12 „Doch wenn er ſtets nach Böſem trachtet,“ „Auf tollen Pfaden weiter rennt,“ „Wenn er Dein Opfer ſchnöd' verkennt,“ „Und Deine Zärtlichkeit verachtet,“ „Wird Deine Seele ihm verfallen“ „In Deines eigenen Grabes Hallen.“
Und dieſen Worten fügt ſie die erneute Mahnung zu ſofortiger Buße hinzu, da mit der kommenden Nacht die letzte ihm von Gott eingeräumte Friſt ablaufe. In dem folgenden Monologe läßt Don Juan ſeinen mächtig in ihm auf und ab wogenden Gedanken freien Lauf: War es Sinnentäuſchung, war es eine Stimme vom Himmel? Er weiß es nicht. Doch neues Entſetzen ergreift ihn, als die Statuen alle ſich bewegen, das Haupt nach ihm zuwendend.(Ein äußerſt unglücklicher Griff des Dichters!) Indeſſen entreißt ihn die Ankunft ſeiner Spießgeſellen ſeinen wirren Träumen; bei ihrem kecken Spotte erwacht ſein alter Trotz und er ſchüttelt die quälende Erinnerung mit den Worten ab:
„Immer bin ich noch Don Juan,“
„Und nichts gibt es, was mich ſchreckte,“
„Wie ein fieberiſcher Qualm“
„Hat es plötzlich mich befangen;“
„Aber ſchon iſt es vorüber.“
„Jeder ſchwanket wohl einmal.“
Sie verabreden hierauf ein luſtig Abendeſſen, zu dem ſogar Don Juan in ſeiner alten tollen Laune die Statue Don Gonzalos einlädt.
— Während ſie beim Mahle ſitzen, ertönt heftiges Klopfen an der Thür. Don Juan glaubt, ſeine Freunde erlaubten ſich einen ſchlechten Scherz— ein Verdacht, den jene energiſch zurückweiſen. Mit Recht, denn plötzlich erſcheint der Geladene und erklärt Don Juan in wohlgeſetzter Rede, ſeine Tage ſeien gezählt, morgen werde er erfahren, daß auf den Tod die Ewigkeit und, wenn er nicht ſofort in ſich gehe, auf ſeine Sünde die ewige Strafe folge. Schließlich lädt er ihn zur Erwiderung ſeines Beſuches ein. Zur Verſtärkung des Eindrucks dieſer Mahnung wird dieſelbe darauf von Donna Ines’ Schatten wiederholt: Für die Hörer ſchwächt ſich, wie wir ſpäter ſehen werden, durch dieſe Wiederholung die Eindringlichkeit der Mahnung nur ab. Nach dem Verſchwinden des Schattens verfällt Don Juan in neue Zweifel, aus denen er ſich endlich durch die flehentliche Bitte, Donna Ines möge ihm doch ein Zeichen geben, ob es ſich bei allen dieſen Vorgängen um Wahrheit oder Trug handele, losreißt. Auf alle Fälle aber will er ſich vergewiſſern, ob ſeine Freunde ihm nicht dennoch einen Streich geſpielt haben. Darüber kommt es natürlich zum Streit, in welchem ſchließlich die beiden Freunde von Don Juan getötet werden.
— Das eine Verlangen, das ihn verzehrt, das Verlangen nach Gewißheit treibt ihn, Don Gonzalos Einladung anzunehmen. Welch ein Anblick harrt ſeiner! Die Geiſter ſeiner letzten Opfer, noch andere Geiſter, Schatten und Geſpenſter füllen den Hintergrund, während im Vordergrund eine mit Schlangen und Knochen beſetzte Tafel ſeiner harrt. Da bricht Don Juan in ſich zuſammen. Ja, als die Statue ihn erbarmend zur Benutzung des letzten Augenblicks ermahnt, weiſt er den Gedanken, daß ein einziger Augenblick die Schuld eines ganzen Lebens ſühnen könne, verzweifelnd zurück. Da ertöͤnt die Totenglocke, ein Sarg wird getragen, ſein eigener Sarg, denn geſtern— wie die Statue ihm mitteilt— ſei er von ſeinem Freunde im Streit erſchlagen worden.— Ein dem Leben Don Miguel de Manara's entnommenes Motiv.— Don Juan beklagt aufs Neue ſein vergangenes Leben, ohne doch zu wagen, an Vergebung zu glauben. Aber die Statue ruft ihm tröſtend zu:
„— Unrecht that ich Dir,“
„Hab' Dich nicht gerecht behandelt,“
„Drum hat mich Gott gewandelt,“
„Hat mein Herz Dir zugewandt;“
„Als Dein Freund kehr' ich nach oben.“ Als aber nun Don Juan hilfeflehend ihm die Hand entgegenſtreckt, donnert ihm die Statue, infolge eines ebenſo unerwarteten als unbegreiflichen Wechſels der Geſinnung, die Worte entgegen:
„Weh Dir! Unbenutzt verflog“


