Allein Don Gonzalo weiſt alles zurück; ja, er ſtellt Don Juans Ehrgefühl endlich auf die härteſte Probe, indem er die freiwillige Demütigung des vor ihm knieenden Don Juan dieſem als Feigheit auslegt. In dieſem Augenblicke tritt der ungeduldig wartende Don Luis ein. Don Juan— auf den Knieen! Welch ein Triumph für ſeinen einſt ſo gedemütigten Gegner. Solche Schmach erträgt Don Juan nicht. Mit dem verzweifelten Rufe:
„So mag denn die Hölle ſiegen!“ „Du, Comthur, drängſt meine Seele“ „In des Laſters Pfuhl zurück,“ „Und wenn Gott dereinſt mich richtet,“ „Dann haſt Du mich zu vertreten—“ ſchießt er Don Gonzalo nieder und erſticht darauf Don Luis im Zweikampf. Mit den Worten: „Da den Himmel ich gerufen,“ „Und er ſeine Thür mir ſchließet,“ „Nun, ſo muß er und nicht ich“ „Meinen Erdenlauf vertreten“ ſchließt die Szene. Auf den Lärm hin eilen die Diener zu Hilfe und zur Rache an Don Juan herbei. Donna Ines ſelbſt aber bricht in die Worte aus: „Rache— doch nicht gegen ihn!“
Mit dieſem Worte aber eröffnet ſich eine weite Perſpektirve. Denn nun— nachdem Don Diego, Donna Anna, Don Luis, Don Gonzalo vom Schauplatz abgetreten ſind und nur Donna Ines' und Don Juans Los noch nicht entſchieden, weiß der Dichter durch dieſe Andeutung auf die Möglichkeit der Erneuerung der Beziehungen beider hinzuweiſen und ſo die beiden einzigen noch loſen Fäden der Handlung aufs Neue mit einander zu verknäpjen.
Zweiter Teit d des Samas.
Fünf Jahre ſind ſeit der ruchloſen That vergangen. Ein Bildhauer legt d die letzte Hand an die nach Don Diegos letztem Willen gefertigten Grabmäler des Don Gonzalo, des Don Luis, der Donna Ines ſowie des Stifters ſelbſt. Da tritt Don Juan auf, gibt ſich zu erkennen und überläßt ſich, nach⸗ dem ihm der entſetzte Künſtler die Schlüſſel zu dem Pantheon überreicht, ſeinen Gedanken. Reuig fleht er den Schatten der durch ſeine Schuld ſo früh dahingerafften Donna Ines an:
„O, ſo laſſ' deine Milde walten“
„Und eine Ruheſtatt bereite“
„Mir in dem Grab an deiner Seite.“ „Für mich der Ew'ge Dich erſchuf,“ „Durch Dich hört' ich der Tugend Ruf,“ „In Dir ich Gottes Größe pries,“
„Und ſchaute in ſein Paradies.“
Und er fleht nicht umſonſt. Plötzlich erſcheint an der Stelle von Donna Ines Grabmal deren Schatten ſelbſt und ſpricht zu ihm:
„Dem ewgen Gott bot meine Seele“ „Ich für die Deinige als Preis,“
„Und als er ſah, wie ich ſo heiß,“ „Wie ich ſo feſt an Dir gehangen, „Da hört' er meine Bitte an“
„Und ſprach: Erwarte Du Don Juan,“ „Bis er erſcheint an Deinem Grabe.“ „Und wenn Dein Herz ſo treu und rein“ „An Satansliebe ſich gekettet:“ „Wohlan, Du ſollſt mit ihm gerettet,“ „Mit ihm ſollſt Du verloren ſein.“ „So wache denn für ſeine Seele!“


