Beilage zum Jahresbericht der Groszherzoglichen Realschule zu Oppenheim. Ostern heeanss— .4
Dr. R5Strecker, Beiträge zur Geschichte der Stadt Oppenheim.
I. Peil.
Vorbemerkung.
Als im pfälzischen Erbfolgekrieg am Pfingstfest des Jahres 1680 die Stadt Oppenheim ein Opfer jenes berüchtigten Louvois'schen Planes wurde, den Kriegs- schauplatz zu vereinfachen, ist leider auch alles mit zugrunde oder verloren gegangen, was damals etwa noch von geschriebenen Zeugnissen einer früheren Ver- gangenheit im Archiv der Stadt vorhanden war. Mit erneuter Sorgfalt aber begann alsbald wieder die Sammlung und Ordnung der Akten, und diese wenigstens liegen uns denn auch heute noch in seltener Vollständigkeit vor, freilich nicht in bester Ordnung und Verfassung. Auch über diese Schriftstücke sind noch schwere Kriegs- zeiten dahingegangen. Etwa ein Jahrhundert nach dem Untergang jenes früheren Besitzstandes an historischen Dokumenten mußte die neue Sammlung vor dem alten Feinde gerettet werden. Sie fand 1794 in Lindenfels eine vorübergehende Zuflucht. Wie weit sie nach ihrer Rückkehr in unsere Stadt noch in Ordnung war, läßt sich natürlich nicht sagen. Was aber noch an solcher Ordnung bestand, das ging jeden- falls in der Folgezeit gründlich verloren. Wiederholte, nicht durchgeführte und nach verschiedenen Gesichtspunkten unternommene Gruppierungsversuche, sowie eine in jüngster Zeit veranstaltete, unverantwortlich rücksichtslose jagd nach Siegeln und Marken haben ein recht vollendetes Bild trostloser Verwirrung in den schönen Beständen erzeugt.
Es ist mit Freuden zu begrüßen, daß nunmehr die Stadtvertretung auf die Wiederherstellung der Brauchbarkeit ihres Archivs ein ernstes Augenmerk gerichtet hat, und ich selbst bin dankbar dafür, mit der zwar etwas staubigen, aber auch, wie ich denke, fruchtbringenden Aufgabe betraut worden zu sein. Den Grund zu einer verständigen Neuordnung hat kürzlich Herr Dr. phil. Ernst Vogt gelegt, indem er die ungezählten und„wie ein Kartenspiel vermischten“ Papiere zunächst einmal wieder nach großen sachlichen Gesichtspunkten zusammenlegte. Danach erübrigt noch die Bildung übersichtlicher Unterabteilungen und chronologischer Anordnung innerhalb derselben. Auch diese Arbeit ist schon von Herrn Dr. phil. Albert Klein während der allerdings nur kurzen Zeit seines Wirkens an hiesiger Realschule in Angriff genommen worden, wird aber zu ihrer(nebenamtlichen) Durchführung wohl noch einiger Jahre bedürfen.
Wenn es mir, auf die Kenntnis dieser Archivalien gestützt, in der Folgezeit vergönnt sein wird, einige kleine Beiträge zur Geschichte unserer Stadt zu liefern, so geschieht dies einmal zu dem Zweck, um auch weitere Kreise auf die Bedeutung des hiesigen Archivs für Geschichtsstudien aufmerksam zu machen, andererseits denke ich, vor allem Bürgern, Nachbarn und Freunden unserer Stadt einen Gefallen damit zu erweisen. Die Rückschau in die Vergangenheit eines Ortes, an den uns das Leben gestellt hat, macht ihn uns nicht nur bekannter, sondern zugleich lieber. Und auch im engeren Rahmen spiegeln sich deutlich die großen Züge der Zeiten. Das im folgenden gegebene Bild ist ein kleiner Ausschnitt aus den Kriegen der
ℳo 783.


