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Vershälfte„so werden auch durch den Gehorsam des Einen die Vielen als gerecht hingestellt werden.“ An den heilsamen Folgen des Gehorsams d. h. der Sündlosigkeit Christi haben doch nur die teil, durch Christus werden doch nur die„ewiges Leben“ erlangen, die an ihn glauben, ihm Herz und Leben hingeben, sich selbstthätig für Christus entscheiden, ihm anschliessen(z. B. R. 5, 1. G. 5, 6. 6, 15). Der parallele Gedanke ist also der, dass nur diejenigen wie Adam sterben, bei denen die durch ihn in die Welt eingeführte Sünde neue Anknüpfung gefunden hat.— Dazu stimmt es auch, dass Paulus den Heiden und Juden ihre Sündhaftigkeit als eine selbstverschuldete vorhält. Er bebauptet nämlich(R. 1,18— 23), dass den Heiden das, was an Gott erkennbar war, offenbar gewesen wäre, dass sie ihn aber nicht às̃ ϑε(V. 21) d. h. seiner Idee gemäss anerkannt, sondern sich dem Götzendienst ergeben hätten, dass sie trotz ihrer Erkenntnis, dass nach Gottes Recht ihr Verhalten todeswürdig sei (R. 1, 32), trotz ihres Gewissens, durch das sie sich selbst ein Gesetz geben konnten(R. 2, 14), gesündigt hätten(R. 1, 32. 2, 12). Bezüglich der Juden, denen doch„die Aussprüche Gottes anvertraut wurden“(R. 3, 2), die das mosaische Gesetz hatten(R. 2, 12, 17, 18),„denen die Kindschaft gehört und die Herrlichkeit, die Bündnisse, die Gesetzgebung, der Gottesdienst und die Verheissungen, welche die Väter für sich haben und aus welchen der Christus stammt nach dem Fleische“(R. 9, 4. 5, vgl. 11, 16), sagt er(R. 2, 1— 3, 20), auch sie, die sich des Gesetzes rühmten und Proselyten für ihre Religionsgemeinschaft zu machen suchten, hätten durch die Ubertretung des Gesetzes Gott so sehr verunehrt, dass um ihretwillen der Name Gottes unter den Heiden gelästert werde.— R 3, 9 erklärt er, das Gesagte zusammenfassend:„Wir haben ja zuvor schon die Klage gestellt gegen Juden so gut wie Griechen(Heiden), dass sie alle unter der Sünde seien“, und 3, 22 nochmals:„Einen Unterschied gibt es nicht: gesündigt haben sie alle(Juden und Heiden) und ermangeln der Herrlichkeit Gottes.“
Es könnte angesichts einiger Aussprüche des Apostels fraglich er- scheinen, ob er auch die Christen als solche, die sich Christus ange- schlossen haben, für Sünder halte. So sagt er in Beziehung auf diejenigen, die(nach R. 5, 1, 2) durch den Glauben gerechtfertigt sind, Friede mit Gott durch Jesum Christum und durch ihn Zugang zu Gottes Gnade,(nach V. 11) die Versöhnung empfangen haben, in V. 6: „Wenn ja doch Christus zur Zeit unserer Schwachheit,(die also als überwunden erscheint), also für Gottlose, in den Tod gegangen ist“,(V. 8)„dass Christus für uns starb, als wir noch Sünder waren“,(6, 2)„wir, die wir der Sünde gestorben sind, wie sollten wir noch der Sünde leben?“, (6, 14)„Die Sünde wird keine Macht über euch haben“ und(6, 17, 18)„Dank aber sei Gott, dass ihr zwar Knechte der Sünde waret..., dass ihr, von der Sünde befreit, zu Knechten der Gerechtigkeit gemacht wurdet.“ Doch will er damit nur sagen, dass ein Christ principiell mit der Sünde brechen muss. Daher spricht er auch ermahnend(R. 6, 11): „Also achtet auch ihr euch als tot für die Sünde“ und(V. 19):„So sollt ihr diese Glieder nun darbieten in den Dienst der Gerechtigkeit zur Heiligung“, d. h. damit ihr Christus mehr und mehr geweiht werdet, und bezeichnet(V. 6) als Zweck der Taufe die Vernichtung des Sünden- leibes,„auf dass wir nicht mehr der Sünde Sklaven seien“. Wenn Menschen durch den Glauben an Christus„sündlos“ würden, wären derartige Ermahnungen und Erklärungen überflüssig; doch sind solche, die„nicht mehr der Sünde Sklaven“ sind, darum noch nicht„sündlos“.
Immerhin hielt es Paulus für das zu erstrebende Ziel des Christen, sein Leben von Sünden frei zu halten, denn er sagt(2. K. 7. 1):„Da wir nun solche Verheissungen haben, Geliebte, so wollen wir uns reinigen von jeder Befleckung des Fleisches und Geistes und Heiligkeit herstellen in Furcht Gottes“, und(R. 6, 22)„Dagegen jetzt, da ihr be- freit seid von der Sünde, aber gemacht zu Knechten Gottes, geht eure Frucht auf die Heiligung, das Ziel aber ist ewiges Leben“. Sofern aber Paulus weder von einem der ihm bekannten Christen noch von sich selbst behauptet, dass er das dem Christen gesteckte Ziel sittlicher Reinheit, völliger Hingabe an Gott durch Christus erreicht habe, bleibt es bei seiner Behauptung der Sündhaftigkeit aller Menschen.
c) Die Entstehung der Sünde bei der Einzelperson. Paulus nimmt zwei Faktoren an, die das innere und demzufolge auch das äussere Leben des Menschen bestimmen: das zεν ν⁴α den„Geist“ d. h. das Gottverwandte im Menschen, das auf die Ausgestaltung und Erhaltung des rechten Verhältnisses zu Gott gerichtet, zur Erfüllung des göttlichen Willens geneigt ist, zum Anschluss an Gott hinstrebt, den„inneren Menschen“(R. 7, 29), das eigentliche Ich und die cägs, das„Fleisch“ d. h. das Sinnliche im Menschen, das auf die Ansprüche des in der Sphäre
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