Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Stadt Oppenheim : 1. Teil
Entstehung
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hinter die Armee unsrer Feinde tragen werden, auszusäen etc.¹) In Mainz gab er bedeutende Summen aus für den Druck von Reden, Flugschriften und Gedichten). Sein Sekretär, der Wormser Professor Böhmer, hatte dort gleich am 22. Oktober eine Zeitung in Besitz genommen, über deren Verbreitung in Oppenheim sich das- Oberamt am 3. November beklagt. Und den Programmworten entsprechend, die der General den Wormsern zugerufen hatte, suchte er wirklichs) Bürger und Bauern möglichst zu schonen und mehr die Adeligen, Geistlichen und Beamten für die Bedürfnisse der Armee in Anspruch zu nehmen. Gute Mannszucht bemühte er sich in kurpfälzischen Landen schon deswegen aufrecht zu erhalten, um den Kurfürst aus der für ihn immerhin wertvollen Neutralität nicht aufzurütteln. Eine Anzeige des. Stadtrats vom 22. November erkennt ausdrücklich diese gute Mannszucht, sowohl bei den durchpassierenden, als bei den dauernd einquartierten Truppen, an). Ziemlich alles, was die Franzosen von der Bevölkerung forderten, wurde auch schließlich be- zahlt, ausgenommen ganz zuletzt, was ihre eilige und verwirrte Flucht noch kostete. Den Beschwerden der kurpfälzischen Regierung kam Custine soweit entgegen, als er konnte. Aber freilich, an Anlaß zu solchen Beschwerden fehlte es auch wieder nicht. Krieg ist eben Krieg, und die längere Anwesenheit einer so bedeutenden Armee mit allen ihren Bedürfnissen und zudem in einer Stellung, wie hier, wo die Sorge um die eigne Sicherheit naturgemäß diejenige um die fremde Neutralität über- wog, mußte einen recht fühlbaren Druck unter allen Umständen bedeuten. Schon gleich am 18. Oktober hatte das Oberamt Oppenheim Grund zu klagen, daß die auf der Mainzer Straße fortrückenden Franzosendie Lieferung ein hundert Wagen Holzes. gefordert und auf eigene des Kommandirenden General Ordre sämtlicher Fahrzeiche dortigen Schiffsleuthen unter Versicherung, daß diese nichts zu befahren hätten, bey geholt. Daraufhin erhielt es von der Regierung als Antwort zunächst einen Tadel: Wie nun vorderist berichtgebenden Ober-Amte Oppenheim die Anzeige von dem Anzuge dieses Corps und dessen Anstalten nicht erst nach der würklichen Ankunft, sondern vorher und letzteres geschwinder obgelegen hat, Als wird für erst das Miß- fallen über diese Säumniß daran zu erkennen gegeben. Dann wird die Vermutung ausgesprochen, daß nicht Custine selbst, sondern nur seineUntergeordneten solche Forderungen gestellt hatten. Endlich erfolgtdie gnädigste Weißung hiermit, es. (das Oberamt) solle die ohnedem nicht mögliche Holzlieferung platterdings ab- lehnen.... Dahingegen die Beschlag Nehmung deren Schiffen bei dermaligen Umständen ignorieren. Am folgenden Tage(21. Oktober) wird sodann auf den Bericht von weiteren Forderungen der Franzosen hin einUnter Land und Marsch Commisare Leger damit beauftragt der Armee Custinessolange selbige in hiesigen Gegenden stehet zu folgen und...Alles dieses noch absonders mehr erwehnten Herrn Generalen begreiflich und geltend zu machen. Er sollte genug zu tun be- kommen. Bald waren die Einquartierungslasten zu groß und zu ungerecht verteilt oder das Benehmen etwelcher untergeordneten Truppenführer zu beanstanden, bald waren die Fourageforderungen unerfüllbar oder die Zahl der benötigten Fuhren nicht aufzutreiben und dergleichen mehr. Eine angenehme Aufgabe war es gewiß nicht, diese täglichen, großen und kleinen Beschwerden, die von allen Seiten einliefen, bei Custine zu Gehör zu bringen. Der Ton, in dem sie vorgetragen wurden, scheint zunächst noch energischer gewesen zu sein, als es der faktischen Machtlosigkeit der Regierung entsprach. Ziemlich ungnädig wird das Oberamt(27. Oktober) beschieden:

¹) Klein, a. a. O. S. 81. Er mußte sich bei General B. entschuldigen, da sein Vorgehen gegen dessen Intentionen war. Chuquet, a. a. O. S. 88.

) Klein, a a O. S. 188.

³) Remling, a. a. O. S. 82.

) Die Oppenheimer Einquartierung bestand zumeist aus Linientruppen, die an sich schon besser Ordnung hielten. Custine hatte aber überhaupt eine anerkennenswerte Mannszucht, die er umso strenger aufrecht erhalten durfte, als er andrerseits für seine Soldaten auf's Beste zu sorgen sich bemühte. Chuquet, a. a. O. S. 30 u. 40.