Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Stadt Oppenheim : 1. Teil
Entstehung
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Genuß in guten hellen tägen zu danken haben, also auch in trüben nach ihren Pflichten anhänglich zu bleiben.

So sprühten die Funken des revolutionären Feuers trotz aller Vorsicht über die ängstlich behütete Grenze herein. Und Kurpfalz allein hätte ihm das Weiter- greifen gewiß schon damals nicht verwehren können, wenn nicht stärkere Mächte vorerst noch den drohenden Gang der Dinge aufgehalten hätten. Die Preußen, und mit ihnen der Krieg, aber auch die Befreiung von den fremden Truppen, kamen näher, durch Feindseligkeiten über das Rheinufer hinüber sich ankündigend. Am 5. März rückte ein Kommando von etlichen 100 Mann mit 5 Kanonen nach Schmittshausenum das sogenannte Hospital zu Stockstatt, welches sich zeithero die kaiserl. Völkern zu ihrem aufenthalt bedienet, zusammen zuschießen. Schon wirk- lich höret man sehr stark kanonieren. In Nierstein wird das Bleichhaus abgedeckt und das Färcherhaus sowie das Schützenhaus auf der andern Seite zusammen- geschossen. Die kurfürstl. Regierung aber war und bliebneutral. Die Bitte der Verbündeten, den Rheinübergang bei Mannheim zu gestatten, wurde abgelehnt ¹), so- daß dieser nach Bacharach verlegt werden mußte. Rasch war der Hunsrück in preußischer Gewalt, dann zog sich Custine, den einige kleinere Gefechte von der UÜber- jegenheit der feindlichen Waffen nur allzu deutlich überzeugt hatten²), auch von Kreuznach und von Alzey ohne Gegenwehr bis nach Worms zurück, wo er am 30. März bereits lagerte. So dicht aber war der Feind ihm auf den Fersen, daß eine Abteilung von mehreren tausend Mann, die er von Mainz her auf dem Wege über Oppenheim noch an sich ziehen wollte, bereits abgeschnitten wurde. Die letzten Tage der Franzosen in unserer Stadt und den Kampf der genannten Abteilung kann man nicht anschaulicher schildern als mit den Worten, die diese Eindrücke dem Augenzeugen(31. März) eingeben:Endlich und endlich sind gestern alle Ortschaften dahier von denen Franzosen frei geworden, einige Täge Vor ihrem abzug waren sie schon wegen denen preußen welche bey Kreuznach umher waren, in besorgniß, die dahier und zu Nierstein lagen zogen sich auf den Berg zwischen hier und Dexheim, campierten einige Täge allda, wobey fast alle pfähle und plankenstecken auf denen Weinbergen geholet, Viele Obstbäume abgehauen und verbrannt worden. Glück daß dieses Campement nicht lang dauerte sonsten würden kein Baum im Feld geblieben seyn, sondern die Wingertsstöcke selbsten würden haben herhalten müssen. Als aber den zweiten Tag des Campements Viele truppen Von Maynz und Kreuznacht her dazutrafen und eine armee von etwa 14 000 Mann ausmachten), und general Bleau zum Comando anhero Kame, so wurde beschlossen, den Feind auf dem Berg zu erwarten und mit ihm eine bataille zu liefern zu welchem Ende alles geschüze auf den Berg Verbracht, die Thoren dahier Verrammlet und alle Veranstalten ge- troffen wurden sich mit dem feind zu schlagen. Als sich aber die preußischen Truppen näherten und das zu Gimsheim eine stund Von hier gelegene bataillon des voges theils zusammenschossen und gefangen nahmen woher man die Kanonen- schüsse ganz deutlich hörte, änderten die Franken dahier ihr Vorhaben, zogen wiederum den Berg herab und nahmen den Marsch gegen Worms, um sich allda mit der dortigen armée so General Custine allda zusammen gezogen haben sollte, zu Conjungiren, der Abmarsch von hier geschahe zwischen 3 und 4 Uhr, als aber dieselbe vor Guntersblum bis gegen Alsheim kamen, wurde diese von zwei Bataillons Hohenlohe und denen Kohlerschen Hussaren so empfangen, daß die 14 Tausend Mann auf der stelle wiederum in der größten eil rückkehrten, 12 Kanonen im stich ließen und 12 Hundert Mann nebst 40 50 officiers einbüßten, zwischen 9ↄ und 10 Uhr

¹) Remling. a. a. O. S. 307.

²) Die Disziplin löste sich um so Frascher auf, als der Gegensatz zwischen Linientruppen und Nationalgarden eine verhängnisvolle Rolle dabei spielte. Wenn Custine später behauptet, die Moselarmee habe ihn im Stich gelassen, so ist das wohl eine ähnlich gesuchte Entschuldigung,

wie derFrankfurter Verrat. 4) Sybel, a. a. O. III S. 286 gibt die Zahl 8000, Remling, S. 310 die Zahl 7000 an.