Aufsatz 
Productus horridus Sowerby und seine Lagerstätte. Eine paläontologisch-geologische Skizze
Entstehung
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Feſte zu betrachten, ſchwankt, Abgründe öffnen ſich und verſchlingen, was in ihren Bereich kommt, Berge zerfallen in Trümmer, und das Meer bäumt ſich zu Flutwellen auf, welche die Küſte mit unwiderſtehlicher Gewalt abfegen. Grauſenerweckendes Dröhnen und Rollen in der Erde begleitet dieſe Zerſtörung, geöffnete Spalten ſpeien Waſſer, Schlamm und Rauch aus; der zagende Menſch findet keine Stätte, um der unterirdiſchen Gewalt zu entfliehen. Die geöffneten Spalten deuten nach der Tiefe hin und weiſen uns an, ihre Entſtehungsurſachen daſelbſt zu ſuchen. Allein bis jetzt vermögen die Geologen nicht, ſicheren Aufſchluß darüber zu geben. Die Einen ſuchen die Urſachen in dem Zuſammenſtürzen ausgedehnter unterirdiſcher Höhlungen, die Andern ſtellen ſie als Folgen von Exploſionen ſehr hoch geſpannter Waſſerdämpfe dar. An der Geſteinsbildung betheiligen ſich die Erdbeben nur in geringem Grade, nur in ſeltenen Fällen bilden ſie Schlamm⸗ und Schuttlager.

Die im Vorhergehenden berührten Erſcheinungen, ſowol die neptuniſchen, als auch die vulkaniſchen, laſſen uns die Ueberzeugung gewinnen, daß die Erdoberfläche einer ſteten, wenn auch langſamen Umänderung unterworfen iſt. Wir erkennen darin eine beſtändige Wechſelbeziehung zwiſchen den Tiefen des Erdballs und ſeiner Ober⸗ fläche, eine immerwährende Thätigkeit der nie raſtenden Materie. Wo iſt Tod? Nir⸗ gends! Ueberall iſt unerſchöpfliche Lebenskraft. In der Natur ſind Ruhe und Tod nur ſcheinbar, allenthalben wirkt Gott, der das Weltall fort und fort geſtaltet, belebt und leitet.

Wo Feſtland und Inſeln aus dem Ocean hervorragten, ward den Wolken zu jeder Zeit Regen entlockt; Quellen, Bäche, Seen und Ströme entſtanden; es ent⸗ wickelten ſich unter deren Einfluß Landpflanzen und Thiere, welche die Ablagerungen des ſüßen Waſſers zu jeder Zeit als ſolche bezeichneten. Das Meer tobte, Geröll und Schutt abbrechend an den Küſten; es ernährte riffbauende Korallen; es vermit⸗ telte Strand⸗, Lagunen⸗ und Hochſeegebilde, welche ſich von jeher durch die in ihnen begrabenen Faunen unterſcheiden. Deßhalb finden wir in allen Gebirgsformationen Süßwaſſer⸗, Dünen⸗ und Meeresbildungen in innigſter Verknüpfung, und da auch allezeit das Waſſer mit der Erdwärme und dem Chemismus im Bunde die Erſchei⸗ nung der Vulkane hervorrief, ſo begegnen wir in jeder Formation Laven und andern Erzeugniſſen der Vulkanicität. Die vulkaniſchen und ſedimentären Geſteine verlieren unter der fortgeſetzten Einwirkung des Waſſers und der Wärme ihr anfängliches Ausſehen; ſie verwandeln ſich allmählich in kryſtalliniſche Maſſen⸗ und Schieferge⸗ ſteine. Aber durch dieſe Bewegung des Innern nach dem Umfange, durch dieſes Streben der Oberfläche nach dem Kerne mußten vielfältige Hebungen und Senkungen, Schwankungen des Bodens hervorgerufen werden. Das große, die Erdfläche deckende Meer bewegte ſich dabei, wiewol langſam von einem Orte zum andern, und da⸗ durch ward Land entblößt, wo ehemals tiefe Waſſer ſtanden, und verſank wieder Feſtland im Meere. Die Formen der Kontinente änderten ſich und hiermit die