Aufsatz 
Die Lehre von der Sünde nach den Schriften des Neuen Testaments
Entstehung
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dessen, was zum Heil gehört, gewiss(6, 9) und muss ihnen bezeugen, dassGott ihres Thuns und der Liebe, die sie in seinem Namen erzeigt haben, nicht vergessen wird(6, 10). Trotzdem ermahnt er sie, sichdurch Besprengung der Herzen los vom bösen Gewissen zum Zugang zu Gottes Haus(d. h. zur wahren Gemeinde) zu rüsten(10, 22),die Sünde abzulegen, die immer zur Hand ist(12, 1), und warnt sie davor,mit Willen zu sündigen(10, 26), und vor dem Abfall von dem lebendigen Gott(3, 12). Er spricht(5, 14) zwar vonVollkommenen, fügt aber sogleich bei, dass er darunter die verstehe,deren Sinne durch Ubung geschult sind zur Unterscheidung des Guten und Bösen, also nicht Fehlerlose, und rühmt sich(13, 18) eines guten Gewissens, sofern er danachtrachtet, in allem einen rechtschaffenen Wandel zu führen. Dass alle Christen nun auch wirklich ein gutes Gewissen haben könnten, einen rechtschaffenen Wandel führten, wird nicht gesagt. Wir dürfen sicherlich dem Verfasser die Anschauung zu- schreiben, dass alle Menschen, auch die Christen, sündigen. Doch erscheint ihm der Abfall von der bereits erkannten christlichen Wahrheit und der dadurch veranlasste Rückfall in grobe Sünden als eine besonders traurige Thatsache, denn er sagt(6, 4 6):Es ist unmöglich, die- jenigen, die einmal erleuchtet... und des heiligen Geistes teilhaftig wurden... und dann ab- gefallen sind, wiederum zur Busse zu erneuern.

c) Entstehung der Sünde bei der Einzelperson. 3, 12 spricht der Verfasser die Ansicht aus, dass jemand durch Unglaube d. h. durch das Aufgeben der christlichen UÜberzeugung zum Abfall vom lebendigen Gott kommen könne, sofern jene selbstverständlich zu einem Verhältnis der Hingebung an Gott geführt hatte. 3, 8. 15. 4, 7 redet er von Verhärtung der Herzen gegen- über der Gnadenbotschaft, die durch Christus an die Leser erging, nimmt er also an, dass sie sich bewusst mehr und mehr gegen die von Gott stammenden guten Eindrücke auf ihr Inneres ver- schlossen, von Gott ab- und dem Bösen zukehrten. 4, 15 sagt er in Bezug auf Christus:Wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht mit unsern Schwächen mitfühlen könnte, sondern der in allem versucht ist in ähnlicher Weise, ohne Sünde. Danach bieten dieSchwächen des menschlichen Wesens den Angriffspunkt für das andringende Böse. Woher jene stammen, erklärt er indessen ebensowenig, als woher die Versuchungen kommen.(12, 15 nennt er solche, die von der Gnade Gottes zurückweichen, eineWurzel der Bitterkeit, durch die viele befleckt werden.*) DieSchwächen des Menschen machen also sein Unterliegen in der Versuchung möglich, nicht notwendig. Doch sündigt er auch mit Willen, mit Vorsatz, also aus Bosheit(10, 26). Daher sollen die Leser ihrem Willen die Richtung auf das Gute geben,nach dem Frieden trachten(12, 14), wie auch der Verfasser selbsttrachtet, in allem einen rechtschaffenen Wandel zu führen(13, 18) und mit jenen zusammenam Bekenntnis festhalten(4, 14),sich zur Vollkommenheit erheben will(6, 1). Er wünscht, dassjeder der Leser den gleichen Eifer (wie in der Bruderliebe) für den Vollbeweis der Hoffnung bis zum Ende bewähre und in der Nachfolge derer wandele, die durch Glaube und Geduld die Verheissungen erben(6. 11, 12); er ermahnt siein Beharrlichkeit in dem ihnen obliegenden Wettkampf zu laufen(12, 1),die: schlaffen Hände und die wankenden Kniee gerade zu richten und für ihre Füsse die rechten Geleise zu suchen(12, 12. 13),das Wort der Ermahnung anzunehmen(13, 22); vgl. auch die Ermahnungen 3, 8. 12. 13. 15. 4, 7. 3, 10, 22. 12, 3. 13, 1. 2. u. a.

Alles das kann um so mehr von Christen gefordert werden, als sie ihre sittliche Erkenntnis besonders dazu befähigt. Siehören Jesu Stimme(3, 8. 15. 4, 7), sie sollten nach der ihnen gebotenen Unterweisungdurch Ubung geschult sein zur Unterscheidung des Guten und Bösen(5, 14), siehaben die Erkenntnis der Wahrheit empfangen(10, 26). In direkten Zusammenhang wird Erkenntnis und Wille gebracht in den Aussprüchen(2, 1 3):Deswegen(weil Christus über die Engel als Vermittler der alt- testamentlichen Offenbarung erhaben ist) müssen wir uns um so fester klammern an das, was wir gehört haben, um nicht weggespült zu werden, u. s. w.,(3, 8. 15. 4, 7)Heute, wenn ihr seine Stimme höret, so verhärtet eure Herzen nicht,(10, 26)Wenn wir mit Willen sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, so ist kein Opfer für Sünden mehr in Vorrat. Demnach kommt der Mensch trotzseiner Erkenntnis des Guten aus Schwäche oder Feindschaft gegen Gott zur Sünde.

8. Der 2. Petrusbrief und der Judasbrielf.

a) Wesen der Sünde. Die Sünde wird gekennzeichnet als: ein Verlassen des geraden Weges, ein Irrgehen(2, 15), ein Sichabwenden vom heiligen Gebot(2, 21), Verleugnung Jesu 3*