Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Stadt Oppenheim : 1. Teil
Entstehung
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lch wünsche ein gutes, Gott gebe, ruhiges und friedliche Neu Jahr. Also hielt Kurpfalz, im Gefühl der Schwäche, noch ebenso an den Friedenshoffnungen, wie an seiner Neutralität fest. Und doch war inzwischen am 15. Dezember 1792, auf Veranlassung Saarbrückener ¹), Mainzer u. a. deutscher Republikaner²), jenes berüchtigte Dekret des Nationalkonvents erschienen, in welchem(Art. 11) verheißen wird,nicht eher die Waffen niederzulegen, als bis die Souverainetät und Unabhängigkeit des Volkes gesichert ist, auf dessen Gebiete sich die Truppen der Republik befinden, als bis es die Grundsätze der Gleichheit angenommen und eine freie Volksregierung errichtet hat.³) jedem einsichtsvollen Deutschen mußten doch da die Augen über die letzten Ziele der Republik aufgehen, und am 19. Dezember war auch enqdlich das Reichsgutachten, welches schon am 23. November den Reichskrieg gegen Frank- reich beantragt hatte, vom Reichsoberhaupt bestätigt worden. Daher wurde nun auch die Ausfuhr aller Gattungen Getreides und Hülsenfrüchte, des Hornvieh und der Pferde, des Hafers und Heues,... auf das Strengste verboten.) Die Pfalz aber nahm es mit diesen Maßregeln nicht allzu genau. Noch im Januar 1793 hatte sich der preußische General Rüchel darüber zu beschweren, daß in Mannheim Lieferungen für den Feind abgeschlossen würden.) An diesen Lieferungen aber waren sogar kurpfälzische Beamte beteiligt, sodaß am 23. Dezember ein besonderes Verbot an sie ergehen mußte. Und als am 14. März der Oberkeller Dawans wegen seinerMeelgeschäfte von den Preußen arretiert und als Spion verhaftet wurde, hat der entrüstete Landschreiber für die, mindestens teilweise, Berechtigung solchen Verfahrens gar keinen Blick. Ein rechtes Zeichen für den Banausengeist eines Systems, dem neben einer hausbackenen Alltagsgewissenhaftigkeit das Gefühl für höhere Verpflichtungen einer größeren Allgemeinheit gegenüber völlig abgeht. Das- selbe Schicksal, wie Herr Dawans von den Preußen, erfuhr am gleichen Tage der gräflich Leiningsche Amtmann von Guntersblum seitens der Franzosen.

Im neuen Jahre mußte sich zunächst das Schicksal von Mainz entscheiden. Schon der Bericht des Marschkommissars vom 15. Dezember spricht die Erwartung der Be- lagerung aus. Eine letzte Schlacht noch lieferte Custine auf dem rechten Rheinufer.Die viele schwere Artillerie, so seit kurzem nacher Mainz geführet worden, und die durchmärsche verschiedener Truppen lasset mit Grund schon am 2. Januar diesebataille mutmaßen. Die Absicht Custines warnach allgemeiner Sage der Franzosen, sich an den Frankfurtern zu rächen. In der Nacht vom 7. zum 8. Januar hörte man tatsächlich eine so starke Kanonade, daß die Häuser in der Stadt davon erbebtené). Es war ein Kampf bei Hochheim, das in diesen Tagen an die Preußen überging. je völliger nun Custine auf das rechte Rheinufer verzichtete, um so fester suchte er sich noch auf dem linken zu verschanzen. Da lagen 14000 Mann vor der Mannheimer Rheinschanze, 22000 Mann waren in Mainz zusammengezogen, eine Abteilung unter Neuwinger lag bei Bingen; Kreuznach war, trotz der Einsprache des Kurfürsten von der Pfalz, befestigt worden?). Auch Oppenheim erlebte damals, seines Rheinübergangs wegen, die Hochflut der Einquartierungen. Außerdem wurden die Kanonen an den Toren aufgefahren und dadurch in den Bürgern der ängstliche Eindruck erweckt, daß es auch hier zu einer größeren Aktion würde kommen können. Auf dem jenseitigen Ufer standen Hessen und Kaiserliche, und es wurden Schüsse über den Strom hinüber gewechselt. Die Bevölkerung hatte Schwierigkeiten, ihren Holzbedarf am rechten Ufer zu decken. Das Oberamt mußte ihnen bei dem hessischen Oberst von Doring, der in Geinsheim in Quartier lag, die Erlaubnis zum

¹) Franzosen in Saarbrücken 1890 Einl.

²) Venedey, die deutschen Republikaner 1870. ³) Remling, a. a. O. S. 212.

) Remling, a. a. O. S. 221.

) Klein, a a. O. S. 493.

6) David, S. 85.

¹) Remling, S. 305.