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Am großartigſten erſcheinen die Aeußerungen der Erdwärme in den Vulkanen, den Punkten der Erde, wo die innere höhere Erdwärme örtlich der Oberfläche nahe gerückt iſt und wo bleibende oder wenigſtens häufig ſich öffnende Verbindungswege zwiſchen dem Erdinnern und der Oberfläche gebildet worden ſind. Eine weitere Be⸗ dingung für die Thätigkeit der Vulkane iſt die Nähe des Meeres.„Von den 225 Schlünden, durch welche in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts das geſchmolzene Innere der Erde mit dem Luftkreiſe in vulkaniſchem Verkehr ſteht, liegen 70, alſo ein Drittel, auf den Continenten, und 155, oder zwei Drittel, auf der Inſelwelt. Von den 70 Continental⸗Vulkanen gehören 53 oder ¾l zu Amerika, 15 zu Aſien, 1 zu Europa und 1 oder 2 zu der uns bisher bekannt gewordenen Feſte von Afrika.“¹¹)⸗ Auch die Continental⸗Vulkane liegen dem Meere nahe, keiner über 50 Meilen ent⸗ fernt. Nur die beiden inneraſiatiſchen Vulkane Peſchan und Hotſcheu in der Ge⸗ birgskette des Thian⸗ſchan liegen vom nördlichen Eismeere wie vom indiſchen Ocean 370— 380 Meilen entfernt; doch befinden ſich in einer Entfernung von 42 und 50 Meilen große Binnenſeen. Die ausgebrannten, jetzt tief im Lande liegenden Vulkane Heſſen's, Naſſau's, der Eifel u. ſ. w. ſtanden, als ſie glühten, in der Nähe der damals tief in jene Länder eindringenden Meeresbuſen, und es ſcheint, daß ſie erloſchen ſeien, nachdem durch Bodenerhebung das Meer aus ihrer Nähe verdrängt wurde. Die außerordentlichen Waſſerausdünſtungen bei allen vulkaniſchen Ausbrüchen laſſen auf die wichtige Thätigkeit des Waſſers bei den Eruptionen ſchließen.
So ſorgfältig auch die äußeren Erſcheinungen während der vulkaniſchen Aus⸗ brüche unterſucht worden ſind, auf ihr inneres Weſen hat man daraus noch keine ſicheren Schlüſſe ziehen können; denn dunkel und unnahbar iſt der Erde Schoß; in das Reich des Hypothetiſchen muß ſich jede Erklärung verlieren, welche die vulkaniſchen. Phänomene deuten will. Die über die Erdwärme angeſtellten Beobachtungen geben die Gewißheit, daß die Wärme gegen den Mittelpunkt zunimmt, daß demnach im Innern eine Wärmequelle muß vorhanden ſein.„Gewiß iſt, die Laven beweiſen dies, daß dieſe Erdwärme in größeren Tiefen eine Höhe erreicht, bei welcher wir an der Oberfläche die aus Augit und Labradorit beſtehenden Geſteine im feurigen Fluſſe ſe⸗ hen. In ſolchen Tiefen laſtet aber ein ungeheurer Druck auf dieſen Maſſen, und es iſt, nach dem Ergebniſſe wiſſenſchaftlicher Verſuche zu urtheilen, unter dieſen Umſtän⸗ den unmöglich, daß die Geſteine flüſſig werden; ſie ſind hoch erhitzt, aber feſt. Wenn durch Spalten oder Riſſe Waſſer zu dieſen hoch erhitzten Maſſen gelangt, ſo wird es ebenfalls nicht ſieden oder verdampfen, weil der hohe Druck ihm dies verwehrt, es wird glühend werden und ſich mit jenen glühenden Geſteinen zu einem Teige ver⸗ binden, welcher nun ſeinerſeits aufquellend in den Erdſpalten aufwärts ſtrebt. So⸗ bald dieſes Gemiſch der Oberfläche der Erde näher gekommen iſt, ändern ſich die Druckverhältniſſe, das Waſſer ſiedet nun und entweicht, ſich plötzlich um das Tauſendfache
¹) A. von Humboldt.


