Aufsatz 
Productus horridus Sowerby und seine Lagerstätte. Eine paläontologisch-geologische Skizze
Entstehung
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bis endlich faſt nur ein Felſen und wenig niedriges mit Dünen bedecktes Land, un⸗ gefähr der vierte Theil der Größe, welche die Juſel vor dem 14. Jahrhundert beſaß, davon übrig geblieben iſt. Seit 1770 hat ſich auch zwiſchen dieſem und dem hohen, felſigen Theil der Inſel ein Strom durchgearbeitet, der mit großen Schiffen befahren werden kann, ſo daß aus einer zwei Inſeln geworden ſind.)

Das Werk der Zerſtörung, das uns hier ſichtbarlich entgegentritt, nimmt über⸗ all, wenn auch nur wenig oder nicht bemerkbar, raſtlos ſeinen Fortgang. Ueberall führt das Waſſer Bruchſtücke verſchiedener Größe, Detritus genannt, mit ſich. Größere Felsmaſſen werden gewöhnlich nur kurze Entfernungen auf dem Grunde fortgerollt, Gerölle und gröberer Sand dagegen oft weite Strecken fortgeſchoben und ſchneiden durch die Reibung das Flußbett tiefer ein. Eine noch bedeutendere Menge von feinem Sand und Schlamm befindet ſich ſchwebend im Waſſer, in größerer Menge nach heftigem Regen die Trübung der Gewäſſer verurſachend. Sobald das Gefälle des Fluſſes und damit die bewegende Kraft des Waſſers abnimmt gewöhnlich im Unterlauf und an der Mündung bleibt der ſchwerere Detritus auf dem Grund des Flußbettes liegen und ruft nicht ſelten die Schifffahrt hemmende Verſandungen hervor, oder bildet an der Mündung den Ausfluß theilende Delta. So verbindet das Waſ⸗ ſer mit einer zerſtörenden auch eine aufbauende Thätigkeit. Die Ablagerung des dem Meere zugeführten Detritus erfolgt in derſelben Weiſe nach dem Geſetz der Schwere. Concentriſche Kreisausſchnitte bildend, von den ſchwereren zu den leichteren fortſchreitend, ſinken die Schlammmaſſen zu Boden. Nur da, wo kräftige Meeresſtrömungen die Flußmündung berühren am Ausfluß des Maranon und Orinoko finden keine Ablagerungen ſtatt, der feine Schlamm wird meilenweit in das Meer entführt und findet nicht ſelten in den Tiefen der Hochſee ſein Ruhebett. Das gefrorene Waſſer als Gletſcher zerreibt bei ſeinem Niedergange zu Thal die Felsmaſſen und bereitet die von den Bergwaſſern in die Seen und Meere geſpülten Schlämme. Der Gletſcher trägt auf ſeinem Rücken die von ſeinen Ufern auf ihn gefallenen Felsmaſſen, und die in das Meer hineinragenden, als Eisberge ſüdlich getriebenen Gletſcher Grönlands haben an dem Kreuzungspunkte der arktiſchen Strömung mit dem Golfſtrome auf dem Meeresboden ein mehrere 4000 Meter hohes Gebirg veranlaßt. Hier ſchmilzt das Gletſchereis und läßt, wie die für das atlantiſche Kabel ausgeführten Peilungen er⸗ gaben, die von ihm aus dem hohen Norden her transportirten Geſteins⸗ und Schlamm⸗ maſſen fallen. Auch die Meeresküſte liefert Material zu neuen Ablagerungen. Fort⸗ während zernagt die Brandung mit ſcharfem Zahn die härteſten Felſen, Welle um Welle trägt das aufgelöſte Mineral andern Gegenden zu. Doch das Waſſer behält ſeinen Raub nicht; das mächtige Geſetz der Schwere, das alle Körper nach dem Mit⸗ telpunkt der Erde hinzieht, entreißt ihm das fremde Gut und läßt es, allmählich

¹) v. Hoff, Geſchichte der durch Ueberlieferung nachgewieſenen natürlichen Veränderung der Erdoberfläche. 26