Aufsatz 
Die Lehre von der Sünde nach den Schriften des Neuen Testaments
Entstehung
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Gutes mehr zutraue(Der faule Baum kann nicht gute Früchte bringen V. 18), ja dass sie infolge ihres Scheinlebens zuletzt ebenso unfähig würden Gutes zu leisten, als der Dornbusch und die Distel zum Hervorbringen von Trauben oder Feigen(V. 16).

Jedenfalls lässt Jesus keinen Zweifel darüber, dass er das, was ein Mensch auf Grund seiner guten oder bösen Naturanlage, seiner grösseren oder geringeren Bekanntschaft mit dem sittlich Guten, seiner Willens- schwäche oder Willensstärke wird, als dessen eignes Werk ansieht, ihnen volle Verantwortlichkeit zuschiebt, weshalb er auch denGuten Aner- kennung, denBösen Strafe von Seiten Gottes in Aussicht stellt. Das beweisen seine Aussprüche:Komm deinem Widersacher entgegen ohne Verzug, so lange du noch mit ihm unterwegs bist, damit dich nicht der Widersacher dem Richter übergebe u. s. w. (Mt. 5, 25 ff.),Es ist dir besser, dass eins deiner Glieder verloren gehe, als dass dein ganzer Leib,(wenn du sündigst,) in die Hölle geworfen werde(Mt. 5, 29),Jeder Baum, der nicht gute Prüchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen(Mt. 7, 19),Ich sage euch aber: jedes unnütze Wort, das die Menschen reden, davon werden sie Rechenschaft geben am Gerichts- tag(Mt. 12, 36),Sammelt das Unkraut und bindet es in Bündel, es zu verbrennen(Mt. 13, 30 vgl. 41),Das Faule werfen sie weg(Mt. 13, 48 vgl. 49), ebenso das Gleichnis vomSchalks- knecht(Mt. 18. 21 35), die Verfluchung des Feigenbaums(Mt. 21, 18 22), das Gleichnis von derköniglichen Hochzeit(Mt. 22, 1 14), das Wehe über die Schriftgelehrten(Mt. 23, 13 36) und über Jerusalem(Mt. 23, 37 Lk. 21, 22 24) und die eschatologischen Reden Jesu(Mt. 25).

Fassen wir nun alles unter c Gesagte zusammen, so lässt sich die Anschauung Jesu über die Entstehung der Sünde bei der Einzelperson so ausdrücken: Der Mensch, der von Natur mehr zum Guten oder mehr zum Bösen geneigt ist, benutzt die ihm nahe gebrachte Erkenntnis des pflichtmässigen sittlichen Verhaltens nicht ausreichend zur Heiligung und Kräftigung seines Willens, um sich nur für das Gute zuentscheiden, und kommt durchseinselbstverschuldetes Verharren in einem Zustand sittlicher Schwäche oder durch offene Auf- lehnung gegen das bekannte Gesetz Gottes, also infolge bewusster falscher Willensrichtung, zu mannigfachen Verletzungen desselben.

2. Die Reden der Apostelgeschichte.

a) Wesen der Sünde. Die Sünde wird gekennzeichnet als: Nichthalten des Gesetzes(7, 53), Bosheit(8, 22. 3, 26. plur.), Ungerechtigkeit(8, 23), Unrecht(25, 10), Feindschaft gegen alle Gerechtigkeit(13, 10). Sie ist also die aus innerer Abneigung gegen die Unter- ordnung unter einen höheren Willen hervorgehende Verletzung des gött- lichen Gesetzes.

b) Allgemeinheit der Sünde. Sie wird zunächst bezüglich der Juden festgestellt, denn Petrus sagt ihnen(2, 38):Thut Busse und lasse sich ein jeder von euch taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden und(3, 26)Euch zuerst hat Gott seinen Knecht(Jesus) auferweckt und abgesandt, euch zu segnen durch Bekehrung eines jeden von euren Bosheiten,(vgl. 3, 19. 13, 24.). Dass die Heiden allesamt sündigten, ist in der all- gemeinen Erklärung(11, 18) ausgedrückt:So hat nun Gott auch den Heiden die Busse zum Leben gegeben. Die Sündhaftigkeit der Juden und Heiden wird von Petrus vorausgesetzt, wenn er(10, 43) sagt:Für diesen(Jesus) zeugen alle Propheten, dass durch seinen Namen Sündenvergebung empfange jeder, der an ihn glaubt. Er hielt aber Juden und Heiden für berufen, an Christum zu glauben. Beide schliesst Paulus zusammen in den Aussprüchen(17, 30): Gott lässt nun, nachdem er die Zeiten der Unwissenheit übersehen hat, für jetzt allen Menschen allenthalben ansagen, Busse zu thun und(26, 20)ich kündigte denen in Damaskus zuerst und dann in Jerusalem und im ganzen Land Judäa und den Heiden an, Busse zu thun und sich zu bekehren zu Gott und würdige Werke der Busse zu vollbringen.

c) Entstehung der Sünde bei der Eineelperson. Es wird(3, 26. 8, 22) von Bosheit und (13, 10) von Feindschaft gegen alle Gerechtigkeit gesprochen, also angenommen, dass der Mensch durch die falsche Willensrichtung in Sünde gerät, dass er sich trotz des Bewusstseins ihrer Verwerflichkeit für sie entscheidet. Daher verlangt Petrus(2, 38. 3, 19) von den Juden, Busse zu thun, sich zu bekehren, was Sache des Willens ist, und Paulus macht ihnen(13, 46)