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Perioden vor ſich gehen: die Umwandlung amorpher Maſſen, ſowohl der Eruptiv⸗ als auch der Sedimentablagerungen, in kryſtalliniſche Geſteine. Auf die durch den Uebergang aus amorphem in kryſtalliniſchen Zuſtand hervorgerufene Volumver⸗ mehrung ſtützt ſich die Anſicht, daß dadurch die Bodenerhebungen veranlaßt worden ſeien. In der That ſcheinen die älteſten kryſtalliniſchen Geſteine, namentlich Grün⸗ ſchiefer, Gneiß, Granit und Syenit, welche als die erſte Unterlage für das Meer und die Sedimente angeſehen werden, aus amorphen Maſſen durch eine ähnliche Umwand⸗ lung(Metamorphoſe) in ihren jetzigen kryſtalliniſchen Zuſtand übergeführt zu ſein und durch Aufquellen die Hebung der Continente und deren Gebirge bewirkt zu haben.
Die anfänglich horizontal abgelagerten Schichten erleiden durch dieſe Hebungen mancherlei Verſchiebungen und Verwerfungen. Nicht allein werden ſie in mehr oder minder großen Neigungswinkeln emporgehoben, ſondern zuweilen ſenkrecht geſtellt oder gar umgewendet. Auch zerbrechen bei dieſen Vorgängen nicht ſelten die Schich⸗ ten da, wo die Hebung am ſtärkſten iſt, es entſtehen Spalten von größerer oder ge⸗ ringerer Ausdehnung. Alle dieſe Schichten entſtanden durch die Strömungen der Atmoſphäre oder durch das Waſſer, ſie tragen den Namen Sedimente.„Sedi⸗ mentſchichten ſind niedergeſchlagen oder abgeſetzt aus tropfbaren Flüſſigkeiten, je nach⸗ dem die Stoffe vor der Bildung, ſei es des Kalkſteins, ſei es des Thonſchiefers, ent⸗ weder als chemiſch aufgelöſt oder als ſchwebend und beigemengt gedacht werden.“¹)
Da die Sedimente faſt ausſchließlich im Waſſer, dem Gebiete Neptun's, ent⸗ ſtehen, ſo hat die Wiſſenſchaft der Lehre von dieſer Bildung den Namen Neptunis⸗ mus beigelegt.
Während die Sedimente, bei ihrer Entſtehung dem Geſetze der Schwere unter⸗ worfen, dem Mittelpunkte der Erde zuſtreben, verfolgen die Eruptivgeſteine die entge⸗ gengeſetzte Richtung. Aus dunklen Tiefen durch die geöffnete Oberfläche ſteigen feurig⸗ flüſſige Maſſen— Laven— empor. Die gewaltige Naturkraft Wärme, im Innern der Erde wohnend und wirkend, hat die Feſſeln dieſer der Schwerkraft unterworfenen Materie gewaltſam zerbrochen und ſie an das Licht der Sonne emporgehoben. Die Wärmequellen für unſere Erde ſind doppelter Art. Die belebenden Strahlen der Sonne treffen die Oberfläche und erzeugen eine gewiſſe Quantität Wärme, jedoch verſchieden nach den Jahreszeiten, verſchieden nach den Breitegraden. In geringer Tiefe iſt die Differenz zwiſchen Sommer⸗ und Winterwärme nicht ſo bedeutend, wie an der Oberfläche, der Wärmeunterſchied verringert ſich mit zunehmender Tiefe und iſt 60— 80 Fuß unter der Oberfläche gleich Null, d. h. der Wärmegrad iſt conſtant und zeigt keine Schwankungen während der Jahreszeiten. In dieſen Tiefen herrſcht die mittlere Temperatur des Ortes, nämlich derjenige Wärmegrad, welchen man als das arithmetiſche Mittel aus den Wärme⸗ und Kältegraden aller Tage des Jahres
¹) A. von Humboldt.


