Aufsatz 
Productus horridus Sowerby und seine Lagerstätte. Eine paläontologisch-geologische Skizze
Entstehung
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Meeresſtrömungen, die klimatiſchen Verhältniſſe, die Verbreitung von Thieren und Pflanzen.¹)

Unterſucht man die Bodenſchicht der Gewäſſer der Gegenwart, ſo wird man die Ueberreſte der jetzigen Thier⸗ und Pflanzenwelt darin finden, und zwar werden diejenigen vegetabiliſchen und animaliſchen Gattungen und Arten am meiſten vertreten ſein, welche unmittelbar in den Gewäſſern lebten und wuchſen, die dort ſtarben und auf den Grund niederſanken und in die ſich bildenden Schichten eingeſchloſſen wur⸗ den, weniger diejenigen, welche erſt durch Bäche zugeführt wurden, am wenigſten die⸗ jenigen, denen das feſte Land zum Wohnplatz diente, und die durch irgend einen Zu⸗ fall in das Waſſer gekommen ſind.

Verſetzen wir uns in eine Zeit, in welcher der ſich jetzt bildende Meeresboden, der die Ueberreſte der Flora und Fauna unſerer Zeit enthält, durch Bodenerhebung feſtes Land geworden iſt, ſo werden dieſe in den Schichten enthaltenen Fragmente dem zukünftigen Beobachter ein Bild der jetzt lebenden Thier⸗ und Pflanzenwelt bie⸗ ten. Entgeht nun dieſes neugebildete Feſtland ſeinem Schickſale nicht, ſinkt es unter den Meeresſpiegel, bildet ſich über demſelben wieder ein Meer und wird es wieder Meeresboden, ſo wird ſich auf demſelben eine zweite Schichtenreihe ablagern, welche die Ueberreſte dieſes zukünftigen Thier⸗ und Pflanzenreiches enthält. Erhebt ſich nun dieſe Schichtenreihe nebſt den darunter befindlichen aus dem Meere eine genaue Unterſuchung wird ergeben, daß ſie die Thier⸗ und Pflanzenreſte zweier verſchiedenen Perioden enthalten. Aus den Ueberreſten in beiden Schichten aber gelingt es dem aufmerkſamen Forſcher, ein Bild der Thier⸗ und Pflanzenwelt zweier, zeitlich oft weit von einander entfernten Perioden zu entfalten.

Liegt der Beginn der Bildung einer Schichtenreihe auf dem Meeresboden und ihre Erhebung über den Meeresſpiegel nicht zeitlich ſo weit von dem des abermaligen Einſinkens und der Bildung der zweiten Schichtenreihe entfernt, daß während der da⸗ zwiſchen verfloſſenen Zeit alle Thier⸗ und Pflanzenarten völlig verſchwinden und ganz neuen Platz machen, ſondern daß auch in der zweiten Periode noch Thier⸗ und Pflan⸗ zenreſte der erſten vorkommen, ſo wird man auch in der Schichtenreihe, welche ſich in dieſer Epoche bildete, noch einen Theil der Thier⸗ und Pflanzenüberreſte finden, die ſchon in der darunter liegenden, der erſten Periode angehörenden Schichtenreihe, abge⸗ lagert worden ſind; daneben findet man neue Arten, welche an die Stelle der er⸗ loſchenen getreten ſind. Die Thier⸗ und Pflanzenreiche beider Perioden ſtehen noch in einigem Zuſammenhang; das legt den Gedanken nahe, daß ein allmählicher Ueber⸗ gang ſtattgefunden habe. Je kürzer die Zeit zwiſchen zwei Perioden iſt, deſto mehr Thiere und Pflanzen der vorhergehenden werden ſich noch in der nachfolgenden finden; je größer jedoch dieſer Zeitraum iſt, deſto mehr wird dieſe Verwandtſchaft verſchwin⸗ den und endlich ganz aufhören.

¹) Ludwig, Buch der Geologie II.