Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Stadt Oppenheim : 1. Teil
Entstehung
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sogleich gemachte Vorstellung, daß es onmöglich seye in einem so kleinen Land- städtgen wie Oppenheim mehrere Truppen einzulegen, kame die ordre, daß jene 11 hundert nacher Guntersblum und Gimbsheim marschiren und dorten kantoniren sollen; so günstig diese Abänderung für hiesige Unterthanen ist, so ohnangenehm und hart ist es, daß nun von allen Ortschaften beträchtliche Heu und Haberlieferung unter scharfen Betrohungen anVerlanget werden... Auf die Beschwerde der Dexheimer und Schwabsburger hin muß sich der Landschreiber zum Niersteiner Kommandanten begeben, der auch Abhilfe verspricht. Im November ließen die ewigen Einquartierungssorgen schließlich die Ernennung besonderer Kommissarii für jeden Ort wünschenswert erscheinen. Für Oppenheim wurde dazu der am 9. zum Bürgermeister gewählte Herr Zentner angestellt, von den Niersteinern liegt ein Gesuch vor, in dem sie sich den inzeitherigen Kriegsvorfallenheiten schon be- währten Handelsmann Bastiane für diese Stellung erbitten. Zugleich bemühen sich kandschreiber und Stadtrat mit vereinten Kräften, zur Entlastung Oppenheims eine Anderung der Marschrouten der französischen Truppen durchzusetzen. So schreibt der erstgenannte an den Marschkommissar Leger, er solle bei Custine erwirken,daß die Märsche, wenn solche von Mainz nacher Worms gehen bis nacher Guntersblum und von Worms nacher Maynz bis nach Nackenheim in das Maynzische fortgesetzet werden, da beyde Ortschaften nicht weit von hier entfernt sind., Er verweist dabei auf den hier herrschenden Holzmangel, der die Einquartierungslast für Oppenheim und Umgegend besonders erschwerte. Auf diese Weise glaubt er auch die Neu- tralität des Gebietes am besten gewahrt. Im gleichen Sinne wendet sich der Stadt- rat an dieselbe Adresse und außerdem noch an den Herrn Maire Glockner in Landau, der dem Bürgermeister durch dessen Bruder bereits bekannt war, der aber wohl auf die Truppenbewegungen auch nicht viel mehr Einfluß gehabt haben wird, als der Herr Marschkommissar ¹). Vor allem des Rheinübergangs wegen war es unmöglich, das Militär hier fortzulegen, und so konnte es auch nichts helfen, daß sich am 29. Dezember ²) der Landschreiber persönlich nach Mainz begab, um deswegen bei General Custine vorstellig zu werden. Immer wieder sind neue Einquartierungen zu melden. Am 21. November liegen in jedem Haus 4, 6 und mehr Mann, am 20. Januar sogar 8 10), und fast jeder Bericht des Landschreibers hat von neuem Ab- und Zuzug von Truppen zu berichten. Die Ratssitzungen mußten im Drang all dieser Geschäfte zeitweise ganz ausgesetzt werden¹), der Landschreiber kann sich von seinem Platz nicht entfernen und verschiebt die sonst übliche Visitation der Gemeinden und die Prüfung ihrer Rechnungen(26. Dezember). Die Erwerbstätig- keit vieler Bürger, insbesondere der Schiffer und der Kaufleute steht ganz oder teil- weise still, der Verkehr über den Rhein hinüber ist beschränkt und häufig vollständig unterbrochen. Wiederholt begegnet in den Berichten und Petitionen die Befürchtung, daß der Viehstand infolge Futtermangels zu Grund gehen könne, daß dem Bedürinis nach Holz schließlich auch die Obstbäume zum Opfer fallen müßten. Durch die gemeinsame Not verbunden pflegen Landschreiber und Stadtrat in ihren Bemühungen einig zu gehen. Die meisten Klagen wegen der Einquartierung, der Fourage- lieferung, der Fuhren, der Pferdegestellung und dergleichen mehr sind von beiden Instanzen ausgefertigt, wobei sich der Herr Wuest an die Regierungsvertreter, der Stadtrat häufig auch mit seinem etwas zweifelhaften Französisch an die fremde Nation wendet, in stets bescheidenerem Tone, je mehr er die Ohnmacht der eignen Behörden durchschaut. Die Regierung selbst aber erlitt in ihren Beamten und in ihren

¹) Allerdings hatte Custine die Landauer für sich einzunehmen gewußt. Wie ein Echo seiner eignen großen Redensarten klingen die Worte, die ihm die dortige Munizipalität und der Klub mit auf den Weg gab:Nous verserons avec plaisir notre sang... sous le commandement de notre loyal général Custine qui est la terreur des ennemis de la liberté. Chuquet, a. a. O. S. 46. en) David, S. 84.

³) David, S. 85.

4) Ebenda, S. 84.