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und die„Freiheitsbäume“ pflanzten, ließen sich auch von solchen Orten nicht ab- schrecken, die Anspruch auf den kurpfälzischen Schutz hatten. Im Anfange seines Ein- marsches in Deutschland hatte sich Custine wohl der lllusion hingegeben, durch seine schönen Verheißungen allein die Bevölkerung für die französische Republik einzunehmen. Je mehr er sich in dieser Hoffnung getäuscht sah, um so mehr ging er zu Drohungen und Gewaltmaßregeln über. Besonders, als er sich zu immer weiterem Rückzuge genötigt sah, wünschte er den üblen Eindruck davon in Paris durch die Aufzählung von möglichst vielen Eideserklärungen für die französische Freiheit etwas ausgleichen zu können. Teils um ihn in diesen Bestrebungen zu unterstützen, teils freilich auch, um— nach dem Bericht unseres Landschreibers vom 2. Jan.—„eine Untersuchung zu thun wozu die abgeschickte viele Millionen verwendet worden seyen,“ also aus einigem Mißtrauen gegen Custine ¹), sandte der Nationalkonvent 3 Kommissäre(Volksrepräsentanten) Reubel von Colmar, Hauß- mann von Straßburg und Merlin von Thionville, nach Mainz, die Ende Dezember auch durch Oppenheim kamen. Wie in Mainz selbst, so begannen diese und ihre Untergebenen in der ganzen Umgegend für den„Konvent der freien Deutschen“ ²) und für den Anschluß an Frankreich zu arbeiten. Der erste derartige Versuch, der Kurpfalz berührte, wird schon am 1. Weihnachtstage von dem Ort Lörzweiler be- richtet. Dieser gehörte den Grafen von Leiningen, Vasallen von Kurpfalz, unter deren Herrschaft Mainzische und Pfälzische Untertanen zusammensaßen. Nun wurde sämtlichen Einwohnern„von der Maynzer Freiheitsgesellschaft angedeutet, den Frei- heitsbaum in ihrem Ort aufzurichten und den Freiheitseid abzulegen.“ Ein Pfälzer, der deswegen um Verhaltungsmaßregeln bittet, wird an den Oberamtmann von Reibeld in Mainz verwiesen. Doch meint der Landschreiber ganz resigniert, da den Mainzern in Lörzweiler„allschon der Freiheitsbaum behaglich ist, so werden wohl die kur- pfälzische sich p. nunc an dem größten Theil anschmiegen müssen.“ Wenige Tage später, 4. Januar, wird bei der Regierung angefragt, ob die Gemeinde von Nieder- Ingelheim¹³) den in ihrer Gemarkung errichteten Freiheitsbaum etwa mit Gewalt wieder hinweg schaffen solle. Im März häufen sich die Fälle; da soll am 12. die Gemeinde Mommenheim,„welche für Kurpfälzischen Schuz eine sichere Anzahl Haab Jährlich abgibt,“ genötigt werden, der französischen Nation zuzuschwören. Ihre Beschwerde wird ebenfalls an den Oberamtm. von Reibeld weiter verwiesen. Am 23. antwortet der Landschreiber dem Grafen von Leiningen:„Gestern habe mit vieler Empfindung durch Hochdero secretair erfahren, daß die französische Commissäre sich auch haben beigehn lassen, die Unterthanen zu Guntersblum in französischen Eid zu nehmen, und dero Hof mit Wachten zu besezen, und alles unter Siegel zu legen.“ Der Schutz der kurpfälzischen Regierung wird ihm zugesagt. Am 29. fordert„der Commissarie der deputirten Von der vollziehenden gewalt“ Susemihl(?) von Guntersblum aus die Bürger von Rudelsheim auf, sich zur Eidleistung versammelt zu halten, wobei er ihnen„ans Herz legt, daß eine Entfernung aus dem Orte für sie Von Keinen guten folgen seyen würde.“ Die kurpfälzische Regierung aber, außer Stande irgend etwas Wirksames zum Schutze der Untertanen zu tun, hat keine andere Waffe, als einen rührenden Appell an ihre„Beamten und Diener“ trotz drohender Konfiskation u. a. Gefahren„den Unterthanen tapfer Vorzugehen, dieselben bei ihrer unverrückten Treue herzhaft zu unterhalten und zu deren Fortsezung eifrig anzufrischen, und wie Sie den Herrn ihr Glück und ganzes Existenz samt dessen
1) Vgl. darüber auch Remling, a. a. O. S. 217. Es waren in Paris Klagen laut geworden über die mangelhafte Versorgung der Truppen. Die Schilderung eines Augenzeugen von deren schlechter Verfassung gibt der 5. Brief in dem Buch„Die Franzosen in Saarbrücken“. Sybel, a. a. O. III S. 286. Das Bulletin de la Convention Nationale vom 22. Januar führt diesen Zustand zurück auf„L'impéritie de quelques Quartiers-Maitres, de certains Commissaires des Guerres, ou leur mauvaise volonté.“ Um so mehr ist die gute Mannszucht anzuerkennen, die der Land- schreiber selbst am 14. März noch einmal ausdrücklich bestätigt.—
4 ²) Dieser trat am 17. März in Mainz zusammen. Klein, a. a. O. S. 454 ff. ³) Der Ingelheimer Grund gehörte ebenfalls noch zum Oberamt Oppenheim.


