Aufsatz 
Productus horridus Sowerby und seine Lagerstätte. Eine paläontologisch-geologische Skizze
Entstehung
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welche im Dienſte dieſer Wiſſenſchaft weder Mühe noch Gefahr ſcheuten, ſtehen da als eine feſte Phalanx zur Erforſchung der Wahrheit; auf ſie Alle ſehen wir mit Theilnahme, und ein Schmerz durchzuckt uns, wenn einer von ihnen den ſchweren Pflichten ſeines Berufes unterliegt. Wir trauern um ihn mit Recht, denn die Menſch⸗ heit verlor einen ihrer Freunde.¹¹)

Der Großmeiſter unter dieſen Dahingeſchiedenen, Alexander von Humboldt, charakteriſirt den hohen Werth, welchen die Geologie für die Kenntniß der Entwicklung unſeres Erdkörpers hat, mit den Worten:Die verſteinerungshaltigen Schichten bieten uns in ihren Grabſtätten erhalten die Floren und Faunen der verfloſſenen Jahr⸗ tauſende. Wir ſteigen aufwärts in der Zeit, indem wir die räumlichen Lagerungs⸗ verhältniſſe ergründend, von Schicht zu Schichte dringen. Ein hingeſchwundenes Thier⸗ und Pflanzenleben tritt vor unſere Augen. Weit verbreitete Erdrevolutionen, die Erhebung großer Bergketten, deren relatives Alter wir zu beſtimmen vermögen, bezeichnen den Untergang alter Organismen, das Auftreten neuer. Bald ſind dieſe untergegangenen organiſchen Gebilde ganz erhalten, vollſtändig bis in die kleinſten Gewebe, Hüllen und gegliederten Theile; bald hat das laufende Thier, auf feuchtem Thonletten fortſchreitend, nur ſeine Fährte, in den Coprolithen die Reſte unverdauter Nahrung hinterlaſſen. In andern Schichten iſt oft nur der ſchwache Abdruck einer Muſchel übrig geblieben, und doch kann dieſe, von Reiſenden aus einem fremden Lande mitgebracht, wenn ſie eine Leitmuſchel iſt, lehren, welche Gebirgsformation ſich dort vorfindet, mit welchen andern organiſchen Reſten ſie vergeſellſchaftet war ſie erzählt die Geſchichte des Landes.

Zwei Urſachen ſind es vornehmlich, welche die Umgeſtaltung der Erdoberfläche und damit das Erſcheinen und Verſchwinden der von ihr abhängigen animaliſchen und vegetabiliſchen Organismen bedingen; die eine der umgeſtaltenden Kräfte bewohnt die Atmoſphäre und hat in dem Waſſer den kräftigſten Bundesgenoſſen, die andere waltet geheimnißvoll im Innern der Erde und nur die Reſultate ihrer Wirkſamkeit werden dem menſchlichen Auge als Vulkane, Erdbeben, Hebungen und Senkungen des Erdbodens ſichtbar. Dem Einfluſſe der Atmoſphärilien verdanken wirdie Grabſtätten früherer Thier⸗ und Pflanzenwelten, nämlich die Verſteinerungen enthaltenden Schichten, deren Bildung uns einen Augenblick beſchäf⸗ tigen möge.

Die Erdrinde beſteht aus vielfachen Schichten übereinander liegender Erdarten. Dieſe Erdſchichten ſind entweder locker, von Waſſer durchzogen und befinden ſich in plaſtiſchem Zuſtande, oder ſie ſind locker, aber trocken auf einander gehäuft, oder ſie kommen als feſte Maſſen vor. Dieſes Geſetz der Vertheilung hat ſich überall beſtä⸗ tigt gefunden, ſo tief auch der Menſch in die Erde hinabgeſtiegen iſt. Die tiefer

liegenden Schichten ſind faſt immer von dichterer, feſterer Beſchaffenheit, als die höher

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¹) Ludwig, Buch der Geologie II.