Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Stadt Oppenheim : 1. Teil
Entstehung
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der Regierung aber war immer größer geworden, seine Einkünfte und Rechte stark beschnitten ¹). Der höchste am Orte wohnhafte Vertreter der kurpfälzischen Regierung war der Landschreiber oder Unteramtmann, damals ein Hofgerichtsrat von Wuest. Aber auch für die Amtshandlungen des letzteren war jede Selbständigkeit des Vor- gehens, sogar bei den unvorhergesehensten Wechselfällen der schweren Kriegsjahre auf ein Minimum reduziert, sodaß ein ganzes Heer von vermittelnden Organen, ein außerordentlich schwerfälliger Apparat von oberamtlichen Berichten und kurfürst- lichen Resolutionen für alle möglichen Kleinigkeiten aufgeboten werden mußte.

Schon vor dem 20. April 1792, an welchem das girondistische Ministerium den Krieg an Osterreich erklärte, und um so eifriger natürlich nach dem Ausbruch desselben, hatten die Franzosen durch ihre Flugschriften zunächst moralische Er- oberungen in den deutschen linksrheinischen Landen zu machen unternommen. S0 wurde z. B. dasVertrauliche Sendschreiben an die benachbarten Völker, um sie zu einer heiligen und heilsamen Empörung aufzumuntern allein von Straßburg aus in 20 000 Exemplaren und sicherlich auch in das so nahe benachbarte kurpfälzische Gebiet verschickt²). Der Verbreitung solcher Schriften, welche den kritischen Regungen gegen sie Nahrung hätten geben können, suchte die kurpfälzische Regie- rung durch verschiedene Verbote einen Damm entgegenzusetzen. Schon am 8. Juli 1791 war die revolutionäre Straßburger Zeitung und Schubarts Chronik, am 26. September 1791 das BuchLetzter Ruf der freigewordenen Franken an die unterdrückten Deutschen verboten wordens). Am 12. Mai 1792 aber hielt man noch die folgende Verfügung für nötig:Gleichwie bei Kurfürstlicher Regierung die Anzeige geschehen, daß mehrere Verführerischer auf die Revolution in Frankreich Bezug habende Schriften aus Frankreich an Kaufleuten anderer Waaren beigepackt, auch unter bloßen Couverten mit ihrer adresse überfertiget worden, als hat das Oberamt Oppenheim die angehörige Untergebene auf ihre Bürgerpflichten bei schwerer Ahndung zu warnen, derlei Schriften statt sie anderen zum Lesen mit zu teilen oder deren Inhalt bekannt zu machen, nach dem Beispiele, welches hierunter mehrere treue Untertanen in solchem Falle zum Vergnügen Churfürstlicher Landes Regierung gegeben haben, An das Vorgesetzte Oberamt ein zuliefern von dem hiernächst die gleichbaldige Anhero Sendung erwärtiget wird.

Am 23. Juni trat Preußen dem Kampf gegen die Revolution bei. Der Herzog von Braunschweig rückte von Koblenz aus in Frankreich ein, wo es am 20. Oktober zu der bekannten zwecklosen Kanonade von Valmy kam. Außer Osterreich und Preußen beteiligte sich nur der Kurfürst von Mainz gleich anfangs an dem Kriege. Später ließ noch der Landgraf von Hessen-Kassel ein Korps zu ihrem Heere stoßen). Die kurpfälzische Regierung gedachte sich neutral zu verhalten, und die Art und Weise, wie sie ängstlich nach beiden Seiten hin jede Spur einer Förderung oder eines Anstoßes zu vermeiden suchte, macht oft genug den Eindruck würdeloser Lächerlich- keit. Den Gedanken an die Möglichkeit eines französischen Einfalls in kurpfälzisches Gebiet wies man zunächst noch laut von sich, umso lauter, je mehr man sich im stillen vor ihm entsetzte. Oberste Sorge war zunächst, daß das Publikum nicht aus seiner Ruhe aufgeschreckt werde. Als im Mai 1702 das Oberamt Oppenheim bei der Regierung anfragte, was mit dendortigen Depositen Gelder bey einem ent- stehen Könnenden Uberfall deren Franzosen geschehen solle, wird geantwortet: Da zur Zeit Keine Gefahr eines Uberfalls einstehet und deswegen auch aller unnöthiger Anlaß unzeitiger Beängstigung des Publici und Verlegenheit desselben zu Vermeiden, ist auch bis Dato die Entfernung solcher UÜberfällen zwar keine gegründete Ursache, eine Veränderung diesert halben vorzunehmen, weil jedoch die Vorenthaltung deren Depositen soviel nur immerhin möglich zu Vermeiden ist, soll sowohl in fällen, wo

¹) Frank, a. a. O. S. 166.

²) Geschichte der französischen Eroberungen, I. S. 7. ³) J. David, Oppenheimer Chronik, S. 81.

¹) Französische Eroberungen, I. 8. 8.