Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Stadt Oppenheim : 1. Teil
Entstehung
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UÜberfahren erwirken, nachdem am 24. Januar ein Niersteiner namens Fatho durch einen Schuß drüben sogar den Tod gefunden hatte. So war die kurpfälzische Neutralität durch die Wucht der Kriegsbegebenheiten wieder ein Stück mehr zur Seite gedrängt.

Der Beamtenschaft aber scheint sich in jener Zeit der Aufregung und Uber- lastung einige Nervosität bemächtigt zu haben, sodaß es zu Reibungen zwischen den Instanzen kam. Da wendet sich der Stadtrat am 14. Januar an den Kurfürsten In dem Drang endloser geschäften in welchen wir uns befinden, ist es äußerst onangenehm ohnVerdiente Verweise zu Verdauen. Das Hochlöble. OberAmt gabe uns beigeschlossenen Verweiß ohne uns Vorhero gehöret zu haben. Vermutlich, auf anzeige des Schultheisen Von Dexheim. Es handelte sich darum, daß der Stadtrat eine französische Truppe, weil es in Oppenheim selbst völlig an Platz mangelte, nach Dexheim zur Einquartierung überwiesen hatte, ohne die Ermächtigung dazu vom Oberamt zu haben. Diese einzuholen war man freilich auch nicht in der Lage gewesen, dader Herr Hoigerichtsrath Wuest zu hause nicht anzutreffen. Die Sache aberlitte Keinen Aufschub. Am 30. Januar schildert ein Bericht des Landschreibers folgenden Auftritt:Auf beschwehrende Anzeige des Anwald Schultheisen Kumer daß Man ihn gleich einem Boten zu einquartierung der französi- schen offizieren zu gebrauchen sich habe beygehen lassen wollen und da er dazu Keine bestimmung habe, so hätte BürgerMeister und stadtschreiber Emonds mit ungestüm die ordonanz stub Verlassen, so dann daß noch Verschiedene große fäuser seyen, wo nur mit einem officier beleget seyen... Zur Vervollständigung des Bildes noch eine Stelle aus einem Dezemberbericht des Landschreibers an das Ministerium, das ihn wegen zu wenig eingehender Berichterstattung getadelt hatte auf blose alten weiber märchen und geschwäz politischer Kannegießeren sogleich zu berichten und etwas herzuschwazen ist unsere sache nicht... sollen wir aber alles das was hin und her geschwazet wird unthig. einberichten, so könnten wir nichts anderst thun als berichten und höchst dieselbe mit ongegründetem schwazen stets behelligen. Nicht ohne Humor wird man diese Kämpfe im kleinen lesen, wenn man an die großen dabei denkt, die ihren flintergrund bilden, und in denen Güter der Nation nicht nur, sondern der Menschheit auf dem Spiele stehn.

Mit Hin- und Hermärschen ist der Februar erfüllt, ohne besondere Vorftälle. So berichtet der Landschreiber am 5. März:Wir würden gewiß nicht gesäumt haben unterthgst. zu berichten wen zeithero sich solche Vorfälle ereichnet hätten, welche anzuzZeigen Verdienet hätten. Es ist aber in hiesiger gegend alles ruhig und still geblieben. Sogar scheinen auf die vielen Vorstellungen der kurpfälzischen Regierung hin die Fourageforderungen etwas nachgelassen zu haben. Die Festung Mainz war wohl für längere Zeit genügend verproviantiert. Statt dessen wurden jetzt von den Franzosen Ansprüche anderer Art erhoben, durch die allerdings die pfälzische Neutralität noch viel mehr in Frage gestellt und schließlich ganz ignoriert wurde. Sie fingen an am hiesigen Ort die Korrespondenz der Bevölkerung zu kontrollieren und Briefe zu erbrechen, sodaß der Landschreiber vor verfänglichen Außerungen warnen mußte, und am 26. März machten sie sogar den Versuch, den Posthalter direkt abzusetzen. Der Bericht darüber lautet:Schon einigemahle haben die Franzosen auf dahiesige Post Ansprüche gemacht... nun aber fanget man nicht nur an die Ansprüche zu wiederholen, und gehet gar so weit... den hiesigen posthalter provisorisch zu Suspendiren... man Verlangte so gar den provisorisch Angeordneten post Vorsteher in das post Haus einzuquartieren. Wenn auch dies vom Landschreiber nicht gestattet wurde, so blieb doch tatsächlich der provisorisch ernannte Postverwalter im Amt.

Und nicht nur hierdurch verrieten die Franzosen ihre beste Absicht, sich auch auf dem neutralen Gebiete häuslich einzurichten. Was noch schlimmer war, die Kommissare des Nationalkonvents, welche überall in der Nachbarschaft umher- reisten, und, gestützt einerseits auf das Dekret vom 15. Dezember, andrerseits auf die kleine Parteigruppe der deutschen Republikaner, denFreiheitseid verlangten