— 10— Simeto und Onobala nachgewieſen. Auch der ganze Continent von Auſtralien ſoll ſich langſam emporheben und dieſe Bewegung ſchon längere Zeit verfolgen.“¹)
Einen unwiderlegbaren Beweis von Niveauveränderungen bieten die Säulen⸗ trümmer des Serapistempels von Pozzuoli am Meerbuſen von Neapel, welche im Jahr 1749 ausgegraben wurden. Die drei, etwa 40 Fuß hohen, noch jetzt auf ihren Poſtamenten ſtehenden Marmorſäulen haben in einer Höhe von 15 Fuß über dem heutigen Meeresſpiegel einen 3 Fuß breiten Gürtel von Löchern, durch Bohrmuſcheln bewirkt, deren Schalen zum Theil noch 6 Zoll tief in den Löchern ſtecken. Das Meer muß daher früher wenigſtens 18 Fuß höher als jetzt in den Ruinen geſtanden haben. Die Küſte von Pozzuoli muß ſich demnach nach Erbauung des Tempels eine Zeit lang unter den Meeresſpiegel geſenkt haben, bis alsdann eine Hebung eintrat.
„Die Urſachen dieſer auf den verſchiedenſten Theilen der Erdoberfläche mehr oder wenig kräftig ſtattfindenden Niveauveränderungen ſind äußerſt ſchwierig zu er⸗ mitteln, und daher auch die Anſichten der Geologen darüber ſehr getheilt. Während die Einen in denſelben die Wirkung der im Erdinnern befindlichen geſpannten und nach Zerſprengung ihrer Feſſeln begierigen Waſſerdämpfe erblicken, erkennen Andere in den Hebungen die Folge einer bis in bedeutende Tiefe unter Einfluß des Waſſers ſtattfindenden Verwitterung kryſtalliniſcher Geſteine, bei welchem Prozeß eine anſehn⸗ liche Volumvermehrung der verſchiedenen Mineralien und ſomit ein langſames Auf⸗ quellen derjenigen Landſtriche erfolgen muß, welche entweder aus ſolchen Gebirgsarten zuſammengeſetzt ſind oder eine in der Zerſetzung begriffene kryſtalliniſche Unterlage beſitzen.“²) Glaubhafter iſt, daß durch Stoffzunahme in der Tiefe die ſäcularen He⸗ bungen veranlaßt werden, welche verhältnißmäßig junge Meeresabſätze mit Auſtern⸗ bänken 3500 Meter hoch im Kaukaſus und andern Hochgebirgen in die Höhe geho⸗ ben haben. Wenn die ſtarre Erdkruſte gehoben, d. h. vom Centrum der Erdkugel entfernt wird, muß ihre Flächenausdehnung im Quadrat der Entfernungen wachſen, ſie muß alſo zerreißen, durch die Riſſe mußten die Dämpfe und Gaſe entweichen, ſie konnten alſo unmöglich hebend wirken. Neuere Unterſuchungen beweiſen, daß die Volumvermehrung auch noch eine andere Urſache haben mag. Daubrée's Erperimente in Straßburg haben gezeigt, daß in dicht verſchloſſenen, mit Waſſer erfüllten ſchmie⸗ deeiſernen Röhren, wenn ſie längere Zeit einer Wärme von 400 Grad Celſius aus⸗ geſetzt werden, durchſichtige Glasröhrchen, ohne daß ſie erweichten, ohne daß ſie ihre Form änderten, sin eine undurchſichtige, aus unzählichen Kryſtallen zuſammengeſetzte, dem kryſtalliniſchen Porphyr ähnliche Maſſe übergingen. Dabei fand eine beträcht⸗ liche Ausdehnung und Volumvermehrung ſtatt. Auf dieſelbe Weiſe erhielt Daubrée aus der amorphen Obſidianlava den kryſtalliniſchen Trachyt. Was hier auf künſtlichem Wege in kurzer Zeit gelingt, mag im Innern der Erde in langen
¹) Die geſammten Naturwiſſenſchaften. ²) Zittel, Naturkräfte VIII..


