Aufsatz 
Productus horridus Sowerby und seine Lagerstätte. Eine paläontologisch-geologische Skizze
Entstehung
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Folgten nur Schichtenreihen auf einander, deren Einſchlüſſe nicht im Verwandt⸗ ſchaftsverhältniſſe ſtänden, ſo könnte man leicht zu der Annahme verleitet werden, jede Formation repräſentire eine Neuſchöpfung. Und wirklich war man früher der Meinung, daß jede Periode von der vorhergehenden ſcharf abgeſchnitten ſei und kein allmählicher Uebergang ſtattgefunden habe. Man glaubte nämlich, von Zeit zu Zeit ſei der geſetzvolle Gang der Natur gewaltſam unterbrochen worden; durch dieſe Re⸗ volution ſei alles bisher Beſtandene mit Einemmale vernichtet, die geſammte Thier⸗ und Pflanzenwelt während dieſer Sturmzeit untergegangen und in der ſich während deſſen bildenden Schicht begraben worden. Nun ſei auf dieſe ſtürmiſche, ordnungsloſe Zeit eine ſolche der Ruhe gefolgt, während welcher die Geſetze der Natur wieder in Kraft getreten und eine neue Thier⸗ und Pflanzenwelt ſich entwickelt habe. So hätten fort und fort Zerſtörung und Schöpfung abgewechſelt.

Hervorgerufen wurde dieſe irrige Meinung dadurch, daß die Unterſuchungen ſich anfangs auf einen ſehr engen Raum beſchränkten, wo die Ueberreſte in den ver⸗ ſchiedenen Bodenlagen in ſcharfem Kontraſte ſtanden und keine verwandtſchaftlichen Verhältniſſe zu erkennen waren und darum auf keinen allmählichen Uebergang einer Thier⸗ und Pflanzenwelt in die darauf folgende geſchloſſen werden konnte. Findet man nämlich an einem Orte die beiden Schichten a und c unmittelbar über einander liegend und in beiden ganz verſchiedene Ueberreſte, ſo könnte man zu jener Meinung gelangen. Zeigt ſich aber an einem andern Orte eine dritte Schicht b, welche ſowol Ueberreſte aus a, als auch aus c enthält, ſo iſt dieſer Uebergang auch erwieſen für die Thier⸗ und Pflanzenreihe des erſten Ortes.

Die Erkenntniß, daß ſolche allmähliche Uebergänge aus den paläozoiſchen(alten) in die meſozoiſchen(mittleren) Formationen und aus dieſen in die kanäzoiſchen(neuen) ſtattfinden, veranlaßt uns zur Anſicht: daß zu keiner Zeit das ganze Erdenrund von einer allgemeinen Umwälzung ergriffen, daß zu keiner Zeit die dasſelbe bewohnende geſammte belebte Welt vernichtet wurde. Vielmehr waren alle Umwälzungen nur örtlich beſchränkt, alle Geſteinsablagerungen bedurften großer Zeiträume zu ihrer Ent⸗ wicklung, und deßhalb änderten ſich, dem vom Schöpfer aller Dinge in die Materie gelegten Geſetze entſprechend, alle organiſchen Formen allmählich und in einer ge⸗ wiſſen Reihenfolge.¹)

Lange Zeit war man der Meinung, daß die Thier⸗ und Pflanzenwelt in den erſten Zeiten noch ſehr unvollkommen geweſen, daß ſie ſich aber von Periode zu Pe⸗ riode vervollkommnet habe.Im Jahre 1841 noch konnte Agaſſiz, einer der fleißig⸗ ſten Paläontologen unſerer Zeit, die Meinung ausſprechen, daß während des früheſten Zeitalters, während deſſen ſich die ſiluriſchen, devoniſchen, carboniſchen und permiſchen Schichten bildeten, Fiſche, und nur Fiſche, die Klaſſe der Wirbelthiere auf Erden

¹) Ludwig, Buch der Geologie II.