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beim Angriff der Preußen die französische Besatzung an einem Tore auch ihrerseits angegriffen. Doch hatten die Franzosen in der Stadt nur 7 Tote und 10 Verwundete, 34 fielen auf den Wällen, 154 wurden dort verwundet ¹). Custine freilich nutzte den „Verrat“ der Frankfurter später in Paris als willkommene Entschuldigung für se inen Rückzug aus ²). Noch aber dachte er Mainz, an dessen Befestigungen inzwischen kräftig gearbeitet war, und das linke Rheinufer zu behaupten. Bei Hochheim wurden die Preußen einen Monat lang aufgehalten. Die UÜberfahrt über den Rhein sollte ihnen unmöglich gemacht werden.„Zu dem End“, berichtet der Landschreiber am 6. Dezember„werden auch alle Fahrzeuge auf dem Rhein von hier bis nacher Worms angehalten und dörfen nicht vom Land wodurch der Handel und Wandel Mit Jenseitigen Niedergeleget ist, welches noch so lang dauern wird, bis general Custine sich wird in Maynz gezogen und die Preußen den Rhein werden passieret haben. Wahrscheinlich kommt es zwischen beiden armeen nochmalen zu einer bataille und vielleicht ist diese schon heut nachmittag geliefert worden, indem Man Von 3 bis 5 Uhr sehr viele Kanonenschüsse dahin gehöret hat. Der französische General Biron, welcher sich schon einige Zeit bey General Custine befand, ist heut nach- mittag gegen 4 Uhr hier durch nacher Straßburg und wie von denen Franzosen allgemein gesagt wird so will dieser mit seiner armee general Custine zu Hilfe eilen.“ In Wirklichkeit zog sich der Kampf um Hochheim noch bis zum 6. Januar 1793 hin. Bereits der 8. Dezember setzte die Oppenheimer von neuem in aufgeregte Spannung.„von 5 Uhr bis nachmittag 4 Uhr hat man ohnaufhörlich Kanonenschüsse in der gegend Von Königstein gehöret auch ein Feuer gegen 4 Uhr wahrgenohmen, worauf das schießen nachgelassen hat. Wie es heißt, so solle die dortige französische Besazung sich ergeben haben und die festung von den preußen in Besiz genohmen worden seyn.“ In Königstein hatte Custine bei seinem Rückzuge von Höchst nach Hochheim eine Besatzung von 500 Mann unter dem Befehle des Kommandanten Meunier zurückgelassen. Hier hatte in der Tat am 8. Dezember der Prinz von Hohenlohe das Städtchen in Brand geschossen, aber die Franzosen ergaben sich noch nicht, vielmehr hielten sie aus bis zum 8. März, wo sie(421 Mann, 14 Offiziere) zu Kriegsgefangenen gemacht wurden. Das Vor- rücken der preußischen Truppen erweckte inzwischen immer mehr Hoffnungen bei den Bürgern, Befürchtungen bei den französischen Truppen. Am 26. Dezember abends 8 Uhr sitzt der Landschreiber noch bei einem Bericht:„Heute frühe zwischen 10 und 11 Uhr Erstunde auf einmahl ein Lermen, daß die preußen bei Gernsheim über den Rhein sezen wollten, darauf wurden die in hiesiger Gegend liegende französische Truppen in Bewegung gesezet, ein starkes Detachement Von hier und die zu Guntersblum liegende Chasseurs zogen sich mit denen hiesigen Kanonen den Rhein hinauf. Noch zur zeit haben wir nichts näheres vernohmen, wahrscheinlich war es ein falscher Lermen, der vielleicht bloß daher erstanden ist, weilen vielleicht preußische Hussaren sich bei Gernsheim etwa haben sehen lassen. in Betreff deren Jenseitigen Ereichnissen bei Kastel erfahret Man nichts zuVerlässig, weilen die Passage über den Rhein gehemmt ist.“ Und außerdem hatte die Sperrung der Rheinschiffahrt noch die üble Folge, daß von den 300 Wagen Holz, die in Mannheim der Stadt Oppenheim zur Verfügung gestellt waren ³), nur ein Teil, zudem auf dem viel kostspieligeren Landwege, hierher gelangten. So verging das alte Jahr, Kriegslasten und Aufregung dem neuen als Erbe hinterlassend. Noch am 31. Dezember hat sich der Landschreiber wieder über einen französischen Offizier zu beschweren. Die Antwort des Oberamtmannes Reibeld aber vom 1. Januar lautet:„Die armée will doch gegen Zahlung genähret seyn, ich sehe also nicht, wie wir unsre crescentien zur eignen willkürlichen disposition werden erhalten können.“ Und sie schließt:
¹) Klein, a. a. O. S. 277. 8 ¹) Sybel, a. a. O. IIl S. 50. 3) s. o. S. 12.


