Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Stadt Oppenheim : 1. Teil
Entstehung
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die Franzosen nicht gestatten, das gesteigerte Holz über die Brücke zu führen, auch Schiffe und Nachen hinweggenommen hätten, erwidert sie, es stehe nicht in ihrer Macht, etwas dagegen zu tun. ¹) Wie es den mannigfachen Beschwerden vom Ministerium und Oberamt bei Herrn General Custine erging, zeigt ein Bericht des Marschkommissars Leger. Da heißt es:(vom 15. Dezember) betreffs der Zahlung der rückständigen Geldern, mehrerer Cemeinden, sowohl aus diesseitigen, als auch andern annoch zu fordern habenden Oberämtern, konnte man bis daher zu nichts gelangen, und es hat dermalen das Ansehen, als wird sobald und nach Gestalt der Sache und eintrettender Umstände auch gar nichts bezahlt werden.(Das freilich war etwas zu pessimistisch geurteilt.) Die Forderungen würdenmit dem Bemerken abgewiesen, wie der allgemeine Preiß für die Fourage noch nicht gemacht seye. In Betreff großer, neuer Fourageanforderungen habe er, der Kommissar, ein Promemoria an Herrn General Custine aufgesetzt, aber es sei kein Resolutum erteilt worden, weil der General sich habe zur Armee begeben müssen. Der Schluß des Berichts zeigt, wie zu allem Überfluß in der allgemeinen Verwirrung und dem ewigen Hin und Her der Berichte und Resolutionen auch das wichtige Vermittlungs- organ, die Post, noch mangelhaft funktionierte. Der Kommissar hat sich zu be- klagen, daß er einen Schein für seine an den Herrn Minister zu schickenden Schreiben immer noch nicht erhalten habe undweis nun nicht, hat es posthalter vergessen oder aber will derselbe annoch ein Späßgen machen. In der Antwort des Oberamts heißt es:Uberhaupt herrscht auf hiesiger Post dadurch große Un- sicher- und ungewißheit, da bei der Postwagen und Briefexpedition, auch zu dem Briefe herumtragen keine vertrauete und verpilichtete Leute angestellt sind, sondern wie es dem Posthalter gefällt, bald einen Bub, bald ein im Lesen ohnerfahrenes Weibsbild mit denen Briefen herumzuschicken, wodurch dann leicht geschehen kann, daß Briefe in unrechte Hände kommen oder gar unterschlagen werden. Uberhaupt liegt ein großer Fehler darin, daß die Posthalter in Postsachen den Oberämtern nicht untergeordnet sind. Schließlich konnte der Marschkommissar allein mit der Fülle seiner Aufgaben gar nicht mehr fertig werden und so begab sich Mitte Dezember der Oberamtmann von Reibeld persönlich nach Mainz, um die Vertretung der täglich mehr zurückgedrängten kurpfälzischen Neutralität zu übernehmen. Neben diesen Protesten und Reklamationen fühlte die Regierung aber wohl auch die Verpflichtung, von sich aus etwas Positives für die bedrängten Untertanen zu tun. So haben kf. Dchlt. am 10. Dez.in Bewilligung einer so großen Quantität Brandholzes von 300 Wagen²) für das Oberamt das Augenmerk auf die mittelmäßig und wenig ver- mögliche Unterthanen gerichtet, da die reiche Beamten, wenn sie UÜberfluß daran verlangen, im Auslande durch Bevollmächtigte Schiffsleute sich gemeinschaftlich auf- kaufen und beführen lassen können. Das Geld für die einzelnen Raten, in denen das Holz an die minder bemittelten Bürger abgeliefert wird, soll ihnen die Stadt vorschießen, zu all ihren Kriegsausgaben wohl auch keine angenehme Zugabe. In weiterer Rücksicht auf diedermaligen leidigen Kriegszeiten erinnert ein Erlaß vom 20. Dezember die Beamten daran, daß die bedrängten Untertanenin Betreibung ihrer Schuldigkeiten billige Ein- und Nachsicht verdienen und so wird verordnet, daß bei solchen Umständen die Milde beobachtet und dieselbe nicht allzuhart mit Executionen angegangen und behandelt werden sollen. Was durch diese Liberalität gewonnen wurde, ging freilich auf der andern Seite durch ein in so außerordent- lichen Verhältnissen übel angebrachtes Dreinregieren wieder verloren. Es war gerade die Zeit der Traubenreife, als sich die Tausende französischer Soldaten in unser weingesegnetes Land ergossen, und so stramm war nun allerdings keine noch so gute Mannszucht, daß die durch Märsche und Kämpfe angestrengten, durstigen Leute auch dieser süßen, an allen Wegen lockenden Versuchung hätten widerstehen können.

¹) David S. 84. 2) Aber s. u.§S. 15.