Aufsatz 
Die Lehre von der Sünde nach den Schriften des Neuen Testaments
Entstehung
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Fleisch und damit das der ganzen Persönlichkeitzu Gott herbeizuführen. Der Christ sieht auf Grund der ihm gewordenen sittlichen Unterweisung das gute Recht des göttlichen Gesetzes ein, wäre auch beim rechten Ge- brauch des ihm von Gott eingepflanzten Willensvermögens imstande, jenes beiseinem Thun und Lassenstets zur Geltung zu bringen. Er schätzt aber die Annehmlichkeit des unberechtigten Sinnendienstes höher, als den Frieden der Seele mit Gott, der ihm aus der Vertretung der Interessen seinesbesseren Selbst erwachsen würde, gibt dem Drängen der sinnlichen Begierden und Leidenschaften nach und gerät so in bewussten Gegensatz zu Gott, der ihn durch die Einwirkung des Evangeliums auf seinen Geist zum Guten leiten will.

4c. Die Gefangenschaftsbriefe.

a) Wesen der Sünde. Die Sünde wird gekennzeichnet als: dem Bösen Raum geben (E. 4, 27), unfruchtbares Werk der Finsternis(E. 5, 11), Betrieb der Unreinigkeit(E. 4, 19. K. 3, 5), Folge des Vorherrschens des ungeheiligten Sinnes(E. 4. 27), der Richtung des Sinnes auf das Irdische(Ph. 3, 9), Wandel mit den Begierden des Fleisches(E. 2, 3), sich in den Lüsten des Truges aufreiben(E. 4 22), Zeugnis der Feindschaft gegen das Kreuz Christi(Ph. 3, 18), den h. Geist betrüben(E. 4, 30), Entfremdung vom Leben Gottes(E. 4, 18). Mit dem letzten Ausdruck ist das Wesen der Sünde sehr richtig bestimmt, und alle anderen lassen sich ihm leicht unterordnen. Das sittliche Verhalten des Menschen, dervom Leben Gottes entfremdet ist, keine inneren Beziehungen zu dem sittlich vollkommenen Gott unterhält, wird die in den übrigen angeführten Stellen namhaft gemachten Züge an sich tragen. Die Sünde ist ihrem tiefsten Grunde nach Gottentfremdung.

b) Allgemeinheit der Sünde. Die Menschheit ohne und vor Christus stellt sich als Welt(60à105) d. h. als gottfeindlich dar(K. 2, 8. 10), besteht ausSöhnen des Unglaubens (E. 5, 6) und war demZorn Gottes verfallen, sie wartot durch Fehltritte und Sünden, wandelte gemäss dem Zeitalter dieser Welt, gemäss dem Herrscher des Reiches der Luft...(E. 2, 1 3. 5. K. 2, 13),in der Eitelkeit ihres Denkens, verfinsterten Sinnes, entfremdet vom Leben Gottes um der Unwissenheit willen, die unter ihnen ist, um der Verstockung ihres Herzens willen(E. 4, 17. 18). Im gleichen Zustand waren die Christen vor ihrer Bekehrung(E. 2, 1. 3. 5. 4, 22. 23, K. 2, 13), aber nunhat sie Christus mit sich selbst lebendig gemacht, indem er ihnen alle Fehltritte schenkte, die sie angehende Schuldschrift durch Gebote auslöschte und wegnahm dadurch, dass er sie ans Kreuz heftete(K. 2, 13. 14, vgl. E. 2, 5). Sie sindGottes Gebilde, geschaffen in Jesus Christus zu guten Werken(E. 2, 10), dazu berufen,tadellos und lauter, Kinder Gottes zu werden, mitten in einem verkehrten und verirrten Geschlecht wie Ge- stirne in der Welt zu leuchten(Ph. 2, 15),zu wandeln würdig des Herrn zu allem Wohl- gefallen, fruchtbringend in allem guten Werke(K. 1, 10),den neuen Menschen anzuziehen, der erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Bild des Schöpfers(K. 3, 9. 10), javollkommen zu werden(Ph. 3, 15. K. 1, 28, vgl. Ph. 1, 10). Doch geben diese Aussprüche nur an, wie Christen beschaffen seinsollen, welch hohes Ziel ihnen gesteckt ist. Nirgends sagt der Verfasser, dass sie es auch wirklich erreichen, viel- mehr empffehlt er ihnen das stete Ringen nach demselben in mancherlei Ermahnungen(E. 4, I ff. 5, 1 ff. 6, 1 ff. Ph. 1, 27. 2, 6. 12. 14. 3, 17. 4, 1. K. 2, 6 ff. 3, 3 ff.), wie er auch von sich selbst(Ph. 3, 12) sagt:Nicht dass ich es schon ergriffen habe oder schon vollendet sei; ich jage ihm aber nach, ob ich es ergreifen möchte, darum dass ich auch ergriffen bin von Christus Jesus. Jedenfalls erwartet er, dass Christen, wenn sie es auch nicht zur Sündlosigkeit bringen, sich doch hoch über den sittlichen Zustand der Nichtchristen erheben, die ihm alstot in ihren Sünden gelten, dass sie, wie er selbst es thut, durch ihren Wandel bezeugen, dass Christus ihr Leben sei d. h. dass sie aus der Hingebung an Christus die Kraft zum gottwohlgefälligen Leben schöpfen(Ph. 1, 21. K. 3, 1 3). Wir dürfen annehmen, dass der Verfasser alle Menschen für Sünder hält.

c) Entstehung der Sünde bei der Eineelperson. Der Mensch findet eine niedere Strömung innerhalb seiner Persönlichkeit,die Begierden des Fleisches(nεενρνεμιαι ααια⁴ς) E. 2, 3,die Glieder, die auf der Erde: Leidenschaft, böse Lust d. h. ebenfalls seine leidenschaftliche, lüsterne Sinnlichkeit(K. 3, 5), die ihn dazu reizt,den Willen des Fleisches und der(bösen) Gedanken