Aufsatz 
Productus horridus Sowerby und seine Lagerstätte. Eine paläontologisch-geologische Skizze
Entstehung
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findet. Bis zu dieſen Tiefen kann der Einfluß der Sonnenſtrahlen nicht mehr rei⸗ chen. Von dieſem Punkte in radialer Richtung nach dem Centrum hin nimmt die Wärmemenge wieder zu, und zwar, wie vielfache Beobachtungen nachgewieſen haben, mit je 100 Fuß durchſchnittlich um 1 Grad Celſius. Jedoch iſt die Zunahme der Erdwärme durchaus ungleichmäßig und je nach dem Orte und dem Geſteine ſehr verſchieden. So beträgt die bei Bohrung der Friedrich Wilhelms⸗Quelle in Bad Nau⸗ heim gefundene Wärmezunahme auf je 22 Pariſer Fuß ſchon 1 Grad Celſ., während in Homburg vor der Höhe die Wärmemenge erſt bei je 118 Fuß um 1 Grad ſteigt. Dieſer große Unterſchied in der Wärmezunahme zweier ſo nahe liegender Orte bei gleicher Entfernung von der Oberfläche in Nauheim bei je 110 Fuß 5 Grad, in Homburg bei je 118 Fuß nur 1 Grad läßt an der Richtigkeit der Hypotheſe eines Centralfeuers im Erdinnern einigermaßen zweifeln.Die chemiſche Thätigkeit in den Erdſchichten, wie z. B. die allmähliche Verbindung des Kohlen⸗ und Waſſerſtoffs in den Braun⸗ und Steinkohlenflötzen oder der kohlig bituminöſen Farbenbe⸗ ſtandtheile der Thone, Kalke, Thonſchiefer, des Schwefelkieſes, welcher in gro⸗ ßer Menge fein vertheilt allen Sedimenten eingemengt iſt, mit Sauerſtoff bewirkt eine nicht unbeträchtliche Wärmezunahme, und dieſe chemiſchen Vorgänge ſind die Quellen eines großen Theiles der Erdwärme. Die Wärme einer tieferen Erdſchicht wird deßhalb weſentlich von der Menge chemiſcher Vorgänge(von der Regſamkeit des Stoffwechſels) in ihr abhängen. Die chemiſche Thätigkeit kann eine ſolche Steigerung erfahren, daß die Schicht in Glut kömmt und, wenn ſie brennbare Gegenſtände ent⸗ hält, ſelbſt flammt und das über ihr liegende Geſtein zum Erglühen und Schmelzen bringt. Solche Erdbrände werden veranlaßt durch die Oxydation des Schwefel⸗ kieſes und entſtehen ſowol in Bergwerken, als auch im Freien, wo Braun⸗ und Stein⸗ kohlenſtaub mit Feuchtigkeit in Berührung kommt. Solche Erdbrände finden heute noch ſtatt: bei Zwickau, bei Duttweiler, am Meisner in Heſſen und vielen andern Orten. ¹¹)

Nicht minder beachtenswerth iſt die Erſcheinung, daß nach dem Erdinnern hin die Tiefenabſtände, bei welchen ſich die Wärme um einen Grad erhöht, ſtets größer und größer werden. Zu La Grenelle bei Paris nimmt innerhalb der erſten 680 Fuß die Wärme auf je 81 Fuß um einen Grad zu; von da bis zur Tiefe von 1600 Fuß erſt auf je 123 Fuß einen Grad. Da die Wärme im Quadrat der Entfernung ab⸗ nimmt, ſo müßten die Tiefenabſtände, bei welchen die Wärmemenge eine gleiche Zu⸗ nahme zeigt, ſich verringern, anſtatt ſich zu vergrößern, indem man ſich dem Sitze des Centralfeuers nähert.Die Zunahme der Wärme gegen das Erdinnere hin ſpricht für das Vorhandenſein einer eigenthümlichen Wärmequelle, von deren Beſchaf⸗ fenheit die Geologie jedoch noch keine klare Vorſtellung hat.¹²)

¹) Ludwig, Buch der Geologie I. ) A. a. O.