Ihre christliche Er- kenntnis könnte und müsste sie dazu befähigen, ihren Willen nur auf die Erfüllung der Christenpflicht zu richten, denn es heisst(1, 3— 11):„Wie uns seine göttliche Kraft alles, was zum Leben und zur Frömmigkeit gehört, geschenkt hat mittelst der Erkenntnis dessen, der uns berufen hat... so bringet nun eben darum mit Aufwendung alles Fleisses in eurem Glauben dar die Tugend...“ und(3, 1. 2)„Dies ist schon der zweite Brief, Geliebte, den ich euch schreibe, um euch durch Erinnerung den reinen Sinn wachzuhalten, dass ihr gedenket der voraus von den heiligen Propheten gesprochenen Worte und des von euren Aposteln mitgeteilten Gebotes des Herrn und Heilandes.“ Wie schwer der sündigt, der trotz der ihm nahe gebrachten Er- kenntnis Böses will und thut, zeigt 2, 21:„Denn es wäre besser für sie, sie hätten den Weg der Gerechtigkeit nicht kennen gelernt, als dass sie ihn erkannt und sich dann von dem ihnen mitgeteilten heiligen Gebote wieder abgewendet haben.“ Durch das Missverhältnis von Erkenntnis und Willensentscheidung als Folge der von selbst oder durch Aussere Reizung auftretenden Lüste gerät also der Mensch in Sünde.
9. Die Offenbarung des Johannes.
a) Wesen der Sünde. Die Sünde wird gekennzeichnet als: ein Fall(2, 5), Ausführung von Werken, die vor Gott nicht voll gefunden werden(3, 2), Unreinigkeit(21, 27. 22, 11), Ubles thun(22, 11). Sie ist demnach ein innerer Abfall von Gott, der sich in der Gott missfälligen Gestaltung des Lebens bekundet.


