In dem Ausspruch I. 2, 2— 4 wird die Erkenntnis der Wahrheit als in der iα(Rettung durch Christus) enthaltenes Moment besonders hervorgehoben. Nach I. 4, 6 soll Timotheus durch„Vorstellungen an die Brüder“ diese vor dem Abfall an falsche Lehre bewahren und „sich selbst an den Worten des Glaubens und der rechten Lehre nähren“, nach I. 4, 16„auf sich und die Lehre achten“, wodurch„er sich und die, die ihn hören, retten werde“(vgl. II. 1, 13. 2, 1. 2). Nach II. 2, 24 soll„ein Knecht des Herrn zum Lehren geschickt sein,... in Sanft- mut zurechtweisend die Widersacher, ob ihnen Gott nicht noch Reue schenken möge zur Er- kenntnis der Wahrheit.“ II. 3, 9 wird„Unverstand“ als Ursache falschen Wandels angegeben. II. 3, 14. 15 wird gesagt:„Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und was dir beglaubigt ist. Du weisst, bei wem du es gelernt hast und wie du von Kind an die heilige Wissenschaft kennst, die dich klug machen hann zum Heil durch den Glauben an Jesus Christus“, die, wenn Timotheus sich an sie hält, aus ihm nach V. 17 einen„richtigen, zu jedem guten Werk hergerichteten Menschen Gottes“ machen kann. II. 4, 1— 4 legt der Verfasser grossen Wert auf die rechte Lehre im Hinblick auf das durch Christus über Lebende und Tote zu haltende Gericht, T. 1, 9— 16 im Hinblick auf die durch„Ermahnung und Überführung“ bei den„unbotmässigen Leuten“ zu erzielenden Erfolge(vgl. 2, 1— 10). T. 2, 12 wird„die in Christus erschienene Gnade Gottes“ eine„Schule der Zucht“ genannt(vgl. 3, 8).— Diejenigen der genannten Aussprüche, die den segensreichen Einfluss rechter Erkenntnis feststellen, gehören insofern hierher, als sie beweisen, dass der Sünder die Erkenntnis des Guten verleugnet.
Die Fähigkeit, dieses zu wollen, wird vorausgesetzt I, 2, 10„... wie es Frauen geziemt, die sich zur Gottesfurcht bekennen;“ ebenso in der Instruction für den Bischof I. 3, 1— 7, für den Diakon I. 3, 8— 13 und in der Mahnung I. 4, 7„dagegen übe dich in der Gottseligkeit“. Nach I. 4, 12 soll Timotheus„den Gläubigen ein Vorbild sein in Wort, in Wandel, in Liebe....“, nach I. 5, 1 den Gemeindegliedern„zusprechen“, also auf ihren Willen einwirken, nach II. 2, 15 danach„trachten, sich vor Gott als Arbeiter zu bewähren, der keine Scheu kennt“(vgl. T. II, 2, 5. 6);„Es lasse jeder von der Ungerechtigkeit ab, der den Namen des Herrn nennt“(II. 2, 19). Der Christ soll„zu jedem guten Werk bereit sein, die Lüste der Jugend meiden, der Gerechtigkeit nachjagen“(II. 2, 21. 22). II. 3, 12 wird von solchen gesprochen, die„sich entschliessen, fromm zu leben in Christus Jesus.“ II. 3, 16 wird anerkannt, dass„jede Schrift von Gott eingegeben und zur Zurechtweisung und zur Zucht in der Gerechtigkeit nützlich“ sei. Ebenso heisst(T. 2, 12) die Gnade Gottes„eine Schule der Zucht, dass wir sollen verleugnen die Gottlosigkeit und die weltlichen Lüste, sittsam, gerecht und fromm leben.“ Nach T. 2, 14 sollen die Christen„eifrig sein in guten Werken“. II, 4, 7 sagt der Verfasser von sich selbst:„Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, den Glauben gehalten“, was ihm doch nur durch Willensstärke gelingen konnte, und II. 4, 5 verlangt er diese von Timotheus mit den Worten„du aber bleibe nüchtern in allem, sei willig zu leiden, thue das Werk eines Evangelisten, erfülle deinen Dienst.“ Wenn sich nun Böses im Leben des Christen zeigt, so ist dies die Folge der falschen Richtung, die sein Willetrotz vorhandener Erkenntnis desPflichtmässigen einschlägt.
In ganz direkte Beziehung werden Erkenntnis und Wille zu einander gesetzt II. 2, 24— 26:„Ein Knecht des Herrn soll zum Lehren geschickt sein, in Sanftmut zurechtweisend die Widersacher, ob ihnen Gott nicht noch Reue schenken möge zur Erkenntnis der Wahrheit und sie wieder nüchtern werden, heraus aus des Teufels Netz, von ihm gefangen für Gottes Willen“, und I. 5, 7„dieses Gebot(V. 4) sollst du verkünden, damit sie ohne Tadel seien.“
7. Der Brief an die Hebräer.
2 a) Wesen der Sünde. Die Sünde wird gekennzeichnet als: Ungehorsam(2, 2. 4, 6. 11), Ubertretung(2, 2), Abfall vom lebendigen Gott(3, 12, vgl. 6, 6), das Ausführen„toter Werke“(6, 1). Sie ist also die aus dem Abbrechen der lebendigen Beziehung zu Gott hervorgehende Verletzung, der durch ihn gegebenen Lebensnornm.
b) Allgemeinheit der Sünde.„Das Volk“(Israel) ist sündig; es bedarf des Sühnopfers (5, 3. 7, 27), die Glieder desselben, die sich dem Christentum zuwandten, mussten„Busse thun von toten Werken“(6, 1). Nun aber ist der Schreiber des Briefes„von ihnen des Besseren,


