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ſeines natürlichen Rauminhaltes ausdehnend, alles vor ſich hertreibend und zertrüm⸗ mernd, nach der Oberfläche. Die Erdrinde erzittert und erbebt; ſie ſpaltet ſich und reißt auf, wie der explodirende Dampf den Dampfkeſſel ſprengt. Die Waſſerdämpfe ſchleudern Geſteinſtaub und Felsſtücke als Aſche vor ſich her und bahnen der Lava den Weg. Dieſe dringt nach, indem ſich ſtets neue Waſſerdämpfe aus ihr loslöſen; ſie bleibt unter niederem Drucke der Oberfläche näher im feurigen Fluſſe; die ent⸗ weichenden Dämpfe zertrümmern und zerſplittern auch dieſe in ihre Beſtandtheile und zerſtieben ſie als aus Kryſtallen beſtehende vulkaniſche Aſche. Wenn im Krater die Lavaſäule hoch geſpannt die Seiten des vulkaniſchen Kegelberges oder die in ſeiner Umgebung liegenden Spalten heftig preßt, ſo öffnen ſich dieſe und es entquillt am Fuße des Vulkanes ein Lavaſtrom. Sobald ſich die Lava entleert hat, und den tie⸗ fern Maſſen dadurch eine Erleichterung verſchafft wird, entweicht aus dem Krater mit heftigem, donnerndem Getöſe nur Waſſer und Staub; der Ausbruch iſt beendigt und wiederholt ſich, wenn abermals unter der Einwirkung von Wärme und Waſſer eine hinreichend große Lavamaſſe in den Tiefen erzeugt iſt.“¹)
Ueber die Thätigkeit des Veſuv ſpricht ein Augenzeuge der letzten großen Erup⸗ tion im April 1872 ſeine Anſichten folgendermaßen aus:„Wer wiederholt und lange am Rande eines arbeitenden Kraters verweilte, das Wallen der Lava, das rythmiſche Aufſteigen der Waſſerdampfblaſen, das Spiel der auffliegenden Projektile betrachtet hat, dem wird, wenn vorurtheilsfrei, ſich die Ueberzeugung aufdrängen, daß die Ur⸗ ſache dieſer Erſcheinungen nicht in einer ſo außerordentlichen Tiefe und Entfernung liegen könne, daß eine Verbindung der Lava mit dem als feurigflüſſig erachteten Erdinnern anzunehmen ſei. Wir ſind demnach nicht der Anſicht Plato's und von Humboldts:„daß die vulkaniſchen Schlacken und Lavaſtröme Theile des„Pyriphlege⸗ ton“ ſelbſt, Theile jener unterirdiſchen geſchmolzenen, ſtets wogenden Maſſe ſind.“ Wol aber ſtimmen wir dem Ausſpruche des großen Naturforſchers(wenngleich in et⸗ was anderem Sinne) bei:„die Vulkane ſind nur eine Art intermittirender Quellen.“ In der That beſteht ein allmählicher Uebergang aller Erſcheinungen von der gewöhn⸗ lichen Quelle, dem wohlthätigen Geſchenk der Berge, und dem Vulkan mit ſeinen grauenvollen Ausbrüchen und ſeiner hohen Feuerſäule. Jener Uebergang wird ver⸗ mittelt durch die warmen Quellen, durch die Kochbrunnen, die intermittirenden heißen Springbrunnen oder Geiſer, die Salſen in ihrer normalen und in ihrer ungewöhn⸗ lichen Thätigkeit mit Feuererſcheinungen. Dinge, welche durch allmähliche Uebergänge mit einander verbunden ſind, können nicht gänzlich verſchieden in ihrem letzten Grund und Weſen ſein. Der Veſuv iſt eine Dampfquelle. Bald ſtärker, bald ſchwächer ent⸗ ſteigt der Waſſerdampf dem Berggipfel und bildet Wolken, gleich andern Wolken. Flöſſe das Waſſer, ſtatt als Dampf in die Atmoſphäre zu entweichen, in condenſirter Form am Berggehänge herab, ſo würde es wol einen ſtarken Bach— in Zeiten der
¹) Ludwig, Buch der Geologie I.


