Aufsatz 
Die Lehre von der Sünde nach den Schriften des Neuen Testaments
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8

Vorwürfe darüber, dass sie das Wort Gottes von sich stiessen und sich des ewigen Lebens nicht würdig achteten. 26, 18, 20 gibt er als Zweck seiner Entsendung zu den Heiden an,ihre Augen zu öffnen zur Bekehrung, sie zu bekehren von Finsternis zu Licht und von der Macht, des Satans zu Gott, ihnen anzukündigen, dass sieBusse thun, sich zu Gott bekehren und würdige Werke der Busse vollbringen? sollten. In diesen Worten liegt zugleich ein Hinweis auf die Möglichkeit der Beeinflussung des Willens durch die ihnen darge- botene sittliche Erkenntniss, denn er redet davon,ihre Augen zu öffnen zur Be- kehrung. Dasselbe gilt von der Erklärung des Petrus an die Juden, 3, 23, dassjede Seele, die nicht auf diesen Propheten(Jesus) hört d. h. die ihr bekannten Worte desselben bei ihrem Thun und Lassen nicht beachtet,aus dem Volk ausgetilgt werden solle.

3. Der Jakobusbrief.

a) Wesen der Sünde. Die Sünde wird bezeichnet als: Schmutz und Auswuchs von Bos- heit(1, 21), Schmutz der Welt(1, 27), Unlauterkeit(4, 8), UÜbertretung des göttlichen Gesetzes (2, 10), schlechtes Thun(3, 16), Feindschaft gegen Gott, Freundschaft mit der Welt(4, 4), Ab- irren von der Wahrheit, Irrtum des Weges(5, 19). Sie ist demnach die aus unreiner, gottentfremdeter Gesinnung, aus dem Liebäugeln mit dem Geist niederer Sinnlichkeit hervorgehende Abweichung von der aus Gott stammenden Richtschnur im inneren und äusseren Leben. Dahergilt naturgemäss auch die Unterlassung des Guten als Sünde nach 4, 17:Wer nun weiss recht zu thun und thut es nicht, dem ist es Sünde.

b) Allgemeinheit der Sünde. 1, 4 ist den Christen das Ziel gesteckt,vollkommen und ohne Fehler, in nichts zurück zu sein. doch 3, 2 wird offen gesagt:wir(Christen) fehlen allesamt in vielem(besonders in Worten K. 3) und 4, 8 werden Angehörige der Christengemeinde schlechthinSünder undUnlautere genannt. Dass dem Apostel alle Nichtchristen als Sünder erscheinen, wenn er die Christen, diedas vollkommene Gesetz der Freiheit besitzen, als solche bezeichnen muss, ist selbstverständlich, wird aber nicht ausgesprochen.

c) Entstehung der Sünde bei der Einszelperson. 1, 13 15 erklärt Jakobus:Niemand sage, wenn er versucht wird, ich werde von Gott aus versucht'; denn für Gott gibt es keine Versuchung zum Bösen, er versucht keinen. Vielmehr wird jeder so versucht, dass er von seiner eignen Lust hingezogen und gelockt wird. Dann, wenn die Lust empfangen hat, gebiert sie Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollbracht ist, gebiert Tod. Diese Stelle ist sehr wichtig. Der Apostel entzieht durch sie mancherlei Ausflüchten, die Sünder zu machen pflegen, den Boden. Er weist den Gedanken zurück, der sich fälschlich auf die Worte des VaterunsersFühre uns nicht in Versuchung stützen möchte, dass jemals eine Reizung zum Bösen von Gott ausgehen könnte. Gott ist nach seinem Wesen über jede Versuchung erhaben, aber auch nicht imstande, einen Menschen durch einen von ihm ausgehenden bösen Einfluss vom rechten Weg abzulocken und so als der Heilige in Widerspruch mit sich selbst zu geraten. Auch die Entschuldigung mit einer Einwirkung desTeufels, dem viele zu ihrer Entlastung eine Rolle bei ihren eigenen Versündigungen zuzuweisen geneigt sind, nimmt er nicht an, sagt vielmehr(4, 7):Widerstehet dem Teufel, so flieht er von euch.

Er weist an unsrer Stelle den Menschen in sich selbst hinein. In sich selbst oder(4, 1)in seinen Gliedern d. h. in seiner sinnlichen Natur soll dieser den Reiz zur Sünde suchen. Er verspürt Lust zu irgend welchem Verhalten, das ihn in Widerspruch mit Gott bringen wird. Das weiss er ganz genau nach der ihm als Christ zugäng- lichen Urkenntnis, denndas Wort, das die Seelen retten kann, ist in ihn gepflanzt (1, 21), er konntein das vollkommene Gesetz der Freiheit hineinsehen(1, 25). Diese Er- kenntnis zu verwerten d. h. die Lust zu Verbotenem zu unterdrücken würde ihm gelingen, wenn er seine Willenskraftzusammenfasste, an die der Apostel in den Ermahnungen(1, 21) nehmet das Wort in Sanftmut an,(1, 22)werdet aber Thäter des Wortes,(vgl. 1, 25), (4, 7)widerstehet dem Teufel,(4, 8)nahet euch zu Gott.... macht rein die Hände, ihr Sünder, und keusch die Herzen, ihr Unlauteren, appelliert.

Die sinnliche Lust möchte den Menschen in ihren Dienst ziehen; darum lockt sie ihn, hält sie ihm gleichsam einen Köder vor. Mehr thut sie nicht. Gott möchte aber den Christen