Aufsatz 
Productus horridus Sowerby und seine Lagerstätte. Eine paläontologisch-geologische Skizze
Entstehung
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vertreten haben; heute kennen wir durch die ſo ſorgfältigen Unterſuchungen Hermann von Meyer's u. a. ſchon mehrere größere und kleinere Amphibien aus den älte⸗ ſten, mittleren und jüngſten Abtheilungen dieſes Schichtenverbandes. Der Name, das Reich der Fiſche, welchen Agaſſiz dieſem Zeitalter beilegte, iſt ſomit heute nicht mehr anzuerkennen. Ebenſo nannte Agaſſiz die zweite Abtheilung, die Forma⸗ tionen Trias, Jura und Kreide: das Reich der Reptilien. Wir kennen aber daraus Vögel und Säugethiere und ſind deßhalb auch nicht in der Lage, die dritte Abtheilung, die Tertiärformation, als alleiniges Reich der Säugethiere anzuerkennen. Nur allein das iſt bis jetzt feſtſtehend: daß ſich in den verſchiedenen Geſteinen, welche zu verſchiedenen Zeiten entſtanden, eine große Verſchiedenartigkeit der eingeſchloſſenen Thier⸗ und Pflanzenformen wahrnehmen läßt; daß zu jeder Zeit ſowol Strahlthiere, Weichthiere und Gliederthiere, als auch Wirbel⸗ thiere vorhanden waren; daß ſich alle dieſe Thierformen mit der Zeit veränderten; daß zeitweilig eine oder die andere Thiergattung vorherrſchend entwickelt war, ſo daß ſie beſonders zahlreich in Arten und Varietäten auftrat.¹)

Denn daß man aus der größeren Anzahl der in älteren und auch in neueren Ablagerungen vorkommenden Gebilde niederer Organismen nicht auf eine fortſchrei⸗ tende Vervollkommnung ſchließen kann, läßt ſich aus der Wahrſcheinlichkeitsrechnung nachweiſen.

Wären die höheren Organismen alſo die Säugethiere gleichmäßig über Land und Waſſer vertheilt, ſo würde die Wahrſcheinlichkeit, daß die Ueberreſte der im Waſſer lebenden Thiere erhalten würden, dreimal größer ſein, als die der auf dem Feſtlande lebenden, da das Waſſer drei Viertel der Erdoberfläche bedeckt. Allein da Säugethiere faſt ausſchließlich nur auf feſtem Lande, im Waſſer dagegen vorwiegend niedere Organismen leben, und zwar dieſe oft in unbegrenzter Zahl, ſo wird die erſtere Wahrſcheinlichkeit bedeutend größer. Rechnet man hierzu noch die Schwierig⸗ keiten und Hinderniſſe, welche ſich der Erhaltung von Organismen auf feſtem Lande entgegenſtellen, ſo wird die Wahrſcheinlichkeit der Erhaltung niederer Gebilde außer⸗ ordentlich vermehrt.

Selbſt die Ueberreſte der Meerbewohner einer Periode finden ſich nicht immer vollſtändig in der damals gebildeten Schicht abgelagert. Gar oft enthält ſie nur die Vertreter einer Klaſſe von Meeresthieren, während die der übrigen, obgleich ſie mit jenen zu gleicher Zeit und an gleichem Orte gelebt haben, gar nicht oder, an einer ganz andern Stelle zur Ablagerung gekommen ſind. Unterſuchungen, die man in den gegenwärtigen Gewäſſern anſtellte, beſtätigten, daß die Arten der Meerbewohner ab⸗ hängig ſind von Meerestiefe, Meeresboden, von den Wärmegraden, von Meeresſtrö⸗ mungen und von der ſich darbietenden Nahrung. So wie heute muß es auch ehemals geweſen ſein. Die gefundenen Verſteinerungen vertreten theils ſolche Thier⸗ und⸗

¹) Ludwig, Buch der Geologie II.