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abends ging also die ganze französische armée wiederum hierdurch und marschierten gegen Mainz ¹). Den folgenden tag, morgens frühe 6 Uhr Jagten schon preußische Hussaren durch alle straßen hier durch die stadt und fingen die noch hie und da auf den straßen und in den Häusern verstecket gebliebene Franzosen auf, gleich darauf folgten mehrere truppen, welche sich auf dem nemlichen Plaz, wo die Franzosen ihr Kampement hatten postierten, gegen 11 Uhr trafen auch ihro Majestät der König von Preußen mit sämtlicher hohen generalität allda ein, und als allerhöchst dieselbe das Lokale eingesehen hatten, ritte der König mit der ganzen Generalität und großer Suite hierdurch nacher Guntersblum, wo wirklich dermahlen das Haupt- quartier ist.“
Die Erlösung, die sich der Herr Landschreiber, und mit ihm wohl die Oppenheimer, nach dem Eingange des Berichtes zu urteilen, versprachen, brachten freilich die deutschen Truppen keineswegs. Da machte z. B. gleich wieder der Mangel an Holz viel zu schaffen und vor allem konnte man„nach der Außerung des General von Stein und mehrerer preußischen Officiers verspüren, daß das gute Be- nehmen, welches zwischen Kurpfalz und denen Franzosen bestanden, nicht zum Besten aufgenommen werde.“ So hatte die, durch die Schwäche allerdings diktierte Neutralität einerseits der Kurpfalz das Mißtrauen des Vaterlandes zugezogen, auf der andern Seite war trotzdem der Schaden, den sie von den fremden Truppen erlitten hatte, kein geringer. Allein die Stadt Oppenheim berechnet an Verlust der einzelnen Bürger im ganzen die Summe von 13 681 fl. 7 ✕, an Unkosten der Stadt 9364 fl., also ein Gesamtschade von über 23 000 fl.
Hin und her brandeten noch in den folgenden Jahren, weit schlimmer ver- heerend, die Fluten des Krieges, bis sie unser gesegnetes Land gänzlich von Kur- pfalz und dem Reich losrissen.
Custine aber hat seinen flüchtigen Triumph teuer bezahlt. Auf die Anklage hin, daß er das Interesse der Republik verraten und mit den Feinden Frankreichs im Einvernehmen gestanden habe, wurde er im August 1793 hingerichtet. Er war kein großer Geist, aber er hatte es ehrlich gemeint mit seinem Kampf für die Revolutionsideale. Sein Fehler war, daß er in seiner Eitelkeit²) die realen Kräfte, die er für sich und seine lIdeale aufbieten konnte, überschätzte. Es ist derselbe Fehler, der die kühnen Drohungen und schönen Vermahnungen von Kurpfalz so hohl klingen läßt.
¹) Hier hielten sich die Franzosen noch bis zum 23. Juli 1793. ²) Son plus vilain défaut était la vanté. Chuquet, a. a. O. S. 41.
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Buchdruckerei von Wilh. Tranmüller in Oppenheim.


