Aufsatz 
Die Lehre von der Sünde nach den Schriften des Neuen Testaments
Entstehung
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der Sinnenwelt sich auswirkenden Natürlichen am Menschen gerichtet ist, die Befriedigung der sinnlichen Begierden(mινιννυιαεαι) und Leidenschaften(7νϑν, ντατια) erstrebt. Der Gebrauch von αοςαHerz als Sitz des seelischen Lebens, voõöcVernunft als Organ des sittlichen Denkens und wwgij, nach dem adj. woywöc zu schliessen,Seele als Sitz der Triebe und Em- pfindungen, die zwischen Geist und Fleisch, dem letzteren jedoch näher steht, ändert nichts an der Thatsache, dass Paulus den Menschen zwiespältig fasst, wie es auch rabbinische Lehre war, dass ihmGeist undFleisch die das Leben der Einzelperson bestimmenden Triebkräfte sind. Da jede von peiden ihr eignes οeνκναStreben hat, das des Geistesauf Leben und Friede (R. 8, 6), das des Fleischesauf Feindschaft gegen Gott und darumauf Tod gerichtet ist, (R. 7, 23 alsein andres Gesetz in den Gliedern bezeichnet) und da der Mensch nach R. 6, 16Wisset ihr nicht, dass, wem ihr euch darbietet als Knechte zum Gehorsam, dem seid ihr verschrieben als Knechte zum Gehorsam, sei es der Sünde zum Tod oder dem Gehorsam zur Gerechtigkeit? nicht sittlich neutral bleiben kann, so entsteht der Zustand, den Paulus G. 5, 17 kurz mit den Worten feststellt:Das Fleisch gelüstet wider den Geist, den Geist aber wider das Fleisch, im Römerbrief K. 7, 7 24 aber eingehend schildert.

Hier zeigt er, welche Erfahrungen er, der ehemalige Jude, an sich selbst gemacht, welche inneren Nöte und Kämpfe er durchgemacht hat, denn nach demwir führt er plötzlich das ich ein und überlässt es den judenchristlichen Lesern seines Briefes, ihm nachzuempfinden, das für sie selbst Zutreffende an dieser Schilderung herauszufinden. Der Abschnitt bildet den Höhepunkt etwa folgender Gedanken:Der Tod, und zwar nach 5, 12 der physicheist der Sünde Sold. So war es schon von Adam bis auf Moses auch bei denen,die nicht gesündigt haben in derselben Weise der Verletzung eines Gebotes wie Adam(5, 14).Das(mosaische) Gesetz ist dazwischen hereingekommen(5, 20), es hat nicht entfernt die Bedeutung in der sittlichen Entwicklung der Menschheit wie die Erscheinung Christi, aber es war nötig, um deren Notwendigkeit und Heilswirkung zu zeigen. Es sollte bewirken, dassdie UÜbertretung völlig wurde(R. 5, 20), dasssich die Sünde mittelst des Gebotes erst recht versündigte(R. 7, 13. vgl. G. 3, 19) d. h. dass die durch das Gebot und Verbot gereizte Sünde die ihr überhaupt mögliche Entwicklung durchmachte, sich ganz entfaltete. Paulus konnte diesen Vorgang, soweit er sich im Einzelleben abspielt, in seinem eignen beobachten. Erlebte ohne Gesetz so dahin (V. 9) zwar nicht ohne Sünde,(worauf dasneue Leben hinweist, das später in die Sünde kam), aber er führte doch keinSündenleben. Es war ihm noch unbekannt, in welch mannigfacher Richtung der Jude zum Sünder werden könnte(vgl. R. 4, 15). Das erfuhr er erst durch das Gesetz, das für ihn mit einem bestimmten Lebensjahr bindend wurde und zwar nicht nur nach seiner ethischen, sondern auch nach seiner rituellen Seite. Er fühlte sich nach seiner relativ freien Kindheit plötzlich durch eine Unmasse von Vorschriften in seiner Lebensführung beengt und beschränkt. Bei allen, auch den äusserlichsten, Verrichtungen sah er sich zur Beobachtung gesetz- licher Regeln verpflichtet, der Möglichkeit unzähliger Versündigungen gegenübergestellt, denn alles Thun und Lassen, das dem Gesetz nicht entsprach, musste ihm als Übertretung göttlicher Gebote, als Nichtbeachtung göttlicher Verbote gelten. Wollte er dem Gesetz genügen, ein gutes Gewissen haben, so musste er jenes buchstäblich erfüllen, sich unter die Herrschaft des Buch- stabens beugen(7, 6). Das war für ihn schon eine Qual, aber es kam noch eine neue hinzu. Durch die casuistische Form des Gesetzes d. h. durch die Zusammenstellung aller denkbar mög- lichen Fälle der Gesetzesübertretung, durch das Eifern des Gesetzes gegen alle möglichen bösen Lüste wurde er sich der auf dem Grund seiner Seele schlummernden Lüste erst bewusst(V. 7, 8). Nun machte sich die sinnliche Unterströmung in seinem Wesen geltend. Er sagte sich immer wieder:Das Gesetz ist heilig, gerecht und gut(7, 12), aber er brachte es nicht zur Ausführung aller seiner Verordnungen. Zu einer Unterscheidung sittlich wichtiger und minder wichtiger oder gar unwichtiger Gesetzesbestimmungen fühlte er sich nicht berechtigt, denn das Gesetz erhob den Anspruch, in allen Teilen als Gottes Gesetz gewürdigt zu werden. Er nahm sich vor, alles zu thun, was von ihm verlangt wurde, um denFluch des Gesetzes(G. 5, 10, 12. vgl. R. 10, 5) nicht auf sich zu laden, aber er that es nicht, er liess es beim Wollen, kam aber nicht zum Vollbringen; ja er handelte dabei im Widerspruch mit seinem besseren Selbst(7, 15 19), das dem Gesetz Gottes zustimmte, folgtedem andern in seinen Gliedern waltenden Gesetz(V. 22). Er kam allmählich in einen Zustand innerer Zerrissenheit und Zerfahrenheit, der ihn auf den Gedanken brachte, dass er der unheimlichen Sündenmacht verfallen sei, die das Gesetz zu seinem Verderben benutze. Wenn er sein Leben überschaute, sah er eine Versündigung neben der